Gläubige entziehen ihrem Patriarchen die Anerkennung

Die Konflikte zwischen Israel und Palästina führen nun auch zu innerkirchlichen Streitigkeiten. Es geht um den Verkauf von Kirchenland - und den Vorwurf des Verrats an Patriarch Theophilos III.

Heiliges Land | Bethlehem/Jerusalem - 03.10.2017

Im Streit über den Verkauf von Kirchenland haben griechisch-orthodoxe Christen Palästinas ihrem Patriarchen Theophilos III. (Bild oben) die Anerkennung entzogen. Auf einer Konferenz am Sonntag in Bethlehem beschlossen sie, den gebürtigen Griechen zu isolieren, ihn von religiösen Anlässen auszuschließen sowie Schritte gegen die bereits getätigten Landverkäufe einzuleiten, wie arabische Medien berichteten.

Die Teilnehmer der "arabisch-orthodoxen Nationalkonferenz" erklärten den umstrittenen Verkauf von Kirchenland an israelische Investoren laut Berichten zur nationalen palästinensischen und jordanischen Angelegenheit. Der Verkauf gefährde die Anliegen der Palästinenser im israelisch-palästinensischen Konflikt sowie die christliche Präsenz in Palästina und Jerusalem in existenzieller Weise.

Vorwurf: Griechische Dominanz über arabische Christen

Ferner kritisierten sie, in der griechisch-orthodoxen Kirche des Heiligen Landes herrsche eine griechische Dominanz über die einheimischen arabischen Christen. Sie warfen der griechischen Kirchenhierarchie eine Missachtung der Rechte einheimischer Christen sowie Dialogverweigerung und forderten, auf allen orthodoxen Kirchen in Palästina die Palästinenserflagge zu hissen.

Die griechisch-orthodoxe Kirche ist nach der israelischen Landbehörde der größte Grundbesitzer in Jerusalem.
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Die Konferenzteilnehmer forderten laut Berichten in einer abschließenden Stellungnahme die Bekämpfung von Korruption und Rassismus im griechisch-orthodoxen Patriarchat von Jerusalem, die Einrichtung eines Verwaltungsausschusses zur Kontrolle des Patriarchats sowie die Offenlegung aller seit der britischen Mandatszeit geschlossenen Miet- und Pachtverträge.

Die Proteste gegen den Verkauf von Kirchenland an jüdische Investoren halten an, seit die israelische Finanzzeitung "Calcalist" Ende Juni Details eines Landverkaufs in Westjerusalem bekannt machte. Palästinensische Christen fordern seither die Absetzung und den Boykott des Patriarchen Theophilos III. Auch die palästinensische Regierung und Jordanien, das sich für den Schutz christlicher und muslimischer Heiliger Stätten in Jerusalem verantwortlich sieht, verurteilten den Verkauf.

Ende August bereits Strafantrag eingereicht

Ende August war bereits ein Strafantrag gegen den Patriarchen eingereicht worden. Der von mehreren arabisch-orthodoxen Organisationen eingereichte Antrag trug laut Berichten die Unterschrift von mehr als 300 prominenten Palästinensern und richtet sich gegen Theophilos als Privatperson sowie in offizieller Funktion. Theophilos habe mit dem Verkauf von Kircheneigentum in Jerusalem, Jaffa, Nazareth und anderen Orten Verrat begangen, indem er "Land an den Feind" verkauft und damit zu "israelischen Plänen zur Judaisierung Jerusalems" beigetragen habe, hieß es damals.

Die griechisch-orthodoxe Kirche ist nach der israelischen Landbehörde der größte Grundbesitzer in Jerusalem. Der Vorgänger des amtierenden Patriarchen Theophilos III., Irinaios I., war 2005 nach nur vierjähriger Amtszeit über einen Skandal um undurchsichtige Landverkäufe an israelische Geschäftsleute gestürzt. Seither wird Irinaios I., der alle Anschuldigungen als haltlos zurückwies, im Jerusalemer Patriarchat in Klosterhaft gehalten. (bod/KNA)

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