Krisenvermittler und Bischof Emil Stehle gestorben

1994 war Emil Lorenz Stehle für seine Vermittlungen in El Salvador für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Nun starb der Bischof und frühere Adveniat-Chef im Alter von 90 Jahren.

Tod | Essen/Konstanz - 17.05.2017

Emil Lorenz Stehle, erster Bischof von Santo Domingo de los Colorados in Ecuador (1987-2002) und frührer Hauptgeschäftsführer des katholischen Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat (1977-1988), ist am Dienstag im Alter von 90 Jahren in Konstanz gestorben. Das teilte Adveniat am Mittwoch in Essen mit.

Über Jahrzehnte engagierte sich Stehle als Krisenvermittler in Lateinamerika. Mit Erzbischof Arturo Rivera von San Salvador war er intensiv an Vermittlungen zur Beendigung des Bürgerkriegs in El Salvador beteiligt. Dafür wurde er mit Rivera 1994 für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. 1986 erhielt er das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Zudem trug er drei Ehrendoktor-Titel.

Wanderer zwischen zwei Welten

Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck würdigte Stehle als bedeutenden Wegweiser für den Frieden in Lateinamerika. "Seinem unermüdlichen Einsatz für die Menschen, insbesondere die indigenen Völker, fühlen wir uns bei Adveniat weiterhin verpflichtet." Mit seinem schlichten Auftreten, seinem geduldigen Zuhören und seinem diplomatischen Gespür sei er "ein kompetenter Gesprächspartner, Berater und Vermittler in vielen großen und kleinen Konflikten im kirchlichen und weltlichen Bereich - in Deutschland und in Süd- und Mittelamerika" gewesen, so der Essener Bischof.

Stehle wurde am 3. September 1926 im südbadischen Herdwangen-Mühlhausen als achtes von neun Geschwistern einer Bauernfamilie geboren. 1951 in Freiburg zum Priester geweiht, ging er Ende der 50er Jahre in die kolumbianische Hauptstadt Bogota, um dort eine Gemeinde für deutschsprachige Katholiken zu gründen. Später baute er als Adveniat-Berater die Kontakte zum Lateinamerikanischen Bischofsrat CELAM in Bogota auf und besuchte sämtliche Bischofskonferenzen Lateinamerikas.

Von 1977 bis 1988 war er Geschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks in Essen. 1983 wurde er in Rom zum Bischof geweiht und dem Erzbischof von Quito in Ecuador als Weihbischof zur Seite gestellt. Damit entwickelte er sich endgültig zum Wanderer zwischen zwei Welten. Nach seiner Emeritierung 2002 kehrte Stehle in seine Heimatdiözese Freiburg zurück und lebte seitdem in Konstanz am Bodensee. (KNA)

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