Auferstehung plus?

Unter den Hochfesten hat Christi Himmelfahrt eine Sonderstellung: Bei keinem anderen begegnet einem auch unter praktizierenden Katholiken so häufig die Frage, was überhaupt gefeiert wird.

Kirchenjahr | Bonn - 10.05.2018

Während an Ostern die Auferstehung Christi gefeiert wird, geht es an Christi Himmelfahrt um seine "Erhöhung", wie die Theologen sagen. Gemeint ist das im übertragenen Sinne: Das Fest erinnert nicht an ein historisches Ereignis aus dem Leben Jesu. Es geht nicht darum, dass er in die Wolken abhebt. Die Himmelfahrt illustriert vielmehr eine theologische Aussage: Jesus hat Teil an der Herrschaft Gottes und ist ihm so nahe wie kein anderer. Erst nach der Himmelfahrt sitzt Christus "zur Rechten Gottes", wie es im Glaubensbekenntnis heißt. So bietet die Himmelfahrt eine Erklärung dafür, dass Jesus zwar lebt und regiert, aber nicht mehr in körperlicher Gestalt bei seinen Jüngern ist.

Der Katechismus der Katholischen Kirche erklärt dies so: Nach der Auferstehung habe es bis zur Himmelfahrt zunächst eine "Zwischenzeit" gegeben. In diesem Zeitraum sei die "Herrlichkeit des auferstandenen Christus noch nicht ebenso hell erstrahlt wie dann die Herrlichkeit des zur Rechten des Vaters erhöhten Christus". Die Himmelfahrt ist demnach eine Art Abschluss der Auferstehung. Viele Theologen sind heute der Auffassung, dass zwischen Auferstehung und Erhöhung Christi kein prinzipieller Unterschied besteht. Es handelt sich demnach lediglich um die Hervorhebung unterschiedlicher Akzente.

Keine Himmelfahrt in der Alten Kirche

Hierbei können sie sich auf die Praxis der frühen Kirche stützen: Diese kennt noch kein eigenes Fest der Erhöhung, sondern feiert sie gemeinsam mit der Auferstehung Christi an Ostern. Erst im Laufe des vierten Jahrhunderts ist ein eigenes Himmelfahrtsfest erstmals bezeugt, im 5. Jahrhundert ist es allgemein verbreitet. Christen in Syrien und Palästina feierten das Fest zunächst am 50. Tag nach Ostern. Heute wird das Hochfest am 40. Tag der Osterzeit, also 39 Tage nach dem Ostersonntag, immer an einem Donnerstag begangen.

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Christi Himmelfahrt? Da war doch was – irgendwas mit Jesus. Aber was genau wir an diesem Tag eigentlich feiern, hat katholisch.de knapp zusammengefasst.
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Im Mittelalter wurde die Himmelfahrt in den Gottesdiensten oft sehr realistisch dargestellt. Verbreitet war etwa im Spätmittelalter der Brauch, eine Christusfigur bis unter die Kirchendecke emporzuziehen, um das Entschwinden Jesu in den Wolken zu veranschaulichen. Bis heute hat sich die Tradition erhalten, an Christi Himmelfahrt Prozessionen zu veranstalten. Bekannte Umzüge sind etwa der "Gymnicher Ritt" in Erftstadt bei Köln, die Kutschenwallfahrt im münsterländischen Telgte oder die Heiligblutprozession im belgischen Brügge.

Weil das Fest - anders als Fronleichnam - eine biblische Grundlage hat, begehen auch Protestanten Christi Himmelfahrt. In Deutschland ist es ein beliebter Anlass für ökumenische Gottesdienste katholischer und evangelischer Gemeinden. Ebenso wie hierzulande ist Christi Himmelfahrt auch in mehreren anderen europäischen Ländern gesetzlicher Feiertag; auffallend ist hierbei, dass es sich oft um protestantisch geprägte Länder handelt, etwa Dänemark, Norwegen oder die Niederlande, wohingegen das Fest in katholischen Ländern wie Italien, Spanien und Polen ein normaler Werktag ist.

 Zwei biblische Quellen für die Himmelfahrt

Die biblische Grundlage für das Fest sind die Schilderungen der Himmelfahrt Christi im Lukas-Evangelium sowie der Apostelgeschichte. Im Vergleich zur späteren Ausgestaltung dieser Szene etwa in der Malerei sind beide Erzählungen sehr nüchtern gehalten. Sie berichten, wie der auferstandene Christus den Jüngern erscheint und mit ihnen spricht. Im Lukas-Evangelium heißt es zur Himmelfahrt selbst äußerst knapp: "Und es geschah, während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben". In der Apostelgeschichte wird der Vorgang so beschrieben: "Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken".

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Der Bonner Stadtdechant Wilfried Schumacher erklärt die Bedeutung des christlichen Feiertages Christi Himmelfahrt.
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Die Himmelfahrtserzählung verbindet die beiden biblischen Bücher auf eine besondere Weise: Das Lukas-Evangelium endet mit ihr, während die Apostelgeschichte mit der Erzählung beginnt. In den Details unterscheiden sich die Berichte jedoch. Während die Himmelfahrt im Evangelium offenbar noch am Tag der Auferstehung selbst stattfindet, nennt die Apostelgeschichte eine Frist von 40 Tagen, welche später in den kirchlichen Festkalender übernommen wurde.

Heute nimmt die Mehrheit der Bibelwissenschaftler an, dass die Himmelfahrt nicht zu den ältesten Überlieferungen von Jesu Leben gehört. Dafür spricht etwa, dass Lukas, der auch als Autor der Apostelgeschichte gilt, als einziger Evangelist davon berichtet. Im Markus-Evangelium gibt es nur einen Hinweis auf die Himmelfahrt, der wahrscheinlich später eingeführt wurde und auf Lukas zurückgeht.

Ansporn zur Mission

Aus den lukanischen Texten wird allerdings auch deutlich, dass es bei der Himmelfahrt Christi nicht um ein tatsächlich geschehenes Verschwinden in den Wolken auf Nimmerwiedersehen geht. Der zentrale Gedanke lautet vielmehr, dass Jesus am Ende aller Tage wieder kommen wird. Das soll den Christen Ansporn sein, die frohe Botschaft in der Welt zu verkünden. Christi Himmelfahrt wird so auch theologisch zu dem, was es kalendarisch ist: eine Durchgangstation zwischen Ostern und Pfingsten, dem Fest, das die Mission in den Vordergrund stellt.

Und darauf weist schon die Apostelgeschichte hin. Sie berichtet, wie die noch in den Himmel starrenden Jünger von zwei Männern angesprochen werden: "Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen."

Von Thomas Jansen

Linktipp: Christi Himmelfahrt: Viel mehr als nur Vatertag

Vielen ist dieser Tag vor allem als Vatertag bekannt. Männer ziehen durch Kneipen oder treffen sich zu Radtouren. Dass dieser Tag aber seit den 30er Jahren in ganz Deutschland ein gesetzlicher Feiertag ist, liegt an einem christlichen Fest.

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