Kirchen befürworten Moscheebau in Erfurt

Die beiden großen Kirchen in Deutschland wenden sich gegen die AfD-Fraktion im Thüringer Landtag. Die will den Bau einer Moschee in Erfurt durch einen Bürgerentscheid verhindern.

Religion | Erfurt - 18.05.2016

Die beiden großen Kirchen in Thüringen befürworten den Bau einer Moschee in Erfurt. Sie wenden sich damit gegen Pläne der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag, den Bau durch einen Bürgerentscheid verhindern zu wollen. Dies sei für ihn "völlig unverständlich", erklärte der Leiter des Katholischen Büros Erfurt, Winfried Weinrich, am Dienstag auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Die im Grundgesetz garantierte Religionsfreiheit ermögliche, die Religion privat oder öffentlich auszuüben. Damit habe auch die Ahmadiyya-Gemeinde in Erfurt das Recht, "sich würdige Räume für Gebet und Begegnung zu schaffen". Die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann, betonte: "Wer die Religionsfreiheit infrage stellt, sollte sich fragen, ob er auf dem Boden unseres Grundgesetzes steht." Die evangelische Kirche begrüße die Pläne der muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde für einen Moscheeneubau in Erfurt.

Die AfD-Fraktion im Thüringer Landtag hatte vergangene Woche eine Aktuelle Stunde für die nächste Plenarsitzung an diesem Mittwoch beantragt, um einen möglichen Moscheebau zu verhindern. Für Mittwochabend hat die rechtspopulistische Partei zu einer Demonstration unter dem Motto "Unser Land, unsere Kultur, unsere Entscheidung" auf den Erfurter Domplatz eingeladen.

Es wäre der erste Moscheebau in Thüringen

Die Ahmadiyya-Gemeinde hatte bei der Stadt Erfurt einen Bauvorantrag für die Errichtung eines Gotteshauses mit Zierminarett im Ortsteil Marbach gestellt. Es wäre der erste Moschee-Neubau in Thüringen und - mit Ausnahme von Berlin - nach Leipzig und Chemnitz das dritte derartige Projekt in einem der neuen Bundesländer. Der AfD-Fraktionsvorsitzende Björn Höcke hatte den Moscheebau als "Teil eine langfristigen Landnahmeprojektes" bewertet.

In Ostdeutschland halten die Muslime ihre Gottesdienste bislang in Wohnräumen oder ehemaligen Geschäftsbauten ab. Die Gebetsstätten sind nach Angaben ihrer Gemeinden immer öfter überfüllt, da die Zahl der Muslime durch die Aufnahme von Flüchtlingen zunimmt. Die Erfurter Anmadiyya-Gemeinde hat nach eigenen Angaben derzeit rund 70 Mitglieder. Sie will eine Moschee auch als Ort des Dialogs nutzen.

Die Gemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) versteht sich als weltweite islamische Reformbewegung. Nach eigenen Angaben tritt die 1889 gegründete Gemeinschaft für die friedlichen Werte des Islam ein. Dazu zählten die Gleichwertigkeit von Mann und Frau, Trennung von Religion und Staat, Beendigung gewalttätiger Aktionen im Namen der Religion sowie die im Koran festgelegten Menschenrechte. (KNA)

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