Darum hat Fellay die "Zurechtweisung" unterschrieben

Piusbrüder-Chef Bernard Fellay gehört zu den größten Kritikern von Franziskus. Auch an der öffentlichen "Zurechtweisung" des Papstes beteiligte sich der Traditionalist - aus Liebe, wie er sagt.

Papst | Bonn - 27.09.2017

Der Leiter der Piusbruderschaft, Bischof Bernard Fellay, sieht sich nicht als Feind des Papstes. "Unser Respekt vor dem Papst bleibt intakt", sagte der Generalobere am Dienstag gegenüber der Nachrichtenseite "fsspx.news" der Traditionalisten. Die Wertschätzung für das Papstamt habe Fellay auch dazu veranlasst, die am Wochenende veröffentlichte "Correctio Filialis" zu unterzeichnen. In ihrer öffentlichen "Zurechtweisung" kritisieren die Autoren sieben "Häresien", für die Papst Franziskus direkt oder indirekt verantwortlich sein solle.

"Christi Lehre über die Ehe kann nicht verstohlen unter dem Vorwand geändert werden, dass sich die Zeiten geändert haben und die Seelsorge sich anpassen muss, indem sie Wege zum Umgehen der Doktrin aufzeigt", sagte Fellay weiter. Mit seinem Apostolischen Schreiben "Amoris laetitia" habe Papst Franziskus für Verwirrung gesorgt und zugleich auf widersprüchliche Interpretationen nicht reagiert. Die "Correctio" sei laut Fellay notwendig geworden, nachdem der Papst auch die von vier Kardinälen vorgebrachten "Dubia" unbeantwortet ließ: "Bei einer so ernsten Frage und angesichts der gegenwärtigen Spaltungen muss der Heilige Vater eine klare Antwort zum Inhalt seines Schreibens geben." Im Herbst 2016 war ein Brief der Kardinäle Walter Brandmüller, Raymond Leo Burke, Carlo Caffarra und Joachim Meisner an den Papst öffentlich geworden, in dem sie Franziskus zur Klärung ihrer "Zweifel" (lat. dubia) an "Amoris laetitia" aufforderten.

Fellay zitiert Benedikt XVI.

Auch Fellay beklagte nun, das Schreiben betone in bestimmten Punkten nicht eindeutig genug die kirchliche Lehre und führe damit zu Verwirrung und Spaltungen in der Kirche. Diese befinde sich gegenwärtig jedoch in einer sehr schweren Situation, sagte Fellay "fsspx.news". Er zitierte dabei den emeritierten Papst Benedikt XVI., der zur Beerdigung von Kardinal Joachim Meisner mahnte, dass "das Boot schon fast zum Kentern angefüllt ist". Laut Fellay müssten in diesem Kampf zuvorderst Glaube und Moral verteidigt werden.

Themenseite: Traditionalisten

Lange spielten sie in der öffentlichen Wahrnehmung kaum eine Rolle. Doch als Papst Benedikt XVI. die Messe nach tridentinischem Ritus 2007 wieder erlaubte, fanden auch sie wieder mehr Beachtung: die Traditionalisten. Die bekanntesten unter ihnen sind die Piusbrüder.

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Der Traditionalist sehe sich durch die öffentliche Kritik am Papst jedoch nicht weiter von der Kirche entfernt: "Mit jeder Faser unseres Seins hängen wir an Rom, der 'Mater et Magistra' [lat. Mutter und Lehrerin]." Zugleich kritisierte Fellay Änderungen in der "Lehre und Moral der Ehe" durch "Amoris laetitia". Diese seien Folgen von "Neo-Modernismus und Neo-Protestantismus", was bereits der Gründer der Piusbruderschaft, Erzbischof Marcel Lefebvre, im Jahr 1974 kritisiert habe, so Fellay.

Die traditionalistische Priesterbruderschaft St. Pius X. steht nach vier unerlaubten Bischofsweihen im Jahr 1988 nicht mehr in voller Gemeinschaft mit der Kirche. Unter Papst Benedikt XVI. wurden im Jahr 2009 Einigungsgespräche aufgenommen. Papst Franziskus setzte den Aussöhnungskurs fort, indem er der Bruderschaft unter anderem bestimmte Sakramentenfeiern erlaubte. Franziskus und Fellay trafen zudem bereits persönlich zu Gesprächen im Vatikan zusammen. Zugleich äußerten der Generalobere und weitere Vertreter der Bruderschaft wiederholt scharfe Kritik am Papst. (kim)

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