Asylanträge für koptische Christen überprüfen?

Nach dem Attentat auf koptische Christen in Ägypten wird über die Konsequenzen diskutiert. Der CDU-Politiker Heribert Hirte hat eine konkrete politische Forderung.

Terrorismus | Rom - 10.04.2017

Die Anschläge in Ägypten hat ein hoher Vertreter des vatikanischen Staatssekretariats als Angriff auf den interreligiösen Dialog gewertet. Die Bluttaten seien "leider offensichtlich" so zu lesen, sagte Kurienerzbischof Giovanni Angelo Becciu, Leiter der Sektion für die Allgemeinen Angelegenheiten im Staatssekretariat, der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera" vom Montag. Zugleich handle es sich wohl um eine "indirekte Botschaft" an die ägyptische Regierung, die den Christen mehr Freiheiten eingeräumt habe.

"Wir fahren entspannt"

Becciu relativierte zugleich Sicherheitsbedenken mit Blick auf den Ende April geplanten Besuch von Papst Franziskus in Kairo. Auch bei früheren Reisen habe es Fragen hinsichtlich der Sicherheit oder Befürchtungen von Attentaten gegeben, etwa in der Zentralafrikanischen Republik. Ägypten habe eine bestmögliche Vorbereitung zugesichert. "Wir fahren entspannt", sagte Becciu.

Ein Kreuz vor einem Meer von ägyptischen Flaggen.
Christen geraten in Ägypten derzeit zwischen die Fronten.
 KNA

Der Kurienerzbischof betonte, Papst Franziskus habe vom ersten Erscheinen des "Islamischen Staats" an zwischen den Terrorakten von Fanatikern und der islamischen Religion an sich unterschieden. "Er hat sich immer geweigert, den Islam als solchen mit Terrorismus zu assoziieren", sagte Becciu. Das habe dem Papst die Anerkennung von Muslimen eingetragen.

In Deutschland appellierte auch der Präsident von missio München, Wolfgang Huber, an die Menschen guten Willens, sich den Predigern des Hasses entgegenzustellen. "Wir dürfen die Radikalen nicht gewinnen lassen, indem auch wir Gewalt und Hass unser Denken bestimmen lassen", erklärte Huber am Montag in München.

Kopten nicht ausgrenzen

Der Stephanuskreis der CDU/CSU-Bundestagsfraktion fordert unterdessen politische Konsequenzen aus dem Attentat. Er plädiert für eine Überprüfung von Asylanträgen von koptischen Christen aus Ägypten. "Die Kopten sollen nicht grundsätzlich Asyl erhalten, aber bei den Fällen, die in der Diskussion sind, sollte genauer hingeschaut werden", sagte der Vorsitzende des überkonfessionellen Gesprächsforums, Heribert Hirte (CDU), am Montag im Deutschlandfunk.

Dass koptische Christen in Ägypten nicht ausgegrenzt werden dürfen, betont die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). Es brauche ein klares Signal, dass Christen ein fester Bestandteil der ägyptischen Gesellschaft und gleichberechtigte Bürger seien, erklärte GfbV-Afrikaexperte Ulrich Delius am Montag in Göttingen.

Mit der Verhängung des Ausnahmezustands nach dem Doppelanschlag schüre Staatspräsident Abdel Fattah al-Sisi den Unmut gegen koptische Christen, warnte Delius, "denn der Ausnahmezustand wird die Zahl der politisch motivierten Festnahmen noch weiter ansteigen lassen". Seit dem Machtantritt al-Sisis im Juni 2014 seien bereits über 67.000 Ägypten aus politischen Gründen festgenommen worden. "Wir fürchten, dass Kopten für jede neue Repression gegen Andersdenkende mit ihrem Leben bezahlen müssen."

Schock nach Anschlägen - Islamisten bekennen sich

Bundesregierung und Kirchenvertreter haben die Anschläge auf koptische Christen in Alexandria und Tanta auf das Schärfste verurteilt. Unterdessen reklamiert der Islamische Staat die Taten für sich.

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Bei Bombenanschlägen auf zwei koptische Kirchen im nordägyptischen Tanta und in Alexandria wurden am Palmsonntag nach Regierungsangaben mindestens 44 Menschen getötet und mehr als 120 verletzt. Die Terrororganisation "Islamischer Staat" reklamierte die Taten für sich. Papst Franziskus reist am 28. und 29. April nach Kairo, um mit dem ägyptischen Präsidenten sowie mit Leitungspersonen der islamischen Universität Al-Azhar sowie der koptischen und der katholischen Kirche zusammenzutreffen. (gho/KNA)

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