Mussolini statt Merkel: Die Piusbrüder haben gewählt!

Die zauberhafte Mischung aus Angst vor dem nächsten Bombenhagel und dem Höllenfeuer trieb die Menschen in die Arme von Mutter Kirche. Was für eine schöne Zeit! Die Piusbrüder und Björn Odendahl sehnen sich nach damals.

War's das? | Bonn - 14.07.2018

Manchmal, da sitze ich wütend auf meinem Bürostuhl, der so viele Hebel für die Rücken-, Armlehne und noch vieles mehr hat, dass ich es auch nach Jahren noch nicht begriffen habe; vor mir das blinkende Smartphone, hinter mir Arbeitskolleginnen, die genau so viel verdienen wie ich. Ich starre ins Leere und frage mich: Wann ist diese Welt so kompliziert und ungerecht geworden?

Ich denke an früher, an eine Zeit, die nicht so bunt und verwirrend, sondern schwarz-weiß, einfach und schön gewesen ist: Mutter stand am Herd und kochte Mehlsuppe für die 10-köpfige Familie, Vater ging irgendeiner männlichen Aufgabe nach, entweder unter Tage oder – noch männlicher – an der Front. Hunger kannte man noch in echt und nicht nur aus dem Fernsehen, auch, weil es das noch gar nicht gab. Doch das wichtigste von allem: Die Kirchen waren voll. Diese zauberhafte Mischung aus Angst vor dem nächsten Bombenhagel und dem anschließenden Höllenfeuer trieb die Menschen in die Arme von Mutter Kirche! Was für eine schöne Zeit! Doch dann: eine Zäsur in drei Schritten. Kriegsende, Zweites Vatikanisches Konzil, Gleichstellungsbeauftragte.

So ähnlich wie ich werden sie alle da gesessen und in Erinnerungen geschwelgt haben: die Mitglieder des Generalkapitels der Piusbrüder. Hier wird schwarz-weißes Denken gelebt und in der Kleidung manifestiert. Wohin man auch blickt: Die schwarzen Soutanen frisch gebügelt, die weißen Priesterkragen gestärkt und alle Kreuze so blitzblank poliert, dass Markus Söder vor lauter Freude erst zum Katholizismus konvertiert, um dann das II. Vaticanum abzulehnen und selbst Piusbruder zu werden.

Doch die Piusbrüder waren traurig. Sie schimpften über ihren viel zu weichen, zu linken, zu liberalen und weltoffenen Pseudo-Anführer, so dass man sich fragte: Ist Merkel jetzt auch hier Kanzlerin? Aber, nein. Gemeint war tatsächlich Bernard Fellay, den man, will man auf einer vierspurigen Autobahn rechts an ihm vorbei, eigentlich nur auf dem Standstreifen überholen kann. Doch der neue Chef, der Italiener Davide Pagliarani, scheint genau so ein Standstreifenfahrer zu sein. Die Piusbrüder haben ihn gewählt, weil sie sich sicher waren: Es braucht weniger Merkel und mehr Mussolini. Werft die Gitarre also zur Seite und das Neue Geistliche Liedgut in die Tonne, ihr 68er-Hippies unter den Piussen!

"Ich bin kein Historiker"

Pagliarani legte, wie alle Oberen vor ihm, nach der Annahme des Amtes den Antimodernisten-Eid von Pius X. ab: "Ich schwöre, alle meine Brüder auf diesem Erdenflach vor den schändlichen Einflüssen der Moderne zu beschützen: Smartphones und Gender-Toiletten, vor Wiederverheirateten und konfessionsverschiedenen Paaren, vor Homosexuellen und berufstätigen Frauen, vor Stephen Hawking, Isaac Newton, Charles Darwin und den deutschen Bischöfen. Amen!"

Aber Pagliarani ist nicht nur ein Feind der Naturwissenschaften. Auf die Frage eines Reporters, ob er glaubt, dass es in Vernichtungslagern Gaskammern gegeben habe, antwortete er: "Ich bin kein Historiker." Das ist doch mal Demut! Ein Geistlicher, der für sich nicht die Wahrheit gepachtet hat. Und der nicht viel auf Meinungsmache der linken Medien und der Alliierten gibt, nicht auf Zeitzeugen, auf den Geschichtsunterricht oder Gedenkstätten. Ein wahrer Mann des Glaubens statt der Vernunft. Und Thomas von Aquin zerknüllt im Jenseits aus Frust seine gesammelten Werke!

Aber was noch viel besser ist: Die Antwort Pagliaranis ist in jeder Lebenslage als geniale Ausflucht einsetzbar! "Schatz, das Licht geht nicht. Ist die Glühbirne kaputt?" – "Ich bin kein Elektriker!" "Hey, da wird gerade eine Oma überfallen. Sollen wir helfen?" – "Ich bin kein Polizist." Und schließlich: "Hat der neue Generalobere der Piusbrüder noch alle Latten am Zaun?" Nunja: "Ich bin kein Arzt!"

Von Björn Odendahl

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