Schönborn: Frühe Christen als Orientierung im demografischen Wandel
Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn sieht in den Erfahrungen des frühen Christentums wichtige Anhaltspunkte für den Umgang mit dem demografischen Wandel. Wertschätzung von Frauen, Schutz des Lebens von Kindern und die Bedeutung der Ehe hätten wesentlich zur Ausbreitung des christlichen Glaubens beigetragen, sagte der emeritierte Wiener Erzbischof bei einem internationalen Symposium an der Katholischen Hochschule ITI im niederösterreichischen Trumau.
Zugleich rief Schönborn die Kirche auf, einsamen Menschen und ungewollt kinderlosen Paaren mit Mitgefühl zu begegnen. Entscheidend seien nicht allein pastorale Programme, sondern Menschen, die ihren Glauben im Alltag lebten.
In der antiken Gesellschaft habe das Christentum Frauen eine besondere Wertschätzung entgegengebracht und die damals verbreitete Tötung von Neugeborenen abgelehnt, erläuterte Schönborn. Viele Frauen hätten den christlichen Glauben angenommen und auch ihre Männer dafür gewonnen. Wesentliche Elemente dieser Haltung habe später auch Papst Johannes Paul II. (1978–2005) mit seinem Einsatz für die Würde der Frau und den Schutz des Lebens hervorgehoben.
Keine Angst vor der Minderheit
Mut zur Elternschaft entstehe vor allem durch das Beispiel anderer Familien, betonte Schönborn. Er berichtete von jungen Paaren, die durch solche Begegnungen selbst zur Familiengründung ermutigt worden seien. "Das wichtigste Element war immer das Zeugnis des Lebens", so der Kardinal.
Unter Berufung auf Joseph Ratzinger betonte Schönborn, Christen müssten sich nicht davor fürchten, zur Minderheit zu werden. Durch ihren Glauben und ihre Familien könnten sie weiterhin Leben in die Gesellschaft einbringen. Auch bestehe in einer säkularisierten Umgebung die Möglichkeit, Jesus und das Evangelium als etwas Neues und Unerwartetes zu entdecken.
Die vor 20 Jahren auf Initiative von Papst Johannes Paul II. entstandene Katholische Hochschule ITI ist seit 2009 auf Schloss Trumau 25 Kilometer südlich von Wien beheimatet. Zu ihren Schwerpunkten zählen das Studium von Ehe und Familie sowie der Austausch zwischen östlicher und westlicher Kirchentradition. Anlass der Tagung war das zehnjährige Bestehen des päpstlichen Schreibens "Amoris laetitia".