Nikolaus – Die harten Fakten

Kaum ein Heiliger ist bekannter als er. Doch wer war der historische Bischof Nikolaus und wie sind die Bräuche zu seinem Gedenktag entstanden? Katholisch.de präsentiert zum 6. Dezember einige wissenswerte Fakten.

Brauchtum | Bonn - 06.12.2017

Der Mann

Es gab ihn tatsächlich, doch allzu viel ist aus seinem Leben nicht überliefert: Der historische Nikolaus wurde zwischen 280 und 286 in Patara in der heutigen Türkei geboren. Mit etwa 19 Jahren wurde er zum Priester geweiht und wenig später zum Bischof von Myra in der Region Lykien ernannt; heute heißt dieser kleine Ort Demre und liegt etwa 100 Kilometer südwestlich der türkischen Großstadt Antalya. In Myra begannen kurz nach der Bischofsernennung die Christenverfolgungen unter dem römischen Kaiser Galerius Valerius Maximinus (305 bis 311). Auch Nikolaus geriet der Überlieferung nach in Gefangenschaft und wurde gefoltert. Später nahm er zeitgenössischen Quellen zufolge am ersten ökumenischen Konzil der Kirchengeschichte – dem Konzil von Nizäa im Jahr 325 – teil. Der Todestag des Bischofs war ein 6. Dezember zwischen 345 und 351.

Der Kult

Heute zählt Nikolaus zu den meistverehrten Heiligen der Christenheit und gilt als Schutzpatron zahlreicher Orte, Gruppen und Berufe. Der Kult begann jedoch erst etwa 200 Jahre nach seinem Tod in Griechenland. Von dort breitete sich die Verehrung zunächst über die osteuropäischen Länder aus. Im achten Jahrhundert war der Nikolaus-Kult vor allem in Russland stark, sodass der Heilige dort zum Landespatron erklärt wurde. Langsamer fasste die Verehrung im Westen Fuß, ab dem zehnten Jahrhundert ist sie aber auch für Deutschland, Frankreich und England nachweisbar. Zahlreiche Legenden und volkstümliches Brauchtum formten über die Jahrhunderte das Bild eines Heiligen, das sich von der ursprünglichen Figur immer mehr entfernte. Nikolaus, wie er heute verehrt wird, ist kritischen Textanalysen zufolge vermutlich eine Verschmelzung zweier historischer Personen: des Bischofs von Myra und des gleichnamigen Abts Nikolaus von Sion, der später Bischof von Pinara – heute ebenfalls Türkei – wurde und im Jahr 564 starb.

Die Reliquien

Nikolaus von Myra soll ursprünglich in der Kirche St. Nikolaus im heutigen Demre bestattet worden sein. Noch heute ist dort der entsprechende Sarkophag zu sehen – mit aufgebrochener Seitenplatte. Denn italienische Seefahrer haben der Überlieferung nach die Gebeine geraubt und im Jahr 1087 nach Bari in Süditalien geschmuggelt. Dort werden die Reliquien bis zum heutigen Tag in der Krypta der Basilika San Nicola von zahllosen Pilgern verehrt. Erst im vergangenen Sommer waren Reliquien aus Bari an Russland ausgeliehen worden, die von mehr als 2,5 Millionen Menschen aufgesucht wurden; die Verehrung dort ist also ungebrochen (s.o.). Doch ganz so eindeutig scheint die Sache mit den Gebeinen nicht mehr zu sein: Anfang Oktober meldeten Archäologen im türkischen Demre einen möglichen Sensationsfund. Die Forscher glauben, unterhalb einer antiken Kirche das tatsächliche Grab des Heiligen entdeckt zu haben. Entsprechende Untersuchungen stehen noch aus. Die Geschichte bleibt also spannend.

Gläubige küssen einen Schrein mit den Reliquien des Heiligen Nikolaus in einer Moskauer Kirche.
Gläubige küssen einen Schrein mit Reliquien des heiligen Nikolaus in einer Moskauer Kirche.
 dpa/Iliya Pitalev

Der Geschenkebringer

Dass der Nikolaus die Kinder besucht und sie beschenkt, gehört zum Brauchtum um den Heiligen fest dazu. Seinen Ursprung hat dieses Ritual im mittelalterlichen "Bischofsspiel": An Kloster- und Stiftsschulen wurde zu bestimmten Tagen ein Schüler zum "Bischof" oder auch "Abt" ernannt. Das Kind kleidete sich in die entsprechenden Gewänder und durfte die anderen Schüler für ihr Betragen belohnen oder aber bestrafen. Ursprünglich fand das Bischofsspiel am 28. Dezember – dem Fest der Unschuldigen Kinder – statt, später wurde es auf den Nikolaustag gelegt. Nikolaus als Geschenkebringer geht vor allem auf eine der zahlreichen Legenden über den Heiligen zurück: Der Bischof kam eines Nachts am Haus einer Familie vorbei, die derart mittellos war, dass die drei Töchter ihr Geld als Prostituierte verdienen mussten. Damit die jungen Frauen dieses Tun beenden und heiraten konnten, warf Nikolaus drei Goldklumpen durch das Fenster des Hauses. Daher wird der Heilige in der Kunst heute oft mit drei goldenen Kugeln oder Äpfeln dargestellt. Und tatsächlich ist auch vom historischen Nikolaus überliefert, dass der Bischof sein gesamtes Vermögen den Armen vermachte.

