Müller: Papstschreiben geht nicht weit genug

Der Theologe und Psychotherapeut Wunibald Müller sieht im nachsynodalen Schreiben des Papstes positive Ansätze - zum Beispiel in Bezug auf die Wiederverheirateten. Gleichzeitig mahnte er aber eine Weiterentwicklung der kirchlichen Sexualmoral an.

Familiensynode | Münsterschwarzach - 12.04.2016

Der Theologe und Psychotherapeut Wunibald Müller sieht im nachsynodalen Schreiben "Freude der Liebe" des Papstes positive Ansätze. Dies betreffe etwa die Möglichkeit zur Einzelfallentscheidung bei der Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion, sagte der Leiter des Münsterschwarzacher Recollectio-Hauses am Montag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Es sei richtig, wenn Franziskus eine Kirche fordere, die sich barmherzig der Menschen annehme. "Das darf aber nicht auf ein Vertrösten hinauslaufen."

Müller mahnte eine Weiterentwicklung der kirchlichen Lehre zur Sexualmoral an. Dies gelte etwa für die Beurteilung der Homosexualität und für die Auffassung, dass Sexualität nur innerhalb der Ehe moralisch in Ordnung sei. Komme es bei diesen Punkten zu keiner Reform, "verspielt Papst Franziskus die Chancen, die sein Pontifikat für die Erneuerung der Kirche hätte und auf die so viele Katholiken warten", meinte der Psychotherapeut. "Dann wird unter dem großen Schlagwort Barmherzigkeit nur das alte Spiel fortgeführt."

Er hoffe jedoch, dass Papst Franziskus den notwendigen strukturellen Veränderungen in der Kirche, die auch die Lehre mit einschlössen, nicht aus dem Weg gehe, fügte Müller hinzu. Mit der Entscheidung zu den wiederverheirateten Geschiedenen habe er einen mutigen ersten Schritt getan. Davon erhofft sich der scheidende Leiter des Recollectio-Hauses in Münsterschwarzach Schwung für weitere Schritte. "Viel Zeit dafür bleiben dem Papst und der Kirche nicht." (KNA)

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