Interreligiöser Dialog

"Dialog mit Islam ausweiten"

Osnabrücks Bischof Bode besucht Institut für Islamische Theologie

Osnabrück - 10.12.2014

Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode hat am Dienstag das Institut für Islamische Theologie (IIT) in Osnabrück besucht. Neben einer Führung sprach er mit den dort angestellten Theologen, wissenschaftlichen Mitarbeitern sowie Hochschulprofessoren der katholischen und evangelischen Universitäts-Institute. "Trotz der dramatischen und komplizierten Entwicklungen in der Welt gilt es, sich einen differenzierten Blick auf den Islam zu bewahren", betonte Bode.

Gefragt, ob eine zunehmende Islamphobie unter den Menschen salonfähig werde, antwortete der Bischof, er habe bei Visitationen von Gemeinden eine wachsende Angst vor einer Islamisierung nicht feststellen können. Thema seien aber die Flüchtlinge . "In den Gemeinden gibt es eine große Bereitschaft, eine Willkommenskultur zu entwickeln."

Eine deutsche Flagge neben einem Minarett.
Eine deutsche Flagge neben einem Minarett.  picture alliance

Gespräche über gemeinsames Gottesbild

Bode plädierte dafür, den Dialog mit dem Islam inhaltlich tiefer auszuweiten. "Das sollte aber nicht nur auf der hochwissenschaftlichen Seite, sondern auch bei Fortbildungen oder in der Erwachsenenbildung stattfinden", sagte der Bischof. Gesprochen werden könne über das gemeinsame Gottesbild, wie auch über Unterschiede, etwa was die Menschwerdung Gottes angeht, schlug Bode vor. "Das kann allen helfen, wenn sie sich vor den anderen ausdrücken müssen. Vielleicht gibt es viel mehr Brücken als wir meinen."

Die katholische Theologin Martina Blasberg-Kuhnke stellte Bode eines der geplanten Projekte des IIT vor. "Wir wollen in einem nächsten großen Schritt zur Entwicklung des Instituts die Verbindung von sozialer Arbeit und Theologie kombinieren, um einen muslimischen Wohlfahrtsverband als Pendant zu Caritas und Diakonie zu gründen", sagte sie. Der Bedarf an muslimischen Fachkräften sei gewaltig. "Dafür benötigen wir aber die Unterstützung der Kirche", so Blasberg-Kuhnke. Die Professorin ist Projektbeauftragte für den Aufbau der islamischen Theologie an der Universität.

Ein politisches Problem

Um einen Wohlfahrtsverband zu gründen, brauche es einen Träger, und dazu müsse die muslimische Religionsgemeinschaft als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt werden, hielt einer der wissenschaftlichen Mitarbeiter fest. Bode erwiderte, das Staatsrecht müsse sich in dieser Frage öffnen. Vorstellbar sei, dass man künftig Formen finde, die zu einer "öffentlich-rechtlichen Einordnungen" führten.

„In Nordrhein-Westfalen sind viele kleinste Religionsgemeinschaften als Körperschaften des öffentlichen Rechts anerkannt. Nur die Muslime nicht“

Bülent Ucar, Direktor des Instituts für Islamische Theologie (IIT)

Für IIT-Direktor Bülent Ucar ist eine Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts kein rechtliches, sondern ein politisches Problem. "In Nordrhein-Westfalen sind viele kleinste Religionsgemeinschaften als Körperschaften des öffentlichen Rechts anerkannt. Nur die Muslime nicht", bedauerte er. Die Politik habe sich in der Vergangenheit eher abwehrend verhalten. Nur durch eine rechtliche Gleichstellung der islamischen Gemeinden mit anderen anerkannten Religionsgemeinschaften in Deutschland aber lasse sich ein Dialog auf Augenhöhe führen.

20 Lehrstühle für Islamische Theologie

Seit 2012 ist die Universität Osnabrück zusammen mit der Hochschule in Münster Standort des Zentrums für Islamische Theologie (ZIT). Dort werden islamische Nachwuchswissenschaftler, Religionsgelehrte und Lehrkräfte für den islamischen Religionsunterricht an Schulen ausgebildet. Osnabrück ist für die norddeutschen Bundesländer zentraler Ausbildungsort für islamische Religionslehrer. Bundesweit gibt es in Deutschland 20 Lehrstühle für Islamische Theologie. Die Lehrenden und auch die Studierenden stammten aus verschiedenen Ursprungsländern und gehörten unterschiedlichen Richtungen des Islam an.

Von Stefan Buchholz (KNA)

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