Kurienkardinal Pell weist Vorwürfe zurück

Der australische Kurienkardinal George Pell hat Missbrauchsvorwürfe gegen seine Person entschieden zurückgewiesen. Der vatikanische Finanzminister reagiert damit auf Berichte über Missbrauchsvorwürfe gegen ihn in australischen Medien.

Missbrauch | Rom - 19.02.2016

Der australische Kurienkardinal George Pell hat Missbrauchsvorwürfe gegen seine Person entschieden zurückgewiesen. "Die Anschuldigungen sind unbegründet und völlig falsch", heißt es in einer offiziellen Erklärung aus dem römischen Büro des Kardinals vom Freitag. Der vatikanische Finanzminister reagiert damit auf Berichte über Missbrauchsvorwürfe gegen ihn in australischen Medien.

Die Boulevardzeitung "Herald Sun" berichtet, australische Ermittler untersuchten seit einem Jahr Vorwürfe gegen den Kardinal. Den dort gesammelten Aussagen zufolge soll er in seiner Zeit als Priester in Ballarat und als Erzbischof von Melbourne "mehrfach Straftaten" begangen haben. Unter anderem werde Pell vorgeworfen, er habe Minderjährige sexuell missbraucht, so die "Herald Sun" unter Berufung auf ein angeblich geleaktes Dossier einer Sonderermittlungseinheit für Kinderschutz. Die Zeitung betont ausdrücklich, man wolle nicht unterstellen, dass der Kardinal schuldig sei, sondern lediglich festhalten, dass es entsprechende Vorwürfe gegeben habe. Diese seien ernst genug genommen worden, um zu einer polizeilichen Untersuchung zu führen. Pell forderte eine öffentliche Untersuchung, um aufzuklären, wer diese Information durchgestochen habe.

In zehn Tagen soll der 74-Jährige per Videoschaltung vor der australischen Missbrauchskommission aussagen. Er selbst sieht in den Anschuldigungen eine Kampagne gegen ihn. Der Zeitpunkt der Veröffentlichungen sei eindeutig dazu bestimmt, ihm und der katholischen Kirche größtmöglichen Schaden zuzufügen, heißt es in Pells Stellungnahme. Er verneine schärfstens jegliches Fehlverhalten. Bei Fragen der Polizei werde er kooperieren, so wie er es bei jeder öffentlichen Untersuchung getan habe.

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Die australische Missbrauchskommission untersucht den Umgang mit sexuellem Missbrauch in der Erzdiözese Melbourne und den benachbarten Diözesen. Zum einen geht es um Fälle im Bistum Ballarat. Dort war Pell im fraglichen Zeitraum als Priester tätig und stand in freundschaftlichem Kontakt zu einem inzwischen verurteilten Priester. Damals gehörte Pell zum Beratergremium des Bischofs, bevor er selbst erst Weihbischof und später Erzbischof von Melbourne wurde.

Die staatliche Kommission wurde 2013 von der damaligen Premierministerin Julia Gillard eingesetzt, um den Umgang von Kirchen, Religionsgemeinschaften und weltlichen Institutionen mit Missbrauchsfällen zu untersuchen. Der Abschlussbericht wird für Dezember 2017 erwartet. Pell ist seit Februar 2014 Leiter der zentralen Finanz- und Wirtschaftsbehörde im Vatikan. (KNA)

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