Italiens Kirche warnt Seenotretter vor Naivität

Die italienische Regierung drängt private Seenotretter zur Einhaltung strenger Regeln. Auch der Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz wendet sich an die Helfer und mahnt zu Verantwortung.

Flüchtlinge | Rom - 10.08.2017

Italiens Kirche hat in der Debatte um die Seenotrettung von Migranten auf dem Mittelmeer alle Seiten zu Verantwortung und Respekt der Gesetze aufgerufen. Mit Blick auf die "Lage der Migranten und Flüchtlinge" betonte der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Gualtiero Bassetti, am Donnerstag "die Notwendigkeit einer Ethik der Verantwortung und des Respekts der Gesetze".

Bassetti: Keinen Vorwand für Angriffe bieten

Indirekt spielte der Erzbischof von Perugia auf die Debatte um die Seenotrettung von Migranten durch Nichtregierungsorganisationen an: "Gerade um die Interessen der Schwächsten zu vertreten, dürfen wir nicht Gefahr laufen - auch nicht aufgrund eines Ideals, das sich in Naivität verwandelt -, den Vorwand zu bieten, (...) mit Menschenhändlern zusammenzuarbeiten", so Bassetti. Erneut verlangte er, jeglicher Form von "moderner Sklaverei" und Menschenhandel eine klare Absage zu erteilen.

In seiner Predigt in der Kathedrale von Perugia rief Bassetti dazu auf, sowohl den Leidenden und Fliehenden gegenüber Verantwortung zu zeigen als auch denen gegenüber, die aufnehmen und helfen. Die Flüchtlingsfrage müsse mit Bewusstsein, Mut und Nächstenliebe angegangen werden. Er forderte eine Kultur des "Willkommens und der Begegnung" sowie einen "starken Sinn der Verantwortung gegenüber allen".

Linktipp: Italien ermittelt nach Seenotrettung gegen Pater

Mussie Zerai kam einst selbst als Flüchtling aus Eritrea nach Italien. Heute ist er Priester und hilft Menschen, die sein Schicksal teilen. Nun ist er dadurch ins Visier der Justiz geraten.

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Seit Monaten gibt es in Italien den Vorwurf gegen private Seenotretter, sie leisteten Beihilfe zu illegaler Migration bis hin zum Menschenschmuggel auf dem Mittelmeer. Das Land führte jüngst einen Verhaltenskodex ein, der unter anderem eine verpflichtende Polizeipräsenz an Bord, Offenlegung der Finanzierung und strengere Regeln für die Bergungsoperationen vorsieht. Nicht alle Organisationen unterzeichneten; bislang lehnten "Ärzte ohne Grenzen", "Sea Watch" und "SOS mediterranee" die Selbstverpflichtung ab. Auch die deutsche Nichtregierungsorganisation "Jugend Rettet", gegen die wegen möglicher Beihilfe zu illegaler Einwanderung ermittelt wird, unterschrieb das Papier bisher nicht.

Ermittlungen gegen Priester wegen angeblicher Schlepperei

Die Staatsanwaltschaft von Trapani ermittelt zudem gegen den aus Eritrea stammenden Pater Mussie Zerai wegen möglicher Beihilfe zu illegaler Einwanderung. Der Ordensmann und Gründer der Hilfsorganisation "Agenzia Habeshia" für die Rettung von Flüchtlingen aus Seenot wies die Vorwürfe zurück. Er habe immer gesetzmäßig und aus humanitären Gründen gehandelt und werde dies auch weiter tun, sagte Zerai Radio Vatikan am Donnerstag. (KNA)

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