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In Würzburg fing es an

Mit der "Versammlung der deutschen Bischöfe" im Jahr 1848 begann die Vorgeschichte der Deutschen Bischofskonferenz. Revolutionen und zwei Weltkriege lagen zwischen diesem ersten Treffen und der Gründung der Konferenz am 2. März 1966.

Bischofskonferenz | Bonn - 02.03.2016

Die Deutsche Bischofskonferenz ist heute eine der bestimmenden Größen für die katholische Kirche in Deutschland. Vor 50 Jahren, am 2. März 1966, wurde sie gegründet. Zu diesem Zeitpunkt blickten die deutschen Bischöfe jedoch schon auf eine lange Tradition gemeinsamer Beratungen zurück. Katholisch.de fasst die wichtigsten Etappen auf dem Weg zur Deutschen Bischofskonferenz zusammen.

Eine Bischofskonferenz ist, vereinfacht gesagt, eine institutionelle Ebene zwischen dem Papst und den Bischöfen, also zwischen der Gesamtheit der Weltkirche und den Teilkirchen. Diese Ebene hatte in der Kirche immer eine gewisse Bedeutung. Seit der Zeit der frühen Kirche hatten sich Bischöfe und Theologen immer zu Synoden und Teilkonzilien versammelt, um die kirchlichen Belange bestimmter Regionen zu diskutieren.

Der Grundstein für die spätere Deutsche Bischofskonferenz wurde schließlich im Jahr 1848 gelegt. Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war für die Kirche in Europa und besonders in den deutschen Ländern eine turbulente Zeit gewesen. Nach der napoleonischen Ära und den radikaldemokratischen Revolutionen hatte sich in Frankfurt die Paulskirchenversammlung eingefunden, um dem Reich eine demokratische Verfassung zu geben. Die Kirche spürte noch deutlich die Folgen der Säkularisation und anhaltender Auseinandersetzungen insbesondere mit dem preußischen Staat. Die Bischöfe der deutschen Diözesen sahen in dieser Situation dringenden Bedarf, eine gemeinsame Haltung sowohl in kirchenpolitischen Fragen, als auch besonders zum Verhältnis von Kirche und Staat abzustecken.

Ein erstes Treffen im Revolutionsjahr

So fand im Oktober und November 1848 in Würzburg erstmals eine als "Versammlung der deutschen Bischöfe" bezeichnete Konferenz statt. Unter Vorsitz des Kölner Erzbischofs Johannes von Geissel befassten sich die 25 teilnehmenden Bischöfe – unter denen auch zwei Abgeordnete des Paulskirchenparlaments waren - unter anderem mit verschiedenen Aspekten des Staat-Kirche-Verhältnisses. Die Teilnehmer formulierten zudem an Papst Pius IX. den Wunsch, eine Nationalsynode einzuberufen, welche dieser jedoch ablehnte.

Vorsitzende der Bischofskonferenz seit 1945

Erst zwei Jahrzehnte später, im Oktober 1867, fand die zweite Versammlung der deutschen Bischöfe statt. Diesmal trafen sich die Oberhirten auf Einladung des Salzburger Erzbischofs, welcher bis heute den Ehrentitel "Primas Germaniae" trägt, in Fulda. Damit war die "Fuldaer Bischofskonferenz" geboren, welche unter diesem Namen fast 100 Jahre lang regelmäßig zusammenkommen sollte. Der Tagungsort Fulda, welchen die Deutsche Bischofskonferenz später übernehmen sollte, war dabei keinesfalls zufällig gewählt: Die Bischöfe trafen sich am Grab des heiligen Bonifatius, des "Apostels der Deutschen".

Ab den 1860er Jahren trafen sich die Bischöfe bei der Konferenz in kleinerer Besetzung. Zunächst sagten die Oberhirten der österreichischen Diözesen aufgrund der politischen Auseinandersetzungen zwischen Preußen und Österreich ihre Teilnahme ab. Später verzichteten auch die bayerischen Bischöfe zugunsten ihrer eigenen Versammlung, der bis heute bestehenden "Freisinger Bischofskonferenz", auf die Reise nach Fulda. Erst die angespannte politische Situation nach der "Machtergreifung" der Nationalsozialisten sorgte dafür, dass ab Frühsommer 1933 wieder alle zu dieser Zeit im Deutschen Reich befindlichen Bistümer bei der Konferenz vertreten waren. In den Kriegsjahren gehörten der "Plenarkonferenz der Bischöfe der Diözesen Großdeutschlands" auch die österreichischen Oberhirten an.

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Bereits im Jahr 1917 hatte der Papst erstmals eine kirchenrechtliche Grundlage für die Bischofsversammlungen gelegt. Im neugeschaffenen Codex des kanonischen Rechts war das "Provinzial-" oder "Plenarkonzil" eingeführt worden. Die Bischöfe mehrerer Kirchenprovinzen waren bei diesen Versammlungen jedoch noch deutlich enger an Rom angebunden, als dies heute der Fall ist: Einberufung und Leitung eines solchen Konzils oblag einem päpstlichen Legaten, die Beschlüsse der Bischöfe durften erst nach eingehender Prüfung durch den Vatikan veröffentlicht werden.

Erste Beratungen noch während des Konzils

Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) schuf schließlich mit dem Dekret über die Hirtenaufgabe der Bischöfe "Christus Dominus" die Bischofskonferenz in der heutigen Form. Unter der Nummer 38 heißt es dort: "Die Bischofskonferenz ist gleichsam ein Zusammenschluss, in dem die Bischöfe eines bestimmten Landes oder Gebietes ihren Hirtendienst gemeinsam ausüben, um das höhere Gut, das die Kirchen den Menschen bieten, zu fördern". Die Konzilsväter sahen zudem vor, dass an den Konferenzen zukünftig nicht mehr bloß die Diözesanbischöfe, sondern auch die Weihbischöfe (und besonders Beauftragte) teilnehmen sollten.

Bereits während des Konzils hatten sich die deutschen Bischöfe - eingeschlossen die Weihbischöfe - regelmäßig an der Nationalkirche "Santa Maria dell'Anima" in Rom versammelt, um die Konzilsbeschlüsse zu beraten. Seit Frühjahr 1965 hatte der Münchener Erzbischof Kardinal Julius Döpfner den Vorsitz der Fuldaer Bischofskonferenz und damit auch dieser Treffen übernommen. Nachdem das Konzilsdekret "Christus Dominus" im Oktober 1965 verkündet wurde, wählten die deutschen Bischöfe Döpfner so auch zum ersten Vorsitzenden der nunmehr so bezeichneten "Deutschen Bischofskonferenz". Ihren eigentlichen Geburtstag feierte diese schließlich am 2. März 1966, als sie sich entsprechend ihres vom Vatikan gebilligten Status konstituierte.

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Von Kilian Martin

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