Vatikankenner Politi: In der Kirche herrscht Krieg

Derzeit herrsche in der Kirche ein "Bürgerkrieg", sagt Vatikanexperte Marco Politi. Papst Franziskus stehe dabei stets zwischen den Fronten. Doch diese verliefen längst nicht immer eindeutig.

Kirche | Berlin - 13.06.2018

Nach den Worten von Papstbiograf Marco Politi steht die katholische Kirche derzeit im Krieg mit sich selbst. "Im Moment herrscht in der Kirche ein Bürgerkrieg im Untergrund zwischen den Reformfreudigen und den Konservativen", sagte Politi der "Zeit"-Beilage "Christ & Welt" (Donnerstag) mit Blick auf das Vorgehen von Papst Franziskus in der Frage des Kommunionempfangs für nicht katholische Ehepartner. Der Konflikt reiche weit über Deutschland hinaus; der Vatikan habe Angst vor einer Spaltung. "Das ist seine größte Angst."

Papst Franziskus stehe in der zweiten Halbzeit seines Pontifikats unter dem Druck der konservativen Kräfte, so der Journalist und Buchautor. "Deshalb macht der Papst jetzt einen Schritt vorwärts und einen zurück." Franziskus spüre, dass er auf Weltebene nicht genügend Bischöfe für eine generelle Reformlinie hinter sich habe. Das sei anders als in den 60er Jahren in der Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils: Damals sei die Mehrheit der Bischöfe weltweit für Veränderung gewesen.

Politi betonte, es gebe bei dem innerkirchlichen Konflikt keine klaren Fronten. Unter den bremsenden Kräften seien nicht nur Hardliner, sondern auch Ängstliche und Bischöfe mit Gewissenskonflikten. Zudem gebe es Bischöfe und Kardinäle, die je nach Thema mal auf der einen und mal auf der anderen Seite stünden.

Hintertür im Kommunionstreit?

In der vergangenen Woche hatte der Papst überraschend das Vorhaben der Deutschen Bischofskonferenz gestoppt, die Kommunion auch für protestantische Ehepartner zu öffnen. Diese Wendung sei nicht gegen den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, gerichtet, so Politi. Es zeige die Sorge des Papstes über die weltkirchliche Situation.

Mit Blick auf die Frage des Kommunionempfangs betonte der Vatikanexperte, der Papst habe sich in dem Brief an die deutschen Bischöfe eine Hintertür offengelassen. Über das Vorhandensein einer schweren Notlage, die auch Nicht-Katholiken den Zugang zur Kommunion ermöglicht, solle der Ortsbischof entscheiden. Damit lasse er den Bischöfen die Möglichkeit, sich seelsorgerisch offen zu entscheiden.

Politi arbeitet als Journalist und Buchautor in Rom. Zuletzt veröffentlichte er die Biografie "Franziskus unter Wölfen: Der Papst und seine Feinde". (KNA)

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