US-Kardinal: "Amoris laetitia" ist sehr klar

US-Kardinal Blase J. Cupich kann die Kritik an "Amoris laetitia" nicht nachvollziehen. Das Papstschreiben sei "sehr klar" und ein "Dokument des Lehramts". Deutliche Kritik äußerte Cupich an Kardinal Burke.

USA | Chicago - 25.02.2017

US-Kardinal Blase J. Cupich kann die Kritik am Papstschreiben zu Ehe und Familie nicht nachvollziehen. Er halte "Amoris laetitia" für "sehr klar" - vor allem handele es sich um ein "Dokument des Lehramts", sagte der Erzbischof von Chicago am Freitagabend dem Internetportal "Vatican Insider". Die Debatte über den Text sei jedoch insofern hilfreich, als sie dem Dokument mehr Aufmerksamkeit verschaffe. Die Zahl derer, die den Text kritisierten und sich gegen einige Passagen gewandt hätten, sei eher gering - "auch wenn diese Leute viel Lärm machen".

Vor einigen Monaten hatten vier Kardinäle den Papst schriftlich zur Klärung mehrerer "Zweifel" ("Dubia") rund um "Amoris laetitia" aufgefordert. Unter anderem geht es dabei um die Frage, ob in Einzelfällen wiederverheiratete Geschiedene unter bestimmten Voraussetzungen wieder zur Kommunion gehen dürfen. Zu den Unterzeichnern gehören die beiden deutschen Kardinäle Walter Brandmüller und Joachim Meisner. Weitere sind der frühere Erzbischof von Bologna, Carlo Caffarra, sowie der US-amerikanische Kardinal Raymond Leo Burke. Dieser hatte eine "formelle Korrektur" des Papstes angekündigt, falls Franziskus nicht auf die Fragen der Kardinäle antworte. Cupich sagte dazu, er wisse nicht, was Burke mit dieser Aussage bezwecken wolle. Es liege ganz sicher nicht in der Kompetenz eines Kardinals, den Papst zu korrigieren.

Proteste gegen US-Präsident Trump "führen zu nichts"

Mit Blick auf die anhaltenden Proteste gegen US-Präsident Donald Trump äußerte Cupich Kritik. Das Volk habe zwar das Recht, gegen politische Entscheidungen des Präsidenten zu protestieren, sagte der Erzbischof. Demonstrationen, die jedoch nur zeigten, dass "dieser rechtmäßig gewählte Präsident nicht akzeptiert wird, führen meiner Meinung nach auf lange Sicht zu nichts". Die US-amerikanischen Bischöfe hätten daher entschieden, sich generell nur zum politischen Handeln Trumps zu äußern - und nicht zu seiner Person.

Amerika brauche "Maßnahmen zum Schutz der Menschenwürde" und zur "Integration der Menschen in das wirtschaftliche Leben" des Landes, so der Kardinal. Aktuell sei es zu früh, um über Trumps Mitarbeiter-Riege zu urteilen. Man müsse abwarten, wie sie arbeiteten. Der Präsident, der bisher keine Erfahrung als Politiker habe, müsse sich noch ans Regieren gewöhnen, so Cupich. Mit Blick auf Trumps Einwanderungspolitik betonte der Kardinal: "Die Lösung ist nicht, die fernzuhalten, die seit vielen Jahren hier gelebt haben." Ganze Viertel nach Leuten ohne Ausweise zu durchsuchen, schwäche das soziale Gefüge. Viele dieser Menschen seien in Amerika geboren worden und damit Landsleute. "Wir brauchen eine systematische und keine fragmentarische Lösung", forderte Cupich. (stz/KNA)

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