Eine Kampfansage dem Nikolaus zuliebe?

Alle Jahre wieder stellt sich die Frage: Nikolaus vs. Weihnachtsmann – lohnt der Kampf? Die katholisch.de-Redakteure Tobias Glenz und Kilian Martin sind ganz unterschiedlicher Meinung.

Brauchtum | Bonn - 02.12.2017

Pro: Kriegserklärung an einen Schoko-Clown?

Dass dieser Kerl gefährlich ist, sieht man nun wirklich auf den ersten Blick: ein rundlicher, lächelnder Greis im rot-weißen Pelzoutfit mit langem Rauschebart und Zipfelmütze. Und dann auch noch ohne dezidiert christlichen Hintergrund und vollkommen fiktiv! Schlimm, dieser sogenannte "Weihnachtsmann".

Früher war natürlich alles besser. Da glaubten die Kinder noch mehrheitlich an den Nikolaus oder das Christkind als Geschenkebringer. Und dann kam irgendwann dieser raffgierige US-Limonadenhersteller und hat uns Christen mit seinem Werbeträger ein erfolgreiches "Konkurrenzprodukt" vor den Latz geknallt.

Aber mal im Ernst: Haben wir als Kirche keine anderen Probleme, als einem solchen Clown den Kampf anzusagen? Müssen wir die durchgestrichene Visage des Rauschebart-Trägers auf Plakaten zur Schau stellen? Müssen wir "Zonen" abstecken, in denen er unerwünscht ist? Wovor haben wir da eigentlich Angst?

Bevor es jetzt zu Missverständnissen kommt: Ich bin sicherlich kein Fan des Weihnachtsmanns. Auch ich schätze die Geschichte vom heiligen Nikolaus als mildtätigem und selbstlosem Schenker wesentlich mehr als die leuchtende Reklame mit dem Rentier-peitschenden Schlittenfahrer. Und natürlich habe ich nichts gegen kirchliche Aktionen, die den Nikolaus wieder verstärkt ins Gedächtnis bringen wollen. Die Frage ist aber, wie das geschieht.

Bislang roch unser Umgang mit dem Phänomen Weihnachtsmann doch eher nach einem erhobenen, moralischen Zeigefinger, ganz nach dem Motto: Wir haben das Original, ihr nur die Fälschung. Spaßverderber Kirche, Kulturpessimismus – so sehen Außenstehende diese Aktionen möglicherweise nicht ganz zu Unrecht.

Sollten wir unseren Kindern den Nikolaus als Symbol der Nächstenliebe wieder näherbringen? Natürlich. Müssen wir deshalb den Schokoladen-Weihnachtsmann aus dem Supermarkt unbedingt schlechtreden? Natürlich nicht. Denn der ist als fiktive Gestalt sowieso keine Konkurrenz für unseren Heiligen. Eine Kriegserklärung an den Schoko-Clown ist also unnötig.

Von Tobias Glenz



Contra: Weihnachtsmann steht für ein verkommenes Weihnachtsfest

"Weihnachtsmannfreie Zonen" sind kulturkämpferisch und peinlich– aber immerhin gut gemeint. Ihre Verteidiger bekämpfen damit schließlich nicht nur einen missliebigen Kulturimperialismus, sondern werben vor allem für die eigene – urchristliche – Nikolaustradition. Dennoch sind die vorgebrachten Argumente durchsichtig und wenig stichhaltig. Und das, obwohl man gegen "den Weihnachtsmann" viel sagen kann und sollte.

Der rundliche Kitschkopf vom Nordpol steht für ein ästhetisch wie inhaltlich verkommenes Weihnachtsfest. Und dabei geht es gar nicht um seine kolportierte Rolle als Konsummotor. Denn ziehen Eltern dieser Tage weniger gehetzt durch die Innenstädte und lassen dort weniger Geld, wenn ihren Kindern der Nikolaus die Stiefel füllt? Gewiss nicht.

Dennoch taugt der Bischof zur wertvolleren Identifikationsfigur. Denn der Heilige der Alten Kirche steht für eine Ernsthaftigkeit, die dem Weihnachtsmann-Fest komplett abhanden gekommen ist. Im buntblinkenden X-Mas-Trubel berauscht sich die gutgelaunte Feiergesellschaft an der eigenen Bürgerlichkeit, die sich in einer temporären Wiederentdeckung der Tugend ausdrückt. Und der Rauschebart im Rentierschlitten gluckst dazu sein banales "Ho, ho, ho!"

Doch mit dem Weihnachtsmann verschwinden nach ein paar schwindelerregend harmoniesüchtigen Tagen auch heimelige Werte wie Zusammenhalt und Rücksichtnahme wieder in der Versenkung. Schließlich kommt der Zipfelmann nur zum Geben ins Haus. Das hat der Bischof Nikolaus ihm voraus: Er verlangt auch etwas, nämlich gelebte Nächstenliebe. Die Heiligen sind uns Vorbilder, nicht weil sie so gemütlich und großväterlich-bestätigend sind; sondern weil sie die Schwachstellen in unserem Leben offenbaren und zeigen, wie es besser geht.

Plüschige Weihnachtstage als familiärer Ausnahmezustand mögen wunderschön sein, bleiben am Ende aber richtiggehend wert-los. Der Weihnachtsmann steht für ein Fest, das uns einmal im Jahr für ein paar Tage in eine puderzuckerbestäubte Welt der Seligkeit entführt. Der Nikolaus hingegen verweist auf Christus und steht damit für das große Geheimnis der heiligen Nacht: dass Gott in jedem Menschen in unser Leben tritt und uns herausfordert, ihm würdig zu begegnen.

Von Kilian Martin

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