Kirchenhistoriker über Papst: Nicht jedes Detail muss öffentlich sein
Mit Blick auf den Krankenhausaufenthalt von Papst Leo XIV. sieht der italienische Kirchenhistoriker und Geistliche Roberto Regoli keine Notwendigkeit, jedes Detail öffentlich zu machen. Zwar hätten die Gläubigen ein Recht auf wahrheitsgemäße Informationen, doch müsse "zwischen Aufrichtigkeit und wahlloser Offenlegung" unterschieden werden, sagte Regoli der italienischen Zeitung "Il Messaggero" am Freitag.
Die Kommunikation über eine Krankheit müsse ihm zufolge "an der Schwelle zur persönlichen Intimsphäre" enden. Es sei richtig, über den allgemeinen Gesundheitszustand informiert zu sein und zu wissen, ob eine Operation erfolgreich verlaufen sei und wie sich die Genesung entwickle. Es sei jedoch nicht notwendig, jeden Schmerz und jeden Aspekt des Krankenhausaufenthalts zu schildern. Transparenz dürfe ebenfalls nicht "zu einem Eingriff in die Privatsphäre werden", so Regoli weiter. Der Kirchenhistoriker ist Professor an der Päpstlichen Universität Gregoriana und steht seit Jahresbeginn an der Spitze der vatikanischen Ratzinger-Stiftung.
"Heikler Balanceakt"
Regoli äußerte sich auch zur Kommunikation über den Gesundheitszustand der vergangenen Päpste – darunter Papst Franziskus (2013–2025): Die Privatsphäre eines Papstes sei durch das öffentliche Interesse und den Druck der auf ihm laste "unweigerlich eingeschränkt". Dennoch habe Franziskus "großen Wert auf seine Privatsphäre" gelegt. Bei Johannes Paul II. sei die Krankheit hingegen "zu einem festen Bestandteil der öffentlichen Darstellung des Pontifikats" geworden; sein leidender Körper Teil der Kommunikation der Kirche.
Mit Blick auf die bisherige Kommunikation über den Gesundheitszustand von Leo XIV. erklärte Regoli, die wesentlichen Informationen seien "ausreichend klar vermittelt" worden. Es bleibe ein "heikler Balanceakt", das Recht auf Information mit dem Schutz der Privatsphäre in Einklang zu bringen. "Mehr Details bedeuten nicht zwangsläufig bessere Kommunikation."