Schavans Weg führt nach Rom

Die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) wird künftig Deutschland als Botschafterin beim Heiligen Stuhl vertreten. Nachdem das Kabinett die Berufung am Mittwoch bestätigte, dürfte der Ernennung durch Bundespräsident Joachim Gauck nichts mehr im Wege stehen. In der Berufung zeigt sich auch eine besondere Wertschätzung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Schavan gegenüber.

Vatikan | Berlin - 07.05.2014

Die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) wird künftig Deutschland als Botschafterin beim Heiligen Stuhl vertreten. Nachdem das Kabinett die Berufung am Mittwoch bestätigte, dürfte der Ernennung durch Bundespräsident Joachim Gauck nichts mehr im Wege stehen. In der Berufung zeigt sich auch eine besondere Wertschätzung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Schavan gegenüber.

Die CDU-Vorsitzende hatte ihre persönliche Vertraute nach der Plagiatsaffäre im vergangenen Jahr nur ungern aus dem Ministeramt entlassen. Schavan wird damit turnusgemäß zum 1. Juli die Nachfolge des bisherigen Botschafters der Bundesrepublik beim Vatikan, Reinhard Schweppe, antreten.

Er tritt mit 65 Jahren in den Ruhestand. Im Vorfeld des Berufungsverfahrens war es noch zu Irritationen gekommen, da die ehemalige Ministerin nach der Aberkennung ihrer Promotion, die sie 1980 als Abschlussarbeit ihres Studiums eingereicht hatte, nicht über einen Hochschulabschluss verfügt. Der Personalrat des Auswärtigen Amtes hatte Vorbehalte angemeldet, da der Hochschulabschluss auf dem normalen Karriereweg Zugangsvoraussetzung zum diplomatischen Dienst sei. In Regierungskreisen wies man allerdings darauf hin, dass etwa auch Rudolf Dreßler (SPD), vormals Botschafter in Israel (2001-2005), kein Akademiker gewesen sei.

Reinhard Schweppe bei seinem Antrittsbesuch als deutscher Botschafter im Vatikan am 7. November 2011 bei Papst Benedikt XVI.
Reinhard Schweppe bei seinem Antrittsbesuch als deutscher Botschafter im Vatikan am 7. November 2011 bei Papst Benedikt XVI.
 KNA

Ehrendoktortitel aus Lübeck

Schavan hat unterdessen ihre Angelegenheiten geordnet. Im Streit um den Entzug ihres Doktortitels hat sie, nachdem das Verwaltungsgericht Düsseldorf die Entscheidung der Universität bestätigte, auf Rechtsmittel verzichtet , die Täuschungsvorwürfe aber stets zurückgewiesen. Von ihrer Honorarprofessur für Katholische Theologie, die sie seit 2009 an der Freien Universität Berlin innehatte, trat sie ebenfalls zurück. Zuvor hatte sie auf ihren Posten im Hochschulrat der Universität München verzichtet. Angenommen hat Schavan hingegen unlängst die Ehrendoktorwürde der Universität Lübeck, die ihr für Verdienste um die medizinische Wissenschaft verliehen wurde.

Dass Politiker nach dem Ausscheiden aus einem hohen Staatsamt an die Vatikanbotschaft wechseln, ist nicht neu. Dasselbe tat der ehemalige Bundestagspräsidenten Philipp Jenninger, der nach einer verunglückten Parlamentsrede zurückgetreten war.

Laut Päpstlichem Jahrbuch von 2013 sind derzeit über 20 Frauen als Botschafterinnen beim Heiligen Stuhl akkreditiert, darunter die Vertreterinnen der Vereinigten Arabischen Emirate und der Europäischen Union. Am ehesten vergleichbar ist Schavan aber mit der Harvard-Juristin Mary Anne Glendon, die von 2008 bis 2009 die USA in Rom vertrat. Sie bekannte sich allerdings ausdrücklich zum konservativen Flügel der Kirche. Schavan wird hingegen der reformorientierten Strömung zugerechnet.

Die studierte Erziehungswissenschaftlerin und Theologin begann ihren Berufsweg beim bischöflichen Cusanuswerk. In die Politik holte sie die ebenfalls kirchlich engagierte CDU-Politikerin Rita Süssmuth.

Widerspruch zur Haltung des Vatikans in Sachen PID

Während ihrer steile Karriere in der Partei und in öffentlichen Ämtern bis hin zur Bundesbildungsministerin war Schavan Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) - von 1994 bis 2005 als dessen Vizepräsidentin. Wie Norbert Lammert, Bernhard Vogel oder Erwin Teufel gehört sie zur Gruppe der kirchlich engagierten Laienkatholiken in der CDU, die sich immer wieder auch zu innerkirchlichen Fragen äußern und dabei mitunter römische Positionen infrage stellen. So widersprach sie in der Debatte um die Stammzellforschung und die Präimplantationsdiagnostik (PID) der vom Vatikan empfohlenen Haltung eines klaren Neins.

Schavan kennt Rom und den Vatikan von vielen Besuchen. Sie traf unter anderem Papst Johannes Paul II. und Papst Benedikt XVI. in Audienz und kam mit hohen Kurienvertretern zusammen. Schon bald könnte Schavan nun Papst Franziskus ihr Akkreditierungsschreiben überreichen.

Von Christoph Scholz (KNA)

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