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Lateinamerikareise von Leo XIV.

Der Papst in Uruguay: Eine eindrucksvolle Übung in Bescheidenheit

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Montevideo - Das kleine Uruguay gilt für Handelsfirmen als Tor nach Südamerika. Auch Leo XIV. wählte das Land als Ausgangspunkt für seine erste Reise auf dem Subkontinent.

Für Papst Leo XIV. war der Auftakt seiner langen Südamerikareise in Uruguay mit seinen nur etwa zwei Millionen Katholiken eine eindrucksvolle Übung in Bescheidenheit. Das galt schon für den ungewöhnlich kleinen Empfang am Flughafen von Montevideo - dem anschließend jubelnde Menschenmengen am Straßenrand viel Positives entgegensetzten.

Auch am Samstagvormittag ging es wieder recht bescheiden zu: Zur allerersten Messe, die Leo XIV. als Papst auf dem amerikanischen Kontinent feierte, kamen nur wenige zehntausend Menschen, um am Gottesdienst unter freiem Himmel in der Provinzstadt Paysandú nahe der argentinischen und der brasilianischen Grenze teilzunehmen. Nässe und kalter Wind sorgten für erschwerte Bedingungen, viele Plätze blieben frei auf der lehmnassen Wiese, der Jubel war verhalten.

Auf andere Weise bescheiden waren die Verhältnisse, die den Papst am Samstag in dem von Armut, Kriminalität und prekären Behausungen geprägten Hauptstadtviertel Casavalle erwarteten. Dankbar klatschten dort Tausende Menschen Beifall, als Leo XIV. in einer eindringlichen Ansprache lokale Missstände wie Armut und Verwahrlosung anprangerte.

Angst um Kinder

Dabei erwähnte er auch ein Phänomen, das in den vergangenen Jahren zunehmend für Angst in Teilen von Montevideo sorgt: Die wachsende Kriminalität mit Raubüberfällen und anderen Gewalttaten. Kein Kind sollte "wegen der Unsicherheit auf den Straßen auf eine ordentliche Ausbildung und eine würdige Zukunft verzichten müssen." Kirche, Zivilgesellschaft und Staat müssten aus ihrer "Trägheit erwachen und sich für das Gemeinwohl einsetzen".

Damit traf er einen Nerv: In dem Stadtviertel gab es laut einem lokalen Fernsehsender im vergangenen Jahr mehr als 40 Morde - das ist etwa ein Mord alle acht Tage. Der Papst, dem US-Präsident Donald Trump vor einigen Monaten vorgeworfen hatte, er sei "weak on crime" - schwach im Einsatz gegen Kriminalität -, forderte mit diesen Worten, dass Staat und Gesellschaft mehr tun sollen, um Kinder vor Gewaltverbrechern zu schützen. Ebenso klar war seine Anklage gegen Kinderarmut, die in einem vergleichsweise wohlhabenden Land wie Uruguay besonders skandalös wirkt.

Kein Kind solle "wegen der Unsicherheit auf den Straßen auf eine ordentliche Ausbildung und eine würdige Zukunft verzichten müssen", so Papst Leo XIV. in Uruguay.

Es folgte ein kurzer Auftritt an der jungen, noch unvollendet wirkenden katholischen Universität von Uruguay, wo Leo XIV. mit großem Enthusiasmus von den Studierenden begrüßt wurde, bevor er am zweiten Abend erstmals eine echte Massenveranstaltung erlebte. Im historischen Stadion "El Centenario", das im fußballverrückten Uruguay den Status eines Kultortes hat, feierten rund 70.000 Menschen begeistert den Papst, weitere 30.000 verfolgten die Zeremonie von draußen auf Großbildschirmen.

Wie schon am Morgen in Paysandú und später in Casavalle predigte Leo betont einfach; er zitierte Geschichten aus dem Grundwortschatz des Christentums: Im Armutsviertel war das die Erzählung vom barmherzigen Samariter. Bei der Gebetsvigil mit den meist jungen Leuten, von denen viele keinen kirchlichen Hintergrund hatten, erinnerte er an die allgemein bekannte Weihnachtsgeschichte vom fehlenden Platz in Bethlehems Herbergen.

Eine einfache Botschaft

Eine weitere Dimension kirchlicher Bescheidenheit gab es beim Abschlussgottesdienst des knapp dreitägigen Uruguay-Besuchs zu besichtigen: Der Papst feierte die große Sonntagsmesse vor der Kathedrale von Florida - einem Ort, der seit etwa 200 Jahren als "nationales Wallfahrtsheiligtum" des Landes gilt. Ganze 10.000 Menschen pilgern dort alljährlich hin - weniger als an den großen Marienwallfahrtsorten Lateinamerikas an einem Tag eintreffen. Die Kirche in Uruguay versucht dort, rund um eine kleine Mariendarstellung, die laut Legende von 33 gläubigen Freiheitskämpfern Anfang des 19. Jahrhunderts verehrt wurde, eine Synthese von Nationalstolz und Marienfrömmigkeit zu schaffen.

Für den Papst wurde die Sonntagsmesse bei der "Jungfrau der 33" nördlich der Hauptstadt Montevideo zum zahlenmäßig größten Triumph seiner Uruguay-Reise. In der milden Sonne feierte eine große Menge mit ihm den Gottesdienst und verabschiedete sich in einer Mischung aus Feststimmung und Wehmut von dem prominenten Besucher, der drei Tage lang mit seinen Worten und Gesten jede Nachrichtensendung und jede Schlagzeile in dem kleinen Land dominiert hatte.

In seiner letzten Predigt in Uruguay hatte er abermals eine einfache Botschaft für sie. Er beschwor inständig die Eltern und Großeltern, nicht müde zu werden, den Kindern mit Gebeten und Nächstenliebe die einfachsten und wesentlichsten Grundlagen des christlichen Glaubens beizubringen.

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