Medien: Neue Erkenntnisse zum Missbrauchskandal

Drei Journalisten aus Lyon wollen ihre Recherche zu Hunderten Missbrauchsfällen in der französischen Kirche veröffentlichen. Im Fokus stehen dabei auch mehr als 50 Bischöfe und Priester.

Frankreich | Lyon - 21.03.2017

Drei Journalisten aus Lyon wollen an diesem Dienstagabend und am Mittwoch neue Erkenntnisse zum Missbrauchsskandal in Frankreich veröffentlichen. Den Recherchen der Journalisten zufolge haben 25 Bischöfe aus Frankreich 32 Priester gedeckt, die am Missbrauch beteiligt gewesen sein sollen, berichteten verschiedene französische Medien am Dienstag. Insgesamt habe es 339 Opfer gegeben, wovon 288 minderjährig gewesen seien. Der Erzbischof von Lyon, Kardinal Philippe Barbarin, wird beschuldigt, insgesamt fünf Priester bei denen er von Missbrauch wusste, gedeckt zu haben.

Die Erkenntnisse aus der einjährigen Recherche für das französische Unternehmen Mediapart rund um das Erzbistum Lyon sollten am Dienstagabend in der Dokumentation "Cash Investigation" beim französischen Fernsehsender France 2 ausgestrahlt werden. Am Mittwoch soll das Buch "Eglise: la Mecanique du silence" ("Kirche: Mechanik der Stille") der drei Journalisten veröffentlicht werden.

Kirche nimmt nicht an Fernsehdebatte teil

Die Französische Bischofskonferenz hatte am Montag mitgeteilt, dass sie nicht an einer Fernsehdebatte zum Thema Missbrauch teilnehme, da die Journalisten medienethische Standards bei ihren Recherchen und Interviews nicht respektiert hätten. In einem am Montagabend in der Online-Ausgabe der französischen Zeitung "La Croix" veröffentlichten Interview erklärte der stellvertretende Sprecher Vincent Neymon, dass die Bischofskonferenz bereit wäre, Fragen von Journalisten zu dem Thema zu beantworten.

Vor einem Jahr hatten sich in Frankreich mehrere Menschen zu Wort gemeldet, die Mitglieder der Kirche beschuldigten, sie sexuell missbraucht zu haben. Der Erzbischof von Lyon, Kardinal Philippe Barbarin, wurde wegen Nichtanzeige sexueller Übergriffe in seinem Verantwortungsbereich angezeigt. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen gegen ihn jedoch im August ein. Es habe keine Hinweise auf eine Straftat gegeben, hieß es.

Als Reaktion auf den Skandal hatte die Französische Bischofskonferenz im Frühjahr eine unabhängige "Kommission gegen Pädophilie" ins Leben gerufen und eine Website eingerichtet, auf der Missbrauchsopfer und Familienangehörige Fälle melden und Kontakt mit den Zuständigen in ihrem Bistum aufnehmen können. (KNA)

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