Vatikan verschiebt seinen Bilanzbericht

Erstmals seit zwei Jahrzehnten hat der Vatikan bis zur Sommerpause keine Jahresbilanz vorgelegt. Das hat mit Kompetenzgerangel und der Neuordnung der Zuständigkeiten zu tun.

Finanzen | Vatikanstadt - 01.08.2016

Erstmals seit zwei Jahrzehnten hat der Vatikan bis zur Sommerpause keine Jahresbilanz vorgelegt. Vatikansprecher Greg Burke gab auf Anfrage am Montag die derzeit laufende Neuordnung der Zuständigkeiten in der vatikanischen Finanzverwaltung als Grund an. Man befinde sich in einer "Übergangsphase".

Die Zahlen für 2015 würden zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht. Eine Frist nannte er nicht. Der Vatikan strebt besonders seit dem Amtsantritt von Papst Franziskus eine größere Transparenz im Finanzbereich an.

Seit 1994 hatte der Vatikan regelmäßig im Juni, von 2001 an im Juli, einige Daten zu den Einnahmen und Ausgaben des Heiligen Stuhls und des davon getrennten Haushalts des Vatikanstaats bekanntgegeben. Früher kamen die Zahlen von der Präfektur für die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Heiligen Stuhls. Inzwischen ist dafür das 2014 errichtete Wirtschaftssekretariat zuständig, das vom australischen Kurienkardinal George Pell geleitet wird.

Strikte Trennung zwischen Verwaltung und Aufsicht

Am 10. Juli hatte Papst Franziskus mit einem Erlass eine strikte Trennung zwischen Verwaltung und Aufsicht eingeführt, wie sie in staatlichen Verwaltungen üblich ist. Für die Verwaltung der Immobilien und weiterer Vermögenswerte ist demnach künftig ausschließlich die päpstliche Güterverwaltung Apsa zuständig, für die Aufsicht das Wirtschaftssekretariat.

Diese Entscheidung steht in Zusammenhang mit einem Kompetenzgerangel zwischen den Finanz- und Wirtschaftseinrichtungen der Kirchenzentrale. In den vergangenen Monaten hatte es wachsende Uneinigkeiten über die Befugnisse des Wirtschaftssekretariats bei der Haushaltsprüfung der unterschiedlichen vatikanischen Behörden gegeben. (KNA)

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