Kardinal soll per Videoschalte zu Missbrauch aussagen

Kurienkardinal George Pell wird per Videoübertragung vor der australischen Missbrauchskommission aussagen. Als Begründung für das persönliche Fernbleiben von der Verhandlung nannten die Verteidiger den gesundheitlichen Zustand des Kardinals.

Missbrauch | Melbourne - 08.02.2016

Aus gesundheitlichen Gründen wird Kardinal George Pell (74) nicht persönlich vor der australischen Missbrauchskommission erscheinen. Die Kommission stimmte am Montag eigenen Angaben zufolge einem Antrag des Kardinals zu, der eine Aussage per Videoschalte aus Rom vorsieht. Das persönliche Erscheinen des Kardinals wäre wünschenswerter gewesen, räumte der Ausschussvorsitzende Peter McClellan ein.

Aus den vorgelegten medizinischen Gutachten gehe hervor, dass der lange Flug von Rom nach Australien für Pell aufgrund von Herzproblemen nicht zumutbar sei, hieß es von der Kommission. Als Termin für die Videoaussage des Kardinals sei der 29. Februar festgesetzt worden. Die Anwälte Pells hatten bereits im Dezember mit Verweis auf die Gesundheit ihres Mandanten sein persönliches Erscheinen vor dem Ausschuss am 16. Dezember abgesagt. Das Angebot der Anwälte, Pell für seine Aussage per Video zuzuschalten, hatte Richter McClellan zu diesem Zeitpunkt noch abgelehnt. Die zur Verhandlung stehenden Sachverhalte seien für eine Videoaussage zu "komplex", sagte McClellan.

Die Kommission untersucht den Umgang mit sexuellem Missbrauch in der Erzdiözese Melbourne und den dazugehörigen Bistümern. Zum einen geht es um Fälle in der Diözese Ballarat; dort war Pell im fraglichen Zeitraum als Priester tätig gewesen und hatte in freundschaftlichem Kontakt zu einem inzwischen verurteilten Priester gestanden. Damals gehörte Pell zum Beratergremium des Bischofs, bevor er selbst erst Weihbischof in Melbourne und später Erzbischof wurde.

Kritik an Pells Programm zur Missbrauchsaufarbeitung

Ein zweiter Themenkomplex befasst sich mit einem von Pell ins Leben gerufenen Programm zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen, der "Melbourne Response". Dies war das erste Standardverfahren einer australischen Diözese zum Umgang mit Missbrauchsfällen. Innerkirchliche Kritiker wie der emeritierte Weihbischof Geoffrey Robinson werfen Pell vor, er habe damit ein gemeinsames Vorgehen der australischen Bischöfe unterlaufen.

Die Kommission war 2013 von der damaligen Premierministerin Julia Gillard eingesetzt worden, um den Umgang von Kirchen, Religionsgemeinschaften und weltlichen Institutionen mit Missbrauchsfällen zu untersuchen. Der Abschlussbericht wird für Dezember 2017 erwartet. Pell ist seit Februar 2014 Leiter der zentralen Finanz- und Wirtschaftsbehörde im Vatikan. (KNA)

Linktipp: Auf dem Spiel steht die Reputation

Hat er zur Vertuschung beigetragen? Zum dritten Mal sagt Kurienkardinal George Pell vor der australischen Missbrauchskommission aus. Im Fokus steht das Erzbistum Melbourne, deren Erzbischof der heutige vatikanische Finanzminister einst war.

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