Ex-Sekretär: So emotional war Benedikts Rücktritt

Der Rücktritt von Benedikt XVI. vor fünf Jahren war für viele überraschend - und vor allem emotional. Sein damaliger Sekretär Alfred Xuereb berichtet nun, wie aufgelöst er im entscheidenden Moment war.

Vatikan | Vatikanstadt - 09.02.2018

Kurz vor dem fünften Jahrestag des historischen Rücktritts Papst Benedikts XVI. (2005-2013) kommen bei engen Mitarbeitern emotionale Erinnerungen hoch: Benedikts damaliger Sekretär Alfred Xuereb sagte dem vatikanischen Internetportal "Vatican News" (Freitag), er habe bei der offiziellen Bekanntgabe während des Konsistoriums am 11. Februar 2013 "die ganze Zeit geweint."

Mit dieser Entscheidung habe Benedikt einen seiner Meinung nach "heroischen Akt aus Liebe zur Kirche" vollzogen, erklärte Xuereb anlässlich des fünften Jahrestags der Rücktrittserklärung. Benedikt XVI. (2005-2013) hatte am 11. Februar 2013 für viele überraschend seinen Amtsverzicht verkündet. "Er (Benedikt) dachte dabei vor allem an die Kirche, an die Liebe für die Kirche die sehr viel größer war, als seine Eigenliebe", beschreibt Xuereb seine Sicht auf die Entscheidung Benedikts.

Xuereb: Benedikt hat besonders viel gebetet

Der langjährige Sekretär des Papstes erfuhr laut eigenen Angaben bereits am 5. Februar 2013 im persönlichen Gespräch von Benedikts Entscheidung. Er sei überrascht und traurig gewesen und habe den Papst zunächst bitten wollen, diese Entscheidung noch einmal zu überdenken. Dies habe er dann unterlassen, da er spürte, dass Benedikt die Entscheidung lange im Gebet meditiert habe: "Er war unbeschwert, gerade weil er sicher war, die Sache gut abgewägt zu haben, er war im Frieden, im Einklang mit Gottes Willen", erinnert sich Xuereb. Das Kirchenoberhaupt habe vor der Bekanntgabe lange Zeit besonders viel gebetet, erinnert sich der ehemalige Papst-Sekretär.

"Nie vergessen" werde er auch, wie am Tag der Papstwahl das Telefon klingelte und der jetzige Papst Franziskus am Apparat war, um Benedikt zu sprechen: "Ich reichte das Telefon weiter und hörte Papst Benedikt sagen: 'Eure Heiligkeit, ich versichere Euch ab sofort meines völligen Gehorsams und Gebets'".

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Die Beziehung zwischen Benedikts Nachfolger im Petrusamt und dem emeritierten Papst beschrieb Xuereb als gut: "Papst Franziskus hat das gleich richtig beschrieben: 'Jetzt haben wir das Privileg einen 'Opa' im Haus zu haben." Das heißt, eine lebendige historische Erinnerung, auf die wir zurückgreifen können und ich bin sicher, dass Franziskus dies tut." Xuereb diente nach dem Amtsverzichts Benedikts auch ein Jahr lang Franziskus als Sekretär.

Das Gebet des emeritierten Papstes ist für Xuereb das größte Geschenk, dass Benedikt der Kirche machen konnte. "Er hat sich für ein zurückgezogenes Leben entschieden, um sich auf die vollendende Begegnung mit dem Herrn vorzubereiten und während er dies tut, lebt er in tiefer Spiritualität, indem er seine Gebete und seine schwindenden körperlichen Kräfte für die Kirche gibt", sagte Xuereb. Benedikt XVI. hatte jüngst in einem Brief geäußert, er "pilgere innerlich nach Hause". (KNA)

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