Kirchen rufen zu Anti-AfD-Demos auf

Am kommenden Wochenende will die "Alternative für Deutschland" in Köln ihren Bundesparteitag abhalten. Die Kirchen sehen das mit Sorge - und planen deshalb Gegenveranstaltungen.

Politik | Köln - 19.04.2017

Zum bevorstehenden Bundesparteitag der AfD wollen sich die christlichen Kirchen in Köln an Demonstrationen gegen die Partei beteiligen. Es gehe darum, unmissverständlich klar zu machen, dass Hass und Intoleranz kein Mittel in der politischen Auseinandersetzung sein dürften, sagte der katholische Stadtdechant von Köln, Robert Kleine am Mittwoch. "Aufgrund unseres Glaubens treten wir ein für Nächstenliebe, Toleranz und ein solidarisches Miteinander."

Der evangelische Stadtsuperintendent Rolf Domning nannte es besorgniserregend, dass die AfD einen Begriff wie "völkisch" wieder in die Debatte eingebracht habe. Das Wort stamme aus dem "Giftschrank der Nazis", so Domning. "Das lässt uns aufhorchen." Die Kirche wolle mit ihren Aktionen auch ein Zeichen für die Flüchtlingshilfe setzen. Das Engagement für Menschen in Not sei kein "Gutmenschentum", sondern folge der Aufforderung Jesu: "Du sollst den Nächsten lieben wie Dich selbst."

Kirchen planen Nachtgebet und Mahnwache

Die Aktionen stehen unter dem Motto "Unser Kreuz hat keine Haken" und finden im Rahmen der Veranstaltungen des Bündnisses "Köln stellt sich quer - kein Rassismus bei uns in Köln" statt. Geplant sind unter anderem ein "Politisches Nachtgebet" in der evangelisch-freikirchlichen Friedenskirche am Freitagabend sowie eine Mahnwache an der evangelischen Antoniterkirche. An dem Nachtgebet nehmen unter anderen der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Stefan Vesper, sowie Constantin Miron, Beauftragter der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland und Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), teil.

Linktipp: Deutsche Bischöfe gehen auf Distanz zur AfD

Die AfD hat ihren Leitantrag zum Bundesparteitag vorgestellt - und darin den Islam als "große Gefahr für Deutschland" bezeichnet. Für die deutschen Bischöfe ist das mit dem Christentum nicht vereinbar. (Artikel von März 2017)

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Die AfD trifft sich zu ihrem Bundesparteitag am Samstag und Sonntag im Maritim-Hotel in der Kölner Innenstadt. Dort will die Partei unter anderem ihre Spitzenkandidaten zur Bundestagswahl im Herbst küren und über ihr Wahlprogramm beraten.

Keine Zugangsbeschränkungen zum Kölner Dom geplant

Angekündigt sind für das Wochenende sechs große Demonstrationen mit mehreren zehntausend Teilnehmern. Die Polizei ist ab Donnerstag mit mehreren tausend Beamten im Einsatz. Es handle sich um einen der größten Einsätze der vergangenen Jahre, sagte Polizeipräsident Jürgen Mathies im Vorfeld.

Der Kölner Dom soll dennoch ohne Einschränkungen geöffnet bleiben, sagte Kleine. Sollte die Situation rund um den AfD-Bundesparteitag eskalieren, seien allerdings Maßnahmen wie Einlasskontrollen denkbar, so der Stadtdechant.

Auf die Frage, was passiere, wenn sich prominente AfD-Politiker den Dom anschauen wollten, antwortete Kleine, man könne und werde natürlich keine Hausverbote für den Kölner Dom erteilen. "Aber wir sprechen auch keine speziellen Einladungen aus." Oft gingen die Menschen durch die besondere Atmosphäre in dem Gotteshaus anders heraus, als sie hineingekommen seien. Vielleicht treffe das ja auch auf mögliche Besucher aus den Reihen der AfD zu, so Kleine. "Umkehrbereite sind immer willkommen", ergänzte er mit einem Lächeln. (luk/KNA)

19.04.2017, 13 Uhr: ergänzt um Informationen zum Kölner Dom

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