Weiter Diskussion um Lyoner Kardinal

Lyons Kardinal Philippe Barbarin soll den Missbrauch eines Jungen durch einen Priester vertuscht haben. Gegen ihn wurde in Frankreich eine Voruntersuchung wegen "Nichtanzeige eines Verbrechens" eingeleitet. Nun nahmen ihn zwei Amtsbrüder in Schutz.

Missbrauch | Paris - 30.03.2016

Zwei französische Bischöfe haben sich hinter Lyons Kardinal Philippe Barbarin gestellt. Der Pariser Erzbischof Andre Vingt-Trois sagte zu Beginn der Woche in einem Interview der Zeitung "Le Parisien", er unterstütze Barbarin und glaube, dass dieser alles im Kampf gegen Pädophilie getan habe. Der Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz, Georges Pontier, sagte dem Radiosender France Bleu, es liege an Barbarin, eine Antwort auf die derzeitige Situation zu finden.

Zugleich betonte er, die Kirche müsse "streng mit pädophilen Priestern umgehen". Barbarin sieht sich wegen des Vorwurfs der Missbrauchsvertuschung wachsendem Druck ausgesetzt. Frankreichs Ministerpräsident Manuel Valls hatte jüngst erklärt, es sei an Barbarin, "Verantwortung zu übernehmen".

Voruntersuchung gegen Barbarin eingeleitet

Dem Erzbischof von Lyon und "Primas Galliens" wird vorgeworfen, einen Priester nicht suspendiert zu haben, dem sexueller Missbrauch eines damals 16-Jährigen im Jahr 1990 vorgeworfen wird. Eine entsprechende Anklage gegen den Priester wurde 2009 wegen Verjährung fallengelassen.

Eine leere Schaukel auf einem Spielplatz.
 clombumbus/Fotolia.com

Der heute 42-jährige Kläger wandte sich zuletzt erneut an die Behörden. Er wird nun neu angehört; eine Voruntersuchung wegen "Nichtanzeige eines Verbrechens" gegen Barbarin wurde eingeleitet. Der Kläger gibt an, im persönlichen Gespräch habe Barbarin ihm gegenüber eingeräumt, genau über den Fall Bescheid zu wissen. Dennoch habe er den Vorfall weder den Strafbehörden mitgeteilt noch den Priester aus der Seelsorge entfernt.

Die französische Staatssekretärin Juliette Meadel hatte zuletzt den Rücktritt Barbarins gefordert. "Nicht in der Lage zu sein, um Verzeihung zu bitten, ist nicht sehr christlich", sagte die sozialistische Politikerin dem Sender Radio Classique-Paris. Ein Amtsverzicht sei "das Mindeste", was Barbarin noch tun könne, statt sich "hinter juristischen Spitzfindigkeiten zu verstecken", so die Staatssekretärin für Opferfragen.

Erzbischof schließt Rücktritt aus

Barbarin selbst hatte nach Bekanntwerden der neuerlichen Vorwürfe gebeten, man möge die Untersuchungsbehörden "in Ruhe ihre Arbeit tun lassen". Zudem sollten seine Rechte, seine Ehre und die Unschuldsvermutung gewahrt bleiben. Einen Rücktritt schloss er aus und versicherte, immer auf der Seite der Opfer gestanden zu haben. "Niemals, niemals, niemals" habe er Priester gedeckt, denen derartige Vergehen angelastet worden seien. (KNA)

Themenseite: Missbrauch

Der Missbrauchsskandal erschütterte die katholische Kirche in ihren Grundfesten. Seit 2010 die ersten Fälle bekannt wurden, bemüht sich die Kirche um Aufarbeitung der Geschehnisse. Katholisch.de dokumentiert die wichtigsten Etappen.

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