Die Vertrauten von Franziskus

Christoph Schönborn und Lorenzo Baldisseri: Diese beiden Kardinäle stellen am Freitag das nachsynodale Schreiben von Franziskus zur Familiensynode vor. Sie gelten als Vertraute des Papstes. Wir stellen die beiden vor.

Familiensynode | Vatikanstadt - 06.04.2016

Er war eine der Schlüsselfiguren der beiden Bischofssynoden über Ehe und Familie im Vatikan und präsentiert am Freitag das endgültige Ergebnis aus der Feder von Papst Franziskus: Der Wiener Erzbischof und Kardinal Christoph Schönborn (71) nahm in den Debatten im Herbst 2014 und 2015 eine Vermittlerrolle zwischen Konservativen und Progressiven ein.

Teilnehmer lobten damals sein diplomatisches Geschick als Brückenbauer zwischen so unterschiedlichen theologischen Schwergewichten wie dem Reformer Kardinal Walter Kasper und dem Präfekten der Glaubenskongregation Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Dem Österreicher und seinem rhetorischen Talent sei zu verdanken, dass die deutsche Sprachgruppe selbst in der Kontroverse über das Sakramentenverbot für wiederverheiratete Geschiedene eine einstimmige Position formulierte: für neue pastorale Wege unter Berücksichtigung jedes Einzelfalls.

Der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz und polyglotte Spross aus altem Adel scheint die Fähigkeit zu besitzen, über den Lagern zu stehen. Er, der selbst ein Scheidungskind war, scheint persönlich wohl eher den Reformern zugeneigt. Im ersten Synoden-Durchgang 2014 brachte er den Gedanken der "Gradualität" ins Spiel - wonach sich gottgefälliges Handeln auch in Verbindungen unterhalb der Ehe finden lasse, in denen die Partner Verantwortung füreinander übernehmen. Durchsetzen konnte er sich damit nicht.

Verrat am Weltkatechismus?

In seinem Erzbistum Wien, das er seit 1995 leitet, sandte er zudem Zeichen der Wertschätzung an kirchlich engagierte Homosexuelle und gleichgeschlechtliche Paare. Ihre Belange kamen im Synoden-Abschlusspapier 2015 quasi nicht vor. Dies sei den Vertretern konservativer ausgerichteter Ortskirchen wie in Afrika "zu heikel" gewesen, sagte Schönborn damals.

Gleichzeitig betont der Kardinal, den einige Beobachter beim Konklave 2013 sogar für einen möglichen Kandidaten hielten, das Fundament der kirchlichen Lehre stehe fest und müsse "nicht neu erfunden werden". Der in Paris promovierte Dominikaner hat 1987 selbst als Redaktionssekretär am Weltkatechismus der katholischen Kirche mitgewirkt. Ihm warfen dann konservative Kirchenführer im Zuge der Familiensynoden vor, diesen Lehrkatalog nun zu verraten. Linke Kritiker sehen Schönborn hingegen als Konservativen im Gewand eines weltgewandten Intellektuellen.

Kardinal Christoph Schönborn bei einer Rede im Vatikan.
Der österreichische Kardinal und Dominikaner Christoph Schönborn bei einer Rede im Vatikan.
 KNA

Große Stücke hält Papst Franziskus auf Schönborn. Ihm hat er persönlich die Aufgabe übertragen, neben dem Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Lorenzo Baldisseri (75), das nachsynodale Schreiben vorzustellen. Beide gehören dem Synodenrat an, der dem Papst zuarbeitete.

Franziskus wollte eine offene und ehrliche Debatte über Ehe und Familie in der katholischen Kirche. Dass es in den vergangenen drei Jahren tatsächlich dazu gekommen ist, lag nicht zuletzt an Baldisseri. Als Generalsekretär der Synode hat der Italiener diesen Meinungsbildungsprozess organisiert: vom Fragenkatalog der weltweiten Umfrage unter Katholiken Ende 2013 über die Redezeiten während der beiden Bischofssynoden zum Thema bis hin zur Formulierung von deren Abschlusspapieren.

Kritik an der Umfrage-Veröffentlichung

Baldisseri hat sich in seinem Amt nicht nur Freunde gemacht. Der Vorwurf mehrerer konservativer Kardinäle, dass die Bischofssynoden zugunsten progressiver Kräfte manipuliert würden, galt vor allem ihm - auch wenn sein Name nicht ausdrücklich genannt wurde. Auch für den Generalsekretär hatte die Offenheit allerdings Grenzen. So kritisierte er die Veröffentlichung der vatikanischen Umfrage zu Ehe, Familie und Sexualität durch die Bischofskonferenzen im deutschsprachigen Raum; das sei "nicht vorgesehen" gewesen.

Als Sekretär des Konklaves 2013 überreichte Baldisseri dem soeben zum Papst gewählten Erzbischof Jorge Mario Bergoglio in der Sixtinischen Kapelle die weiße Scheitelkappe. Der Italiener gilt als Mann von Franziskus. Beide lernten sich 2007 bei der Vollversammlung des Lateinamerikanischen Bischofsrates im brasilianischen Aparecida kennen. Baldisseri war damals Vatikanbotschafter in Brasilien.

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Vom 4. bis 25. Oktober 2015 trat die XIV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode unter dem Thema "Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute" zusammen. Die Themenseite bündelt die Berichterstattung von katholisch.de zur Synode.

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Vor seiner Berufung zum Generalsekretär der Weltbischofssynode 2013 war der Toskaner Sekretär der Bischofskongregation und viele Jahre im Diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls tätig. Stationen waren unter anderem Brasilien, Paraguay und Indien. Baldisseri dürfte nicht zuletzt der größte Pianist im Kardinalskollegium sein: Er spielt konzertreif Mozart und Chopin. Bei der Bischofssynode 2014 gab er regelmäßig Konzerte im vatikanischen Gästehaus; auch Benedikt XVI. spielte er schon vor.

Über den Inhalt des Papstschreibens ist noch kaum etwas bekannt. Dass Baldisseri den Text vorstellt, könnte darauf hindeuten, dass Franziskus sich weitgehend an die Empfehlungen der Synode vom Herbst gehalten hat.

Von Christoph Schmidt und Thomas Jansen (KNA)

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