"Wann darf das Evangelium wieder frei verkündet werden?"

Das Treffen zwischen Donald Trump und Kim Jong Un war zweifelsohne ein historisches Ereignis. Doch in den Augen verschiedender Kirchenvertreter ist noch lange nicht alles Gold, was glänzt.

Politik | Rom - 12.06.2018

Kirchenvertreter bewerten das Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un vorsichtig optimistisch. Der Nuntius in Südkorea und der Mongolei, Erzbischof Alfred Xuereb, sprach von einem "sehr positiven Anfang". Mit der Begegnung sei "eine sehr wichtige Seite geschrieben worden, die den Beginn eines noch langen und schwierigen Weges markiere", erklärte Xuereb am Dienstag laut dem Portal Vatican News.

"Wir sind von starken Erklärungen wie 'Feuer und Zorn' oder 'Verwüstung Nordkoreas' zu Worten von Frieden und Eintracht übergegangen, begrüßte der maltesische Geistliche. Dieser "positive Beginn" sei Anlass zu Hoffnung. Zugleich erinnerte er an die seit 23 Jahren laufenden wöchentlichen Friedensgebete im südkoreanischen Seoul.

Wo bleibt das Recht auf freie Religionsausübung?

Auch der Chef der Missionsbenediktiner von Sankt Ottilien, Jeremias Schröder, äußerte sich zum Treffen zwischen Trump und Kim. Der Gipfel bringe Nordkorea einen "wichtigen Prestigegewinn und trägt zur Stabilisierung der Lage auf der Halbinsel bei", sagte der Abtpräses am Dienstag im "Münchner Kirchenradio". Sollten jetzt die Atomwaffen entfernt werden, wäre dies ein Durchbruch, auch wenn eine Wiedervereinigung noch in weiter Ferne sei.

Schröder hofft, dass sich aus dieser Position der Stärke heraus in Nordkorea das "Regime öffnen kann". Vielleicht würden dann bürgerliche Freiheitsrechte wie das zur Religionsausübung wiederhergestellt. Die wichtigste Frage sei, wann in dem kommunistischen Land das Evangelium wieder frei verkündet werden dürfe. Sollte für seinen Orden eine Rückkehr nach Nordkorea möglich sein, "sind wir bereit".

Beneditkiner Jeremias Schröder, Abtpräses der Erzabtei Sankt Ottilien.
Beneditkiner Jeremias Schröder, Abtpräses der Erzabtei Sankt Ottilien.
 KNA

Der südkoreanische katholische Bischof Lazarus You Heung-sik nannte das Treffen einen weiteren Schritt in Richtung Frieden. Er habe während des Gipfels am Dienstag in Singapur gebetet und die beiden Politiker gesegnet, berichtete er dem Pressedienst Fides (Dienstag). Zugleich habe er sich an die traurigen Jahre des Krieges in Korea erinnert. "Ich dachte an die Millionen Menschen, die dramatisch erleben, wie ihre Familien durch die Grenze geteilt sind. Heute gibt es neue Hoffnung", sagte er.

Die von dem Gipfel ausgehenden Zeichen seien "sehr ermutigend", so der Bischof von Daejeon, der ausdrücklich auch das Engagement von Südkoreas Präsidenten Moon Jae-in für Frieden und Entspannung auf der koreanischen Halbinsel würdigte.

"Nach den Absichtserklärungen und mündlichen Zusagen warten wir nun auf die Umsetzung", sagte You. Es gelte, einen Weg der Vergebung und Versöhnung einzuschlagen. "Vergebung ist der richtige Weg. Das ist unsere Hoffnung und unser Wunsch für Koreas Zukunft", betonte der Bischof. Von 17. bis 25. Juni lädt die katholische Kirche in Korea zu einer neuerlichen Gebetsnovene für Frieden, Versöhnung und Einheit auf der koreanischen Halbinsel.

Signal für Abbau nuklearer und konventioneller Waffen weltweit

Trump und Kim verpflichteten sich in ihrer am Dienstag in Singapur geschlossenen Vereinbarung zum Aufbau neuer Beziehungen und zur Schaffung einer stabilen Friedensordnung auf der koreanischen Halbinsel. Kim bekräftigte, den Entnuklearisierungsprozess abschließen zu wollen; Trump versprach im Gegenzug Sicherheitsgarantien.

Die katholische Gemeinschaft Sant'Egidio, die sich international für Friedensarbeit einsetzt, begrüßte die Vereinbarung. Die Entscheidung für eine atomare Abrüstung Nordkoreas lasse auf ein Ende des "schwer lastenden Erbes des Kalten Krieges" hoffen, erklärte die Gemeinschaft in Rom. Darüber hinaus sei dies ein Signal für einen Abbau nuklearer und konventioneller Waffen weltweit.

Sant'Egidio äußerte auch Hoffnung auf Verbesserungen für die Menschen in Nordkorea. Die Vereinbarung zwischen Trump und Kim solle für die Entwicklung und ein Ende vieler Probleme von Nutzen sein, unter denen vor allem die schwächsten Bevölkerungsgruppen litten. Die Gemeinschaft verwies dabei auf eigene Initiativen für humanitäre und medizinische Hilfe für Nordkorea. (tmg/KNA)

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