Humanisten: Mikroskop statt Kreuz auf Schlosskuppel

Die Debatte um das Kreuz auf dem Berliner Stadtschlosses geht weiter: Der Humanistische Verband fordert ein Zeichen der Wissenschaft auf der Kuppel. Und auch Architekt Franco Stella meldete sich zu Wort.

Architektur | Berlin - 03.06.2017

Die Debatte um das geplante Kuppelkreuz auf dem wiedererrichteten Berliner Stadtschloss hält weiter an. Ein Mikroskop anstatt eines Kreuzes als sichtbare Krönung der Kuppel schlägt der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg vor. Das wissenschaftliche Instrument auf der Spitze des Stadtschlosses, in dem das Humboldt Forum untergebracht werden soll, stünde für "die Werte der Aufklärung und den Wissensdrang der Namensgeber Alexander und Wilhelm von Humboldt", teilte der Humanistische Verband am Freitag mit. Ein Mikroskop befinde sich etwa auf dem Turm des Instituts für Virologie in Straßburg.

Am Wochenende meldete sich zudem in der "Welt" der Architekt des Stadtschlosses, Franco Stella, zu Wort. Er hält eine Tilgung des Kuppelkreuzes aus seinem Entwurf für "inakzeptabel". Die Kuppel des Stadtschlosses sei auch ohne Kreuz an eine christliche Formsprache angelehnt.

Kuppelkreuz keine Dankesgeste für Niederschlagung der Revolution

Weiter weist Stella darauf hin, dass das Kuppelkreuz nicht, wie von Kritikern behauptet, als Dankesgeste nach der Niederschlagung der Revolution von 1848 erbaut worden sei. Das Kreuz sei damals bereits im Entwurf zu einer überkuppelten Kapelle - die sich schon seit einigen Jahren im Bau befunden habe - enthalten gewesen, so der Architekt: "Und eine Kuppel mit Kreuz war schon im 18. Jahrhundert im ursprünglichen Entwurf des Architekten Johann Friedrich Eosander zum westlichen Portal vorgesehen."

Auch der Mit-Intendant des Berliner Humboldt Forums, der Kunsthistoriker Horst Bredekamp, verteidigte in der "Welt am Sonntag" das geplante Kreuz: "Das Kreuz ist natürlich ein christliches Zeichen. Aber es symbolisiert ein Verständnis von Christentum, ein Bündnis zwischen Thron und Altar, das vergangen ist." Es repräsentiere somit etwas, das es nicht mehr gebe: "Es ist der aufgerichtete Zweifel an sich selbst."

Die eingerüstete Fassade des Berliner Schlosses.
Die eingerüstete Fassade des Berliner Stadtschlosses. Die Kuppel soll, wie das historische Vorbild, mit einem Kreuz gekrönt werden.
 dpa

Bredekamp betonte weiter, die Auseinandersetzung um das Kreuz sei im Grunde nicht lösbar. "Ich habe viele Mails bekommen. Die überwiegende Mehrheit, ich will dies nicht bewerten, besagte sinngemäß: Wenn ihr das Kreuz nicht baut, seid ihr ein leise knackendes Rädchen der Kulturmaschine namens 'Unterwerfung', wie Michel Houllebecq das in seinem Roman beschrieben hat." Egal, ob das Kreuz nun gebaut werde oder nicht, Protest werde es so oder so geben, so Bredekamp. "Jede Lösung wird Gegenreaktionen hervorrufen, unausweichlich."

In der Debatte um die geplante Kuppelrekonstruktion fordern der Senat sowie Politiker von Linkspartei und Grünen, dass entgegen der ursprünglichen Pläne kein Kreuz auf der Kuppel errichtet werden soll. Andernfalls sei die weltanschauliche Neutralität des Humboldt-Forums, das in das Stadtschloss einziehen soll, in Gefahr.

Mazyek empfindet durch Kreuz "kein Gefühl des Störens"

Der evangelische Bischof Markus Dröge und der katholische Erzbischof Heiner Koch haben das geplante Kuppelkreuz wiederholt verteidigt. "Wer das Kreuz auf dem Humboldt-Forum kappen will, verdrängt die Fakten unserer christlich geprägten Kultur", sagte Dröge. Es sei "völlig unsachgemäß, heute noch zu behaupten, das Symbol des Kreuzes würde einen Dialog der Kulturen auf Augenhöhe verhindern".

Auch der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, betonte, durch das Kreuz empfinde er als Muslim "kein Gefühl des Störens". Es gehöre auf die Schlosskuppel, weil das Gebäude einen geschichtlichen Zusammenhang mit christlicher Symbolik aufweise. "Man sollte diesen Kontext nicht verschleiern oder zwanghaft abschaffen." Er könne sich nicht vorstellen, dass Besucher aus muslimischen Ländern sich gestört fühlten. (rom/KNA)

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