Australiens Bischöfe wollen Missbrauch ausschließen

In einer mehrwöchigen Anhörung haben die Bischöfe in Australien ein Mea culpa gesprochen. Mit gezielten Schritten wollen sie künftig sexuellen Missbrauch verhindern. Opfervertreter bleiben skeptisch.

Missbrauch | Sydney - 24.02.2017

In Sydney ist am Freitag vor der Missbrauchskommission die abschließende Anhörung über den Umgang der katholischen Kirche Australiens mit Fällen sexuellen Missbrauchs zu Ende gegangen. Mehr als 70 Erzbischöfe, Bischöfe und Experten standen über drei Wochen der 2013 von der australischen Regierung eingesetzten Kommission Rede und Antwort.

Im Zentrum der Schlussanhörung stand zum einen die Frage, wie Klerikalismus und die hierarchische Struktur der Kirche zu dem weit verbreiteten Missbrauchsskandal beigetragen haben. Zum anderen wollte die Kommission von Bischöfen wissen, welche Maßnahmen, Strukturen und Schutzmechanismen die Kirche ergreifen wird, um künftig sexuellen Missbrauch von Kindern auszuschließen.

Kirchenmodell gehöre demontiert

Die vielleicht eindeutigste Antwort auf den ersten Themenkomplex gab Vincent Long Van Nguyen. Titel, Privilegien und die "institutionelle Dynamik in der Kirche" seien der Nährboden für "klerikale Überlegenheit und Elitedenken", betonte der aus Vietnam stammende Bischof von Parramatta. Es sei "kein Geheimnis", dass die Kirche seit langem mit einem überkommenen Gesellschaftsmodell operiert habe: mit einer klaren Hackordnung, wo "ganz unten am Fuß der Pyramide die Laien stehen", kritisierte der Bischof laut der auf der Website veröffentlichten Mitschrift seiner Aussage. Dieses Kirchenmodell habe einen "nicht unbedeutenden Beitrag" für den Missbrauchsskandal in der Kirche geleistet. Es gehöre "demontiert".

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"Das war ein Verbrechen, Herr Erzbischof." - "Ja, das stimmt." Mit einem Schuldeingeständnis ist die letzte Anhörung der australischen Missbrauchkommission zu Ende gegangen.

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Das Wort von Long hat Gewicht. Der 2016 von Papst Franziskus ernannte Bischof ist nicht nur ein kluger Theologe. Er weiß auch bei sexuellem Missbrauch, wovon er spricht. Long wurde als junger Mann als Bootsflüchtling aus Vietnam nach seiner Ankunft in Australien 1980 von einem Priester sexuell missbraucht  Zu Beginn der Anhörung veröffentlichte die Kommission harte Daten. Demnach gingen bei der Kirche Missbrauchsanzeigen von 4.444 Menschen über Vorfälle zwischen 1980 und 2015 ein. Mit 90 Prozent waren Jungen die mit Abstand größte Opfergruppe.

Wie schon in früheren Einzelfallanhörungen versicherten die Bischöfe auch in der Schlussanhörung, alles zu tun, um durch Reformen künftig Missbrauchsfällen vorzubeugen. Die Kirche in Australien werde die Opfer weiter unterstützen, so der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Denis Hart von Melbourne. In einer vor Beginn der Anhörung veröffentlichten Erklärung betonte Erzbischof Mark Coleridge von Brisbane jedoch auch: "Es reicht nicht, Verfahren und Standards zu verändern. Wir müssen die Kultur verändern. Das ist die schwierigere Aufgabe."

Kirche muss Konsequenzen ziehen

Die Kommission habe eine unschätzbare Fülle an Daten, Fakten und Beweisen zusammengetragen, lobte Steven Spaner von der Opfervereinigung SNAP im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Jetzt sei es an der Kirche, die Konsequenzen zu ziehen. Man habe aber bislang "noch keine Taten gesehen, die die Kirche und die australischen Bischöfe tatsächlich zu einer Änderung der Kultur zwingen", so Spaner.

Barbara Dorriss, ebenfalls SNAP-Mitglied, ergänzt: "Kein Bischof wurde bisher dafür bestraft, dass er Täter beschützt hat. Erst wenn Kirchenoffizielle von zivilen und kirchlichen Gerichten zur Verantwortung gezogen werden und die Konsequenzen für ihre Taten tragen müssen, werden sich die Dinge ändern." In den kommenden Monaten wird die Kommission in weiteren abschließenden Anhörungen die Ergebnisse ihrer Fallstudien über den Umgang mit Missbrauchsfällen in anderen Konfessionen und Religionen, Sportvereinen, staatlichen Einrichtungen und der Unterhaltungsbranche ziehen. Der voluminöse Abschlussbericht mit umfangreichen Analysen und Empfehlungen soll im Dezember veröffentlicht werden.

Von Michael Lenz (KNA)

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