Erzbischof Koch gegen Öffnung der Ehe "für alle"

Ob die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet werden soll, wird zurzeit im Bundeswahlkampf diskutiert. Erzbischof Heiner Koch erläuterte, warum die Bischöfe gegen die "Ehe für alle" sind.

Politik | Bonn - 24.06.2017

Die zunehmenden Rufe nach einer "Ehe für alle" stellen nach Ansicht von Erzbischof Heiner Koch einen Bruch mit einem Jahrhunderte alten Eheverständnis dar. Eine Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare würde eine qualitative Neuausrichtung des Begriffs Ehe bedeuten, sagte Koch am Wochenende der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Der Berliner Erzbischof leitet die Kommission für Ehe und Familie der Deutschen Bischofskonferenz und bezog sich ausdrücklich auf Äußerungen der neuen Vorsitzenden der katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), Mechthild Heil.

Sie hatte Mitte der Woche gesagt: "Gesetzlich sind die Ehe und die gleichgeschlechtliche Partnerschaft ja fast gleichgestellt; wir streiten uns jetzt nur noch über den Begriff." Immer mehr Menschen befürworteten den Begriff der Ehe auch für diese Partnerschaften. Koch betonte weiter, die Position der Bischöfe sei "keinesfalls homophob motiviert". Eine Unterscheidung zwischen Ehe und einem Rechtsinstitut für gleichgeschlechtliche Paare bedeute keine Diskriminierung, ganz im Gegenteil werde so "der Unterschiedlichkeit der Lebensformen adäquat Rechnung getragen".

Ehe als Verbindung von Mann und Frau

Der Erzbischof fügte hinzu, die deutschen Bischöfe betrachteten die Ehe als lebenslange Verbindung von einem Mann und einer Frau mit prinzipieller Offenheit für die Weitergabe von Leben. Diese Sicht sei "ganz im Sinne der Väter und Mütter des Grundgesetzes". Die auf Treue beruhende, dauerhafte Verbundenheit von Mann und Frau stelle einen "höchst wertvollen Raum für die Erziehung ihrer Kinder" dar. Gerade angesichts dieser Bedeutung für die Gesellschaft habe der besondere Schutz der Ehe einen herausragenden Platz im Grundgesetz gefunden. Im Gegensatz dazu könne eine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft "aus sich heraus keine Kinder hervorbringen", so der Erzbischof weiter. Eine Öffnung des Ehebegriffs führe eine Spaltung des Verständnisses von Ehe herbei und trage "zu einer allgemeinen und nicht zuletzt rechtlichen Verwirrung" bei.

Die Debatte um die "Ehe für alle" wird im Bundestagswahlkampf derzeit intensiv diskutiert. Nach der SPD und den Grünen hat sich nun auch die FDP dafür ausgesprochen, die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare zu einer Koalitionsbedingung zu machen. Die neuste Erhebung des ZDF-Politbarometers zeigt, dass sich Anhänger aller Parteien mehrheitlich für eine völlige Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften aussprechen. Grünen-Anhänger stimmen demnach zu 95 Prozent dafür; bei der SPD sind es 82 Prozent, gefolgt von der Linken (81), CDU/CSU (64), FDP (63) und AfD (55 Prozent). (jhe/KNA)

Linktipp: Deutsche Bischöfe gegen "Ehe für alle"

Die SPD will die "Ehe für alle" einführen. Die deutschen Bischöfe sprechen sich jedoch gegen eine Öffnung für gleichgeschlechtliche Partner aus - und berufen sich dabei auch auf Papst Franziskus. (Artikel von März 2017)

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