Ermittlungen gegen Kardinal Barbarin eingestellt

Gegen Kardinal Philippe Barbarin wird nicht weiter ermittelt. Es gibt demnach keine Hinweise auf Straftaten des Lyoner Erzbischofs. Ihm waren Fehler im Umgang mit Missbrauchsfällen vorgeworfen worden.

Missbrauch | Paris - 01.08.2016

Die französische Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen Lyons Kardinal Philippe Barbarin eingestellt. Das berichten französische Medien am Montag. Es habe keine Hinweise auf mögliche Straftaten gegeben, hieß es.

Der Anwalt Barbarins, Andre Soulier, begrüßte die Entscheidung laut dem Fernsehsender France Info, betonte jedoch zugleich, diese komme nicht überraschend. Es gehe nun nicht darum, zu triumphieren oder Revanche zu fordern, sondern allein um die Feststellung, dass Barbarin und seine Mitarbeiter keine Fehler gemacht hätten. Der Kardinal sei in Gedanken stets bei den Opfern, so Soulier.

Dem Erzbischof von Lyon war vorgeworfen worden, einen Priester nicht suspendiert zu haben, der einen damals 16-Jährigen sexuell missbraucht haben soll. Der als "Pierre" bezeichnete Kläger, heute ein ranghoher Ministerialbeamter, wirft dem Pfarrer Jerome Billioud vor, 1990 bei einer Ferienfreizeit in Biarritz auf ihn masturbiert zu haben. Mit drei weiteren Personen wandte er sich Mitte Februar an die Behörden; eine Voruntersuchung wegen "Nichtanzeige eines Verbrechens" gegen Barbarin wurde eingeleitet, sein Bischofssitz durchsucht. Im Juni wurde Barbarin verhört.

Erzbischof räumte Fehler bei der Amtsführung ein

Der Kläger hatte angegeben, Barbarin habe im persönlichen Gespräch ihm gegenüber eingeräumt, genau über den Fall Bescheid zu wissen. Dennoch habe er den Vorfall weder den Strafbehörden mitgeteilt noch den Priester aus der Seelsorge entfernt. Er suspendierte den Priester erst im August 2015. Barbarin führt an, er habe nicht gewusst, dass der Priester rückfällig geworden sei. Der Erzbischof betonte wiederholt, mit der Justiz kooperieren zu wollen. Im April erklärte er, es habe Fehler bei der Ernennung einiger Priester gegeben, und entschuldigte sich bei den Opfern. (KNA)

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Der Missbrauchsskandal erschütterte die katholische Kirche in ihren Grundfesten. Seit 2010 die ersten Fälle bekannt wurden, bemüht sich die Kirche um Aufarbeitung der Geschehnisse. Katholisch.de dokumentiert die wichtigsten Etappen.

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