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Wegweisend und lesenswert

Die Papst Benedikt XVI.-Stiftung veranstaltet in Berlin ein Symposium über die Papstreden Benedikts zur Politik. Katholisch.de empfiehlt die Lektüre einiger Texte des emeritierten Papstes zu dem Themenkomplex.

Papst | Bonn - 26.11.2015

Vier Jahre nach seiner Rede im Bundestag dreht sich im Reichstagsgebäude erneut eine Veranstaltung um den emeritierten Papst Benedikt XVI. (2005-2013). Am Mittwochabend eröffnete die Papst Benedikt XVI.-Stiftung dort ein Symposium über die reden Benedikts zur Politik.

Hauptsächlich geht es bei der Veranstaltung am Donnerstag um die Bundestagsrede vom 22. September 2011, eine der bedeutendsten Ansprachen seines Pontifikats (siehe unten). Katholisch.de empfiehlt zusätzlich noch die Lektüre einiger weiterer Reden und Lehrschreiben Benedikts XVI. zum Themenkomplex Vernunft, Glaube, Gesellschaft und Politik:

Regensburger Rede

12. September 2006: Der Vortrag "Glaube, Vernunft und Universität. Erinnerungen und Reflexionen" in der Regensburger Universität löste einen mehrwöchigen weltweiten Disput aus. Muslime sahen durch ein historisches Zitat den Propheten Mohammed beleidigt. Letztendlich trug die Regensburger Rede aber zu einem vertieften Dialog mit dem Islam bei und wurde von den Rhetorikern der Universität Tübingen zur "Rede des Jahres 2006" erkoren, die eine Antwort auf die Frage nach dem richtigen Umgang mit religiösen Fundamentalismen formuliere.

Ansprache vor der UN-Vollversammlung

Während seines Besuches in den USA hielt der Papst aus Deutschland am 18. April 2008 eine Rede vor den Vereinten Nationen in New York. Er würdigte die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die "verschiedenen Kulturen, juristischen Ausdrucksweisen und institutionellen Modellen" erlaubt habe, "rund um einen grundlegenden Kern von Werten und damit von Rechten übereinzukommen". Neben der Forderung nach einer Stärkung der Menschenrechte war der Appell für mehr vorbeugende Konfliktlösung ein Schwerpunkt der Rede. Der Papst verurteilte dabei Alleingänge einzelner Staaten.

Papst Benedikt XVI. sitzt am Schreibtisch.
Papst Benedikt XVI. sitzt am Schreibtisch.  KNA

"Caritas in veritate" (2009)

Zugegeben, eine Enzyklika mit rund 150 Seiten ist eher ein Lektüretipp für den Nachttisch und nicht für zwischendurch. Aber sie gehört hierher: Als Sozialenzyklika ist das Lehrschreiben naturgemäß politisch, behandelt die Finanzkrise, die Globalisierung, die Umwelt und das Klima. Thema der Enzyklika mit dem übersetzten Titel "Die Liebe in der Wahrheit" ist die Bedeutung der in der Wahrheit verankerten Liebe für das gesamte gesellschaftliche Handeln. Angesichts der globalen Wirtschaftskrise schlägt Benedikt XVI. die Gründung einer weltweiten Steuerungsinstanz vor. Selbst Bankvorstände würdigten das Grundsatzdokument als wegweisend.

Ansprache in der Westminster Hall

Am 17. September 2010 sprach Benedikt XVI. bei einer Begegnung mit Vertretern der Politik und Zivilgesellschaft Großbritanniens in der Westminster Hall. Zum wiederholten Mal war das Verhältnis von Glaube und Vernunft (insbesondