Suche
Standpunkt

Wann zieht Schönstatt Konsequenzen?

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

Ein Kommentar von
Felix Neumann
Bronzestatue von Pater Josef Kentenich, dem Gründer der internationalen Schönstatt-Bewegung, vor dem Pater-Kentenich-Haus in Vallendar, Rheinland-Pfalz.
Bonn - Trotz vieler Quellen, die übergriffiges Verhalten des Schönstatt-Gründers Josef Kentenich dokumentieren, hält die Bewegung an ihrem Gründer fest. Wie lange noch, fragt Felix Neumann.

Geistliche Bewegungen lassen sich kaum vom Charisma ihres Gründers trennen: Was wären die Jesuiten ohne Ignatius, die Franziskaner ohne Franziskus? Und: Was wäre Schönstatt ohne Pater Josef Kentenich?

Gründergestalten sind mehr als ein bloß historischer Ursprung. Umso schwerer muss der Schock sein, wenn sich der verehrte Gründer, auf den Generationen ihr Werk gebaut haben, als ganz anders erweist, als es idealisierte Gründungsgeschichten nahelegen. Psychologisch ist es verständlich, wenn Abwehr und Nichtwahrhabenwollen die ersten Reaktionen sind. Aber dabei darf es nicht stehen bleiben.

Die Vorwürfe geistlichen Missbrauchs und sexualisierter Gewalt sind seit Jahren bekannt. Die Kirchenhistorikerin Alexandra von Teuffenbach hat systematisch Quellen erschlossen, zu deren eindrücklichsten die unter Eid abgegebenen Aussagen von ehemaligen Marienschwestern im Seligsprechungsprozess Kentenichs gehören. Der Versuch der Marienschwestern, diese Veröffentlichung gerichtlich zu unterbinden, scheiterte.

Derartige Erkenntnisse sollten einen Seligsprechungsprozess unmittelbar beenden. Nicht, weil sie juristisch einen Schuldspruch darstellen, sondern weil sie massive Zweifel am Ruf der Heiligkeit aufwerfen, ganz unabhängig von der juristischen Bewertung. Und eigentlich scheint allen klar zu sein, dass unter diesen Bedingungen eine Seligsprechung nicht möglich ist – dem Vatikan wie dem in der diözesanen Phase federführenden Bistum Trier. Nur in der Schönstatt-Bewegung scheint man sich noch Hoffnung zu machen, dass es trotz aller Quellen doch anders sein könnte. Das Verfahren ist nur ausgesetzt, nicht beendet. Es wird weiter geforscht und gesucht, ob nicht doch noch eine entlastende Quelle auftaucht, auch wenn das mit der Überschrift "Offen für die Wahrheit" geschieht.

Es ist schmerzhaft, wenn Bewegungen einen Weg ohne den Gründer finden müssen, aber es ist nicht unmöglich, wie etwa die Legionäre Christi gezeigt haben. Konsequenzen aus Erkenntnissen zu ziehen, ist eine Frage der eigenen Glaubwürdigkeit und der Glaubwürdigkeit dessen, was gut ist im Gründungscharisma – und eine Frage des Respekts vor den Opfern. Endlich zuzugeben, dass die Seligsprechung vom Tisch ist, wäre nur der erste Schritt. Je länger der erste Schritt hinausgezögert wird, desto schmerzhafter wird der Weg.

Der Autor

Felix Neumann ist Redakteur bei katholisch.de und stellvertretender Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizistinnen und Publizisten.

Felix Neumann bei Mastodon
Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider.

Unser Netzwerk

kna-katholisch-swarm-node2 (0.002s)