Soziallehre für die vernetzte Gesellschaft

Auf der Grundlage der katholischen Soziallehre die Herausforderungen der Digitalisierung meistern: Das ist das Ziel einer Arbeitshilfe der deutschen Bischöfe. Doch das Papier kann nur ein Anfang sein.

Bischofskonferenz | Bonn - 28.10.2016

Erstmals beschäftigen sich die deutschen Bischöfe explizit mit netzpolitischen Fragestellungen. "Medienbildung und Teilhabegerechtigkeit. Impulse der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz zu den Herausforderungen der Digitalisierung" lautet der etwas sperrige Titel der neu erschienenen Arbeitshilfe. Das Papier geht auf der Grundlage der katholischen Soziallehre Politikfelder an, die durch die umfassende Digitalisierung der Gesellschaft berührt sind. Anhand der Themen Datenschutz, Teilhabegerechtigkeit, Urheberrecht, Jugendmedienschutz und Medienbildung sowie Diskussionskultur im Netz wird ein Rahmen für die Bewertung netzpolitischer Maßnahmen geschaffen.

"Welches originäre Interesse hat die Kirche an scheinbar rein technischen Dingen wie der Digitalisierung?", fragt Bischof Gebhard Fürst, Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, in seinem Vorwort. Die Antwort liegt auf der Hand: Digitalisierung und die Chancen und Möglichkeiten der zunehmenden Vernetzung prägen die Gegenwart. Kein Feld der Gesellschaft bleibt davon unberührt – selbstverständlich nicht die Medien, aber auch die Arbeitswelt, Medizin und Pflege, demokratische Öffentlichkeit und Wissenschaft verändern sich durch die Digitalisierung. Solche Umbrüche bringen neben ungeheuren Chancen immer auch Risiken mit sich, und sei es nur das Risiko, das eigene Handeln verändern zu müssen. Bischof Fürst nennt die Frage, der sich die Kirche stellen muss, in der Seelsorge wie in der Theologie: "Wie also wird das Menschliche, das durch Christus geheiligt ist, bei diesen Umbrüchen gesichert?"

Medienbildung und Teilhabegerechtigkeit

Eine Frage, die sich der Kirche in jedem gesellschaftlichen Umbruch stellt. Im 19. Jahrhundert reagierten engagierte katholische Sozialreformer wie Adolph Kolping und Franz Hitze ebenso wie das päpstliche Lehramt auf die industrielle Revolution mit der Entwicklung der katholischen Soziallehre. Die dabei entwickelten Instrumente der Sozialprinzipien – Personalität, Solidariät, Subsidiarität – sind immer noch hilfreich, um Politik nach christlichen Grundsätzen zu gestalten.

Diese Prinzipien liegen auch dem Netzpolitik-Papier der Bischofskonferenz zugrunde, wenn auch nur ausgewählte Themenbereiche besprochen werden konnten. Die Publizistische Kommission der Bischofskonferenz beschäftigt sich mit Fragen der Öffentlichkeit und der Medien. Diese Fragestellungen sind durch die Digitalisierung mittlerweile umfassend mit anderen Politikfeldern verwoben – dennoch kann das vorliegende Papier nur ein erster Aufschlag sein. Netzpolitik als Querschnittsthema ist nicht nur ein Thema der Medienpolitik. Die Stimme der katholischen Soziallehre ist auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen notwendig: Wenn es um die Frage der Zukunft der Arbeit geht, bei der kritischen Begleitung von Weiterentwicklung in Medizin und Pflege.

Von Felix Neumann

Im Volltext: Medienbildung und Teilhabegerechtigkeit

Unter dem Titel "Medienbildung und Teilhabegerechtigkeit" veröffentlicht die Publizistische Kommission der Deutschen Bischofskonferenz heute Impulse zu den Herausforderungen der Digitalisierung. Zur Redaktionsgruppe gehörte auch katholisch.de-Redakteur Felix Neumann.

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