Mit Dante in die Hölle

Der Situation der Seelen nach dem Tod hat Italiens Dichterfürst Dante Alighieri seine "Göttliche Komödie" gewidmet. Sie ist das berühmteste Werk des Dichters.

Kultur | Rom - 05.05.2015

Er gab den Italienern ihre Schriftsprache und der Literatur eine Vorstellung von der Hölle. Seine "Göttliche Komödie" zählt zu den bedeutendsten Werken der Weltliteratur: Dante Alighieri (1265-1321). Der bedeutendste Dichter Italiens wurde im Mai vor 750 Jahren in Florenz geboren.

Wer im Spätmittelalter eine Vorstellung davon bekommen wollte, was ihn nach dem Tod erwartete, war auf Malerei und Skulpturen in Kirchen angewiesen. Nun konnte, wer des Lesens kundig war, auch Dante lesen.

In der zwischen 1307 und 1321 entstandenen "Göttlichen Komödie" schildert der Dichter in 14.233 Versen aus der Sicht eines Ich-Erzählers eine visionäre Wanderung durch Hölle, Fegefeuer und Paradies. Mit diesem Werk legte Dante die Grundlage für den Siegeszug der italienischen Schriftsprache über das bislang vorherrschende Latein.

Statue von Dante
 Kna

Der Ich-Erzähler verirrt sich in der Osterwoche in einem dunklen Sündenwald und wird von drei Tieren bedrängt, die symbolisch für die Leidenschaften stehen. Schließlich begegnet er dem antiken römischen Dichter Vergil, der ihn durch die Tiefen der neun Höllenkreise auf den Berg der Läuterung führt.

Die geheimnisvolle Geliebte Dantes

Mindestens ebenso wie seine berühmten Beschreibungen von Fegefeuer und Hölle hat die Forschung die junge Dame beschäftigt, die den Erzähler der "Göttlichen Komödie" an der Schwelle zum irdischen Paradies erwartet und mit ihm durch die neun Himmel zur Anschauung Gottes im sogenannten Empyreum schwebt: Beatrice, die geheimnisvolle Geliebte Dantes. Hinter dieser Frauengestalt verbirgt sich nach Ansicht vieler Fachleute die Tochter des Florentiners Folco Portinari, die später einen Anderen heiratete und 1290 im Alter von nur 24 Jahren starb.

Geboren wurde Dante 1265 in eine Familie des Florentiner Stadtadels. Das genaue Datum ist strittig. Eine frühe philosophische und theologische Ausbildung bekam er von Franziskanern und Dominikanern. Von 1296 an versah Dante dann verschiedene Ämter im Stadtrat und mehrere Gesandtschaften, unter anderem in Rom.

Einen schmerzhaften Einschnitt bedeute für ihn die Verbannung aus seiner Heimatstadt im Jahr 1302. Hintergrund war der Konflikt zwischen der papsttreuen und der kaisertreuen Partei in Florenz. Dante wurde vorgeworfen, auf der Seite der sogenannten Ghibellinen zu stehen, die für eine Unabhängigkeit vom Papst eintraten. Der Dichter wurde mehrfach zum Tode verurteilt. Fortan führte er ein Wanderleben, das ihn nach Verona, Bologna, Padua, Lucca und zuletzt nach Ravenna führte, wo er 1321 starb und beigesetzt wurde.

1302 wurde Dante aus seiner Heimatstadt Florenz verbannt. Das Bild zeigt den Ponte Vecchio, die älteste Brücke der Stadt.
 maigi/Fotolia.com

Dante schickt Papst Bonifaz VIII. in die Hölle

Dante war zeitlebens kirchentreuer Katholik. Das hinderte ihn allerdings nicht daran, Papst Bonifaz VIII. in der "Göttlichen Komödie" in die Hölle zu schicken. Bonifaz VIII. betrachtete er wohl als mitschuldig an seiner Verbannung aus Florenz. Und auch sonst war ihm das äußerst machtbewusste Auftreten dieses Papstes unsympathisch. Im untersten Teil der Hölle werden Judas Iskariot, der Jesus verriet, und die Cäsar-Mörder Brutus und Cassius in drei Mäulern des Unterweltfürsten malträtiert.

Die Italiener lieben ihren Dante. Als vor ein paar Jahren eine kaum bekannte Menschenrechtsorganisation forderte, einige vermeintlich antisemitische, islamophobe und rassistische Passagen der "Göttlichen Komödie" aus dem Lehrplan italienischer Schulen zu streichen, gab es landesweit einen Sturm der Entrüstung. Das sei etwa so, als ob man "den Figuren in der Sixtinischen Kapelle Unterhosen oder der Venus von Milo einen Bikini anziehen würde", schrieb damals die katholische Zeitung "Avvenire".

In katholischen Kreisen erfreut sich Dante bis heute besonderer Wertschätzung. Sie sollten sich doch bitte einmal Michelangelo oder Dante zum Vorbild nehmen, empfahl etwa vor Jahren der damalige Erzbischof von Sydney und heutige Kurienkardinal George Pell zeitgenössischen Künstlern. Die beiden hätten noch gewusst, wie man das Jenseits darstelle. Heute, in einer Zeit, da die Suchmaschine Google für das Stichwort "Dante" zuerst Einträge zu einem brasilianischen Fußballspieler anzeigt, wären vermutlich viele Lehrer froh, wenn ihre Schüler wüssten, dass Dante Alighieri nicht für Bayern München spielt.

Papst: Lest mehr Dante

Papst Franziskus wünscht sich mehr Leser für Dante Alighieri. Er würdigte den italienischen Dichter zu dessen 750. Geburtstag als "Propheten der Hoffnung", der auch heute noch "viel zu sagen und zu schenken" habe. Er hoffe, dass das Jubiläum zur neuerlichen Wertschätzung Dantes und seiner Werke beitrage, heißt es in einer am Montag vom Vatikan veröffentlichten Botschaft. Der Autor der "Göttlichen Komödie" zeige, dass Erlösung, Befreiung und tiefgreifende Änderung für jeden Menschen und die Menschheit insgesamt möglich seien, so der Papst. Durch seine "unsterblichen Werke" verhelfe Dante den Lesern zu einer "wahrhaften Entdeckung ihrer selbst, der Welt und des tiefen und jenseitigen Sinns der Existenz". Anlass der Botschaft war eine Feierstunde im italienischen Senat zum 750. Geburtstag Dantes. Adressat war der Präsident des päpstlichen Kulturrates Kardinal Gianfranco Ravasi. Dantes Hauptwerk die "Göttliche Komödie" könne als "große Pilgerfahrt" gelesen werden, schreibt Franziskus weiter. Das Vers-Epos stelle das Urbild jeder echten Reise dar, zu der die Menschheit aufgerufen sei, um Harmonie, Frieden und Glück zu finden. Der Papst verwies auf die große Wertschätzung, die seine Vorgänger Dante entgegengebracht hätten. Benedikt XV. (1914-1922) habe dem Dichter zum 600. Todestag eine eigene Enzyklika gewidmet, Paul VI. (1963-1978) vor 50 Jahren ein Apostolisches Schreiben. Er selbst habe Dante in seiner ersten Enzyklika "Lumen fidei" zitiert. (KNA)

Von Thomas Jansen (KNA)

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