Der Stiefelbrauch

Der Hausbesuch eines als Bischof verkleideten Erwachsenen ist in der jüngeren Vergangenheit eher selten geworden. Verbreitet ist dagegen nach wie vor der Brauch, die Schuhe am Nikolausabend vor die Haustür zu stellen, damit sie nachts mit Gaben befüllt werden können. Was heute Stiefel oder Schuhe sind, waren früher kleine Papierschiffe. Denn der Stiefelbrauch hat sich aus der Tradition des sogenannten "Schiffchensetzens" entwickelt: Die Kinder bastelten in früheren Jahrhunderten aus Papier – oder anderen Materialien – kleine Schiffe, in die der Heilige am Nikolaustag die Geschenke legen sollte. Warum Schiffe? Der Legende nach rettete der Bischof in Not geratene Seeleute vor dem Tod, indem er einen schweren Sturm auf dem Meer stillte. Aufgrund dieser Wundergeschichte wurde Nikolaus zum Schutzpatron der Seefahrer – und das Schiff zu einem Attribut des Heiligen in der Kunst. Später ersetzte man allerdings die gebastelten Nikolaus-Schiffchen durch Schuhwerk, Strümpfe oder auch den Gabenteller.

Nikolaus auf niederländisch: Der Sinterklaas.
Nikolaus auf Niederländisch: der Sinterklaas und sein Gehilfe, der Zwarte Piet.
 KNA

Der Begleiter

Was lange Zeit fehlte, war ein Begleiter des heiligen Nikolaus. Ab dem 16. Jahrhundert ist im Brauchtum der "Knecht Ruprecht" nachweisbar – ursprünglich eine Kinderschreckfigur, die die Kinder zu mehr Frömmigkeit erziehen sollte. Der Knecht diente gegenüber dem Bischof gewissermaßen als Antagonist: Während Nikolaus als friedfertiger und mildtätiger Gabenbringer gutes Benehmen belohnte, strafte der düstere Begleiter die unartigen Kinder mit der Rute. Die ursprüngliche Idee von Knecht Ruprecht als rein negativer Figur respektive "Gegenspieler" des Heiligen wurde mit der Zeit jedoch immer mehr entschärft. Aus ihm wurde vordergründig der Gehilfe, der in einem Sack oder Korb auf dem Rücken die Geschenke transportierte. Die Rute gehörte jedoch weiterhin zu seinem Inventar – wie es etwa Theodor Storm in seinem bekannten volkstümlichen Gedicht "Knecht Ruprecht" von 1862 beschreibt ("Von drauß vom Walde komm ich her…"). Der Nikolaus-Begleiter hat übrigens je nach Region und Land unterschiedliche Namen – im alpenländischen Raum heißt er "Krampus", in den Niederlanden "Zwarte Piet" ("Schwarzer Peter").

Die Konkurrenz

Ganz konkurrenzlos blieb der heilige Nikolaus in der Kirchengeschichte nicht. Da die Reformatoren die Heiligenverehrung allgemein ablehnten, verblasste in vorwiegend protestantischen Gegenden auch der Nikolaus-Brauch relativ schnell. Martin Luther ersetzte den heiligen Bischof durch den "heiligen Christ" und verlegte die Beschenkung auf den 25. Dezember. Hieraus entstand die Figur des Christkinds, das den Nikolaus als Geschenkebringer mehr und mehr ablöste – auch in katholischen Gegenden. Vor allem im protestantischen Weihnachtsbrauch gab es später abermals eine Ablösung: Ab dem 19. Jahrhundert spielte dort das Christkind eine immer geringere Rolle und wurde vom säkularisierten Weihnachtsmann verdrängt. Seine Darstellung nutzt seit 1931 auch ein bekannter US-Getränkehersteller alljährlich zur Weihnachtszeit für seine Werbekampagnen. Und der Nikolaus? Das Brauchtum um den Bischof von Myra existiert nach wie vor, hat aber gegenüber früheren Zeiten massiv an Popularität eingebüßt. In den vergangenen Jahren haben deshalb kirchliche Organisationen zahlreiche Initiativen gestartet, um den Heiligen wieder ins öffentliche Gedächtnis zurückzubringen.

Von Tobias Glenz

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