Missbrauch: Papst nimmt Strafmilderung zurück

Papst Franziskus wollte Barmherzigkeit üben und hatte 2014 die Entlassung eines Priesters aus dem Klerikerstand verhindert, der Kinder missbraucht hatte. Nun macht er seine Entscheidung rückgängig.

Italien | Crema/Rom - 28.06.2017

Der wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen verurteilte italienische Priester Mauro Inzoli (67) ist von Papst Franziskus aus dem Priesterstand entlassen worden. Das teilte der Bischof von Crema, Daniele Gianotti, in einem Brief mit, der am Mittwoch auf der Internetseite seines Bistums veröffentlicht wurde. Damit nimmt Franziskus eine Strafmilderung vom Juni 2014 zurück.

Der Vorgang ist von überregionaler Bedeutung, weil der bisherige Umgang mit dem Fall Inzoli von manchen Medien als Beleg dafür gewertet worden war, dass Franziskus in einigen Fällen - entgegen seiner öffentlich propagierten Null-Toleranz-Strategie - eine härtere Bestrafung von Kinderschändern verhindert habe.

Inzoli war bereits im Dezember 2012 unter Benedikt XVI. aus dem Priesterstand entlassen worden. Nach seinem Einspruch dagegen milderte die Glaubenskongregation die Strafe im Juni 2014, inzwischen war Franziskus Papst, in ein "Leben in Gebet und demütiger Zurückhaltung" ab. Die letzte Entscheidung in solchen Fällen liegt beim Papst. Ein weltliches Gericht in Cremona verurteilte Inzoli zwei Jahre später, im Juni 2016, zu vier Jahren und neun Monaten Haft wegen sexuellen Missbrauchs von fünf Jungen.

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Papst Franziskus hat die "Null-Toleranz"-Politik der katholischen Kirche gegen Kindesmissbrauch bekräftigt. Vor allem für vier Fehler von kirchlichen Würdenträgern bat er um Vergebung. (Artikel vom Januar 2017)

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In einem Medienbericht vom März 2017 hieß es, Franziskus habe sich im Fall Inzoli über das Votum der Glaubenskongregation hinweggesetzt, die gegen einen Strafnachlass gewesen sei. Auch in anderen Fällen habe er unter Berufung auf Barmherzigkeit in diesem Sinne eingegriffen. Der Vatikan äußerte sich dazu offiziell nicht. Der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller sagte damals aber, in dieser Sache seien "die Akten noch nicht geschlossen". Es gebe "neue Elemente".

Der Fall hatte in Italien auch wegen der schillernden Persönlichkeit Inzolis landesweit gewisses Aufsehen erregt. Wegen seiner Vorliebe für teure Autos erhielt der charismatische Priester den Beinamen "Don Mercedes". Zudem bekleidete er eine führende Position in der Gemeinschaft "Comunione e Liberazione", die in Norditalien sehr einflussreich ist und enge Kontakte zur Politik unterhält.

Zugleich war Don Mauro Mitbegründer der "Banco alimentare". Diese landesweite Initiative sammelt von Firmen und Privatleuten Lebensmittel, um sie an Bedürftige zu verteilen. Als Pfarrer und Rektor des katholischen Shakespeare-Gymnasiums in Crema kam er oft mit Kindern und Jugendlichen zusammen. (KNA)

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