IS bezeichnet Anschlag als Aktion gegen Christen

Der "Islamische Staat" bekennt sich zu dem Angriff auf einen Istanbuler Nachtclub. In ihrem Bekennerschreiben nennt die Terrororganisation das Attentat eine "gesegnete Operationen".

Türkei | Istanbul/Berlin - 02.01.2017

Der "Islamische Staat" (IS) hat sich am Montag zu dem Terroranschlag auf den Istanbuler Nachtclub "Reina" bekannt. In der im Internet verbreiteten Erklärung bezeichnet der IS sein brutales Vorgehen ausdrücklich als eine Aktion gegen Christen.

"Polytheistisches Fest der Nazarener"

In dem Bekennerschreiben nennt die Terrororganisation die Türkei "Beschützerin des Kreuzes" und spricht von den Silvesterfeierlichkeiten als "polytheistisches Fest der Nazarener (Christen)".

Bei dem Angriff auf die Feier in einem der größten Nachtclubs von Istanbul waren mindestens 39 Menschen getötet worden. Etwa 70 Verletzte wurden laut türkischen Medienberichten in Krankenhäuser gebracht. Zwei Todesopfer des Anschlags kamen aus Deutschland, wie ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Montag in Berlin sagte. Sie hätten beide in Bayern gewohnt. Nach dem oder den Angreifern wird gefahndet.

In dem Bekennerschreiben bezieht sich der IS entgegen seinen sonstigen Mitteilungen explizit auf Christen - und nicht auf "Ungläubige". Damit reflektiert die Terrororganisation auch einen Konflikt in der Türkei, wo in der Woche vor Silvester in den staatlich vorgegebenen Freitagspredigten Silvesterfeiern ausdrücklich als unislamisch und unmoralisch verurteilt worden waren. Nach dem Attentat beeilte sich der Vorsitzende der staatlichen Religionsbehörde Diyanet, Mehmet Görmez, den Anschlag als "barbarisch" und "unislamisch" zu verurteilen. Wie die Nachrichtenagentur DHA jedoch meldete, wurde gegen Görmez nach dem Anschlag wegen des Wortlauts der Predigt bei der Staatsanwaltschaft in Ankara Anzeige erstattet.

Der Apostolische Vikar in Anatolien, Erzbischof Paolo Bizzetti, sagte am Dienstag gegenüber Radio Vatikan zu dem Terroranschlag, die Gefahr, die vom IS ausgehe, sei in den vergangenen Jahren unterschätzt worden. Es brauche nun eine starke Zusammenarbeit aller Nationen, um dem Terrorismus entschlossen den Nährboden zu entziehen. Dazu gehöre auch, den internationalen Waffenhandel einzudämmen. "Es braucht klare Ansagen und noch klarere Handlungen", fordert Bizzetti.

Er erinnerte zugleich daran, dass Christen zwar unter den bevorzugten Zielen der Terroristen seien. Doch es werde oft übersehen, dass die meisten Opfer des islamistischen Terrorismus Muslime seien. Schmerz, Entmutigung, Angst und Unsicherheit erlebten die Christen zusammen mit allen anderen Menschen der jeweiligen Umgebung. Das führe auch zu Gemeinsamkeiten: "Gewisse Barrieren werden auch niedergerissen, denn alle sind auf gleiche Weise betroffen".

Türkische Truppen kämpfen seit Wochen in Nordsyrien gegen den IS und unterstützen auch den Kampf um die Rückeroberung von Mossul im Nordirak. Der sogenannte Kalif des IS, Abu Bakr al-Bagdadi, rief deshalb zu Anschlägen in der Türkei auf.

Unterstützung von russischer Luftwaffe

Die Kämpfe um die vom IS kontrollierte nordsyrische Stadt al-Bab sind sehr heftig und für die türkischen Truppen verlustreich. In der Woche vor Weihnachten wurden allein an einem Tag 14 Soldaten durch einen IS-Selbstmordattentäter vor al-Bab getötet. Die Türkei reagierte darauf mit forcierten Luftangriffen und wird dabei von der russischen Luftwaffe unterstützt. (fxn/gho/dpa/KNA)

02.01.2017, 16.50 Uhr: ergänzt um Zitate von Erzbischof Paolo Bizzetti

Linktipp: Papst verurteilt Anschlag in Istanbul

Der Anschlag in der Silvesternacht auf einen Club in Istanbul mit Dutzenden Toten hat weltweit für Entsetzen gesorgt. Papst Franziskus verurteilte die Tat und rief zur Bekämpfung von Terrorismus auf.

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