Vatikan ermittelt gegen "Vatileaks"-Autoren

Der Vatikan hat Ermittlungen gegen die beiden italienischen Journalisten aufgenommen, die mit ihren Enthüllungsbüchern eine neue "Vatileaks"-Affäre losgetreten hatten. Im Visier der Ermittler stünden jedoch noch weitere Personen, heißt es vom Vatikan.

Kriminalität | Vatikanstadt - 12.11.2015

Die vatikanische Justiz hat Ermittlungen gegen die Autoren von zwei Enthüllungsbüchern über den Vatikan eingeleitet. Sie geht dem Verdacht einer "möglichen Beihilfe zur Verbreitung vertraulicher Informationen und Dokumente" durch die beiden italienischen Journalisten Gianluigi Nuzzi und Emiliano Fittipaldi nach, heißt es in einer vatikanischen Erklärung vom Mittwochabend.

Beide veröffentlichten jüngst vertrauliche Dokumente, die Misswirtschaft und Korruption im großen Umfang im Vatikan belegen. Bücher der beiden waren vor einer Woche erschienen. Die vatikanische Staatsanwaltschaft ermittelt bereits gegen einen ranghohen vatikanischen Geistlichen und eine italienische PR-Fachfrau wegen des Verdachts auf Diebstahl und Verbreitung von vertraulichen Dokumenten. Der spanische Priester Lucio Angel Vallejo Balda, Sekretär der Präfektur für die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Heiligen Stuhls, ist seit anderthalb Wochen in vatikanischer Haft. Die 33-jährige Francesca Chaouqui ist nach einer vorübergehenden Festnahme wieder auf freiem Fuß. Die vatikanische Justiz ermittelt jedoch weiter gegen sie.

Da Nuzzi und Fittipaldi italienische Staatsbürger sind, müsste der Vatikan ein Rechtshilfeersuchen an Italien stellen, um sie juristisch zu belangen. Im Juli 2013 hatte der Vatikan erstmals in seiner Geschichte ein solches Ersuchen an die italienische Justiz gerichtet. Damals ging es um Ermittlungen wegen des Verdachts auf Geldwäsche gegen einen ranghohen vatikanischen Buchhalter.

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Das System von Korruption und Vetternwirtschaft ist auch unter Papst Franziskus noch lebendig - das ist die Überzeugung des Journalisten Gianluigi Nuzzi. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin warnte jedoch davor, Nuzzis Enthüllungen überzubewerten.

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In italienischen Medien wird regelmäßig aus vertraulichen Dokumenten oder abgehörten Telefongesprächen zitiert, ohne dass dies juristische Folgen hätte. Häufig stammt das Material zudem offensichtlich aus Justizkreisen. Daher gelten die Chancen, dass die italienische Justiz ihre vatikanischen Kollegen in diesem Fall unterstützt, als gering.

Ermittler haben weitere Personen im Visier

Laut Vatikansprecher Federico Lombardi hat die vatikanische Justiz Material sichergestellt, das den Verdacht gegen Nuzzi und Fittipaldi untermauert. Im Visier der Ermittler seien noch weitere Personen, die beim Ankauf der fraglichen Dokumente mitgewirkt haben könnten. Fittipaldi äußerte sich gegenüber dem Internetportal "Vatican Insider" gelassen. Er habe nichts zu befürchten. Von einem internationalen Rechtshilfeersuchen des Vatikan sei ihm nichts bekannt.

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Gegen Francesca Chaouqui, eine der beiden Hauptverdächtigen im Skandal um die Weitergabe vatikanischer Dokumente an Journalisten, ermittelt auch die italienische Justiz. Der Vorwurf: Erpressung und der unerlaubte Zugriff auf Computer.

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Der Vatikanstaat führte den Straftatbestand der Verbreitung von vertraulichen Informationen und Dokumenten 2013 nach der sogenannten Vatileaks-Affäre im Jahr 2012 ein. Er kann mit einer mehrjährigen Haftstrafe geahndet werden. Damals hatte der Kammerdiener von Benedikt XVI. Dokumente von dessen Schreibtisch gestohlen. Veröffentlicht wurden viele der Unterlagen in einem früheren Buch Nuzzis.

Evangelisierungskongregation wehr sich gegen Vorwürfe

Der Vatikan wehrt sich nicht nur juristisch gegen die in den Büchern erhobenen Vorwürfe der Veruntreuung von Geld und Immobilienbesitz. So bezeichnete die Kongregation für die Evangelisierung der Völker italienische Medienberichte, wonach die Vatikanbehörde römische Luxuswohnungen weit unter marktüblichen Preisen an Begünstigte vermiete, als unwahr und inakzeptabel.

Die Vermietung folge italienischen Gesetzen, hieß es in einer am Mittwoch vom vatikanischen Pressedienst Fides veröffentlichten Erklärung. Ausnahmen gebe es lediglich für Menschen in Notsituationen. Für ihre Einkünfte habe die Missionskongregation im Jahr 2014 allein für Liegenschaften in Rom 2.169.200 Euro an den italienischen Fiskus gezahlt. Auf welchen Mietraum sich die Summe bezieht, teilt die Behörde nicht mit. (kim/KNA)

12.11.2015, 10:45 Uhr: Ergänzt um die Reaktion der Evangelisierungs-Kongregation.

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