Ein alter Brauch zum Marienfest

Im Grab Mariens fanden die Apostel statt ihres Leichnams Blumen und Kräuter: Diese Legende führte zu einem Brauch, der bis heute andauert. In vielen Gegenden Deutschlands werden zum Marienhochfest traditionelle Kräutersträuße gebunden.

Brauchtum | Bonn - 15.08.2015

Eine mittelalterliche Legende besagt, dass die Apostel Marias Grab vor den Toren Jerusalems drei Tage nach ihrem Tod besuchten. Doch statt ihres Leichnams fanden die Jünger Blumen und Kräuter, die einen intensiven Duft verströmten. Auf diese und andere Erzählungen geht der Brauch zurück, zu Mariä Himmelfahrt Kräuter und Heilpflanzen zu Sträußen zusammenzubinden, die dann in der Kirche vom Priester gesegnet werden.

Vor allem in ländlichen Gemeinden ist das Brauchtum der Kräutersegnung zum Marienhochfest verwurzelt. Nicht umsonst wird die Gottesmutter manchmal als "Blume des Feldes" oder "Lilie der Täler" verehrt. Als Mensch, der sich ganz auf Gottes Wort eingelassen und sich diesem in seiner ganzen Existenz hingegeben hat, ist Maria das Vorbild für den von Gott geschaffenen Menschen schlechthin. Und auch die heilkräftigen Kräuter geben in besonderer Weise Ausdruck von Gottes guter Schöpfung.

Ob "Weih"- oder "Würzbüschel", "Marienwisch", "Würzwisch" oder "Sangen" - die Bezeichnungen des Kräuterbündels sind so vielfältig wie die verwendeten Heilpflanzen. Zu den bekanntesten und beliebtesten Kräutern zählen neben Johanniskraut, Wermut und Schafgarbe vor allem Kamille, Thymian, Baldrian, Beifuß, Rainfarn und Eisenkraut. Oft werden auch Getreidesorten wie Weizen, Roggen und Gerste in die Sträuße geflochten. In manchem Würzbüschel findet sich sogar eine Königskerze oder eine Rose.

Zahlen mit Bedeutung

Sieben bis zu 72 Heilpflanzen werden zu Weihbüscheln gebündelt und am Festtag vom Priester gesegnet. Hinter jeder Zahl verbirgt sich eine besondere Bedeutung. So drücken sieben Kräuter die sieben Schöpfungs- und Wochentage aus, sind es neun, stehen sie für dreimal drei als Zeichen der göttlichen Dreifaltigkeit, zwölf weisen auf die Anzahl der Apostel hin. Bei einem größeren Strauß können 24 Pflanzen an die zwölf Stämme Israels aus dem Alten und die Apostel Jesu aus dem Neuen Testament erinnern. 72 Heilpflanzen ergäben sich dann aus der Rechnung sechsmal zwölf.

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Der Festtag Maria Himmelfahrt wird in Gengenbach und seinen umliegenden Ortsteilen besonders gefeiert. Es ist dort Brauch, Kräuterbüschel so groß wie Wagenräder zu binden. Auch Familie Seitz macht jedes Jahr mit und fertigt einen wunderschönen Kräuterstrauß an.
 Erzbistum Freiburg

Nach altem kirchlichem Brauch wurde an Mariä Himmelfahrt jedem Gottesdienstbesucher ein gesegneter Kräuterstrauß überreicht. Dieser fand dann im Herrgottswinkel, einer gottgeweihten Ecke des Hauses, seinen Platz, wo er aufgehängt oder zum Kreuz gesteckt wurde.

Wirkung Gott und der Fürsprache Marias zugesprochen

Die Menschen erhofften sich von den Weihbüscheln einen Schutz vor Unwetter und Krankheit. Dafür wurden die Kräuter wahlweise auf dem Dachboden angebunden, im Herd verbrannt oder dem Essen oder Viehfutter beigemischt. In manchen Gegenden legte man in der Hoffnung auf Wohlergehen die Sträuße Kindern und jungen Paaren ins Bett oder Toten in den Sarg.

Der Frauendreißiger

Jedes Jahr an Mariä Himmelfahrt beginnen die so genannten "Frauendreißiger". Sie enden einen Monat später am 15. September, dem Gedächtnis der Schmerzen Mariens. Am 22. August etwa wird die Königin Maria verehrt. Allerlei Brauchtum ist um diese beiden sommerlichen Marienfeste – vor allem jedoch um Mariä Himmelfahrt - entstanden.

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Schon die Ägypter, Griechen, Römer und Germanen kannten die Heilwirkung von vielen Gewächsen und sammelten diese. Im Mittelalter übernahmen die Christen den Brauch des Kräutersammelns. Die Wirkung der Heilpflanzen wurde nun Gott und der Fürsprache Marias zugesprochen.

Mit dem Fest Mariä Himmelfahrt am 15. August beginnen dann die "Frauendreißiger". Dabei handelt es sich um eine Zeit, die gleich mehrere Feste zu Ehren der Gottesmutter beinhaltet: Am 22. August wird das Fest Mariä Königin gefeiert, am 8. September Mariä Geburt, am 12. September Mariä Namen und schließlich am 15. September Mariä Schmerzen. Dem Volksglauben nach verlieren die teils in den Kräutern vorhandenen Gifte während der Frauendreißiger ihre Schärfe. An vielen Wallfahrtsorten in Süddeutschland werden Mariä Himmelfahrt und die darauffolgenden Marienfeste besonders feierlich und traditionell begangen.

Von Julia-Maria Lauer

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