Ein verantwortungsloser Dealer
Auch wer heute aufwacht, kann den ganzen Scherbenhaufen dieser Nacht noch nicht vollständig überblicken. Nach Wochen intensivster Diplomatie, dem halböffentlichen Einreden von sechs Regierungschefs und einem Besuch beim Papst hat Donald Trump nun doch den Ausstieg aus dem Pariser Abkommen verkündet.
Brüske Äußerungen des Präsidenten waren wir inzwischen schon gewohnt. Aber diese Entscheidung hat eine kaum absehbare weltweite Bedeutung. Denn der Elefant im Porzellanladen hat nicht nur einen Vertrag gekündigt, sondern als Weltmacht demonstriert, wie mit einem Wisch jahrelange Verhandlungen und ein von allen Seiten beachteter Konsens vernichtet wird. Auch wenn das Abkommen für die übrigen 196 Staaten, die es unterschrieben, weiterhin Gültigkeit besitzt, muss sich die Welt an diesem Morgen fragen, wie verlässlich eine amerikanische Politik künftig sein wird. Wie viel Vertrauen können Merkel, Macron und Co. noch haben, wenn nichts mehr gilt? Die Konflikte in Nordkorea und Syrien sind nur zwei Beispiele, bei denen die Weltgemeinschaft Verlässlichkeit braucht. Das Verhalten von heute Nacht gibt da weniger statt mehr Sicherheit beim Blick in die Zukunft.
In einem Punkt aber bleibt sich Trump auch beim Aufkündigen des Abkommens treu: Er will Deals machen, die besser für sein Land sein. Mag aus den USA ein großer Aufschrei über den großen Teich schwappen, hat er doch eine nicht zu unterschätzende Masse des Volkes mit seiner Entscheidung hinter sich. Scheinbar ist es in den vergangenen Jahren nicht gelungen, dem weltweit zweitgrößten Emittenten des Kohlenstoffdioxid-Ausstoßes die Folgen seines Handelns deutlich zu machen. Mag sein, dass ein Ausstieg aus dem Pariser Abkommen zunächst Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten schafft oder zumindest sichert. Eine naive Kurzsichtigkeit. Langfristig wird aber auch dieses Land die wirtschaftlichen Folgen eines Klimawandels zu spüren bekommen.
Und noch eines hat Trumps Entschluss offenbart: Die neue Regierung der USA meinte es ernst, wenn sie im Wahlkampf "America first" sagte. Im Umkehrschluss aber sind ihr die anderen Staaten egal. Dies ist – mit einem Wort gesagt – verantwortungslos. Zum ausschließlich eigenen Vorteil die Weltgemeinschaft nicht im Blick zu haben, zeugt nicht von einem großen Dealmaker, sondern von einer egozentrischen Nation mit einem Präsidenten, der vor seinen Entscheidungen zunächst in die Slums und Favelas dieser Welt gehen sollte. Dann weiß er, welche existentiellen Konsequenzen die Zerstörung der Umwelt für viele haben kann. Davon wird auch die USA langfristig nicht unberührt bleiben. Ein miserabler Deal, Herr Präsident!
Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.