Missglückte Jesus-Fresko-Restaurierung wird zum Musical
Ein Musical über die missglückte Restaurierung eines Christus-Freskos, die weltweit für Aufsehen gesorgt hat, wird am Wochenende uraufgeführt. Die komische Oper "Behold the man – La Ópera de Cecilia" ("Seht, der Mensch!") feiert am Samstag in Las Vegas seine Weltpremiere, wie der "Guardian" berichtet. Erste Nummern aus dem Musical des Komponisten Paul Fowler und des Texters Andrew Flack wurden bereits vor sieben Jahren im spanischen Borja aufgeführt, wo die heute 93-jährige Cecilia Giménez in der Wallfahrtskirche Santuario de Misericordia das um 1930 entstandene Ecce-Homo-Fresco des Malers Elías García Martínez versucht hatte zu restaurieren. Nach der Restaurierung ähnelte das Christusbild einem Affen und erhielt daher den Spitznamen "Ecce Mono" ("Seht, der Affe!").
Das Musical erzählt mit Erlaubnis der Familie von Giménez die Geschichte der Restaurierung und der daraus entstehenden weltweiten Aufmerksamkeit nach. "Wir machen uns nicht über sie lustig, sie ist nicht die Zielscheibe unserer Witze - sie ist die Heldin, deren Geduld und Glaube und Sanftmut den Sieg davonträgt", sagte Flack gegenüber dem Guardian: "Denn das ist Cecilia." Die Musik mischt Elemente der Klassik, spanischer Folklore, gregorianischen Gesängen und K-Pop mit Anklängen an den Barock-Komponisten Henry Purcell, R.E.M. und Radiohead.
Outsider-Kunst, Akt des Glaubens oder nur ein weiteres Meme?
Die "Opera Las Vegas" beschreibt das Stück so: "In einem Versuch, ein vergessenes und leider verfallenes Fresko von Jesus zu retten, versucht eine ältere Frau in Spanien, es zu restaurieren und macht damit alles nur noch schlimmer. Die Empörung ist groß und es werden Drohungen ausgesprochen; sogar der Geist des ursprünglichen Künstlers mischt sich ein. Als ein Foto ihrer verpfuschten Restaurierung viral geht, kommen Touristen aus der ganzen Welt und helfen, die Wirtschaft der kämpfenden Stadt wieder anzukurbeln. War es ein Wunder? Große Outsider-Kunst? Ein selbstloser Akt des Glaubens? Oder nur ein weiteres Internet-Meme?"
Die Idee zu dem Musical sei entstanden, als Flack 2012 von der Restaurierung erfahren habe: "Als ich ihr Gesicht in der Zeitung sah, dachte ich nur: 'Ach du meine Güte! Das hat sie nicht gewollt'. Ich sah ihre Verzweiflung und ich sah ihre Unschuld. Sie ist eine Frau aus der Gemeinde. Sie hat ihr ganzes Leben in dieser Stadt verbracht – sie hat in dieser Kirche geheiratet, ihre Kinder wurden in dieser Kirche getauft –, sie würde nie etwas tun, was ihr schadet." Die Restaurierung ist für ihn eine gute Tat, die schief gegangen ist. Im Musical erzählt er die wahre Geschichte nach: Borja wurde durch die Restaurierung zum Touristenmagnet, Zehntausende Besucher kommen seither in den kleinen Wallfahrtsort in Aragonien. An der Wallfahrtskirche gibt es heute ein Museum und einen Souvenirshop. Damit habe er schon zu Beginn gerechnet, sagt Flack heute: "Sie wurde von ihren Nachbarn wirklich zur Schnecke gemacht und sie waren ziemlich böse zu ihr, aber ich dachte damals schon, dass sich das ändern würde." Die Aufmerksamkeit habe schließlich in der strukturschwachen Region für einen kleinen Aufschwung gesorgt. "Was mich dann wirklich gepackt hat, war ihr Wille zur Vergebung. Als wirklich gläubige und christliche Frau hat sie ihren Nachbarn und allen anderen vergeben, die so böse zu ihr waren." Das soll auch das Musical transportieren.
Immer wieder sorgen gut gemeinte Restaurierungen für Aufsehen. Ähnliche Vorkommnisse fanden in den vergangenen Jahren in Spanien wiederholt statt, etwa im Juni 2019, als eine jahrhundertealte Holzfigur des heiligen Georg entstellt wurde, oder die Restaurierung mehrerer Heiligenstatuen mit Lippenstift und Eyeliner im September 2018. 2020 traf es ein Marien-Gemälde aus Valencia. (fxn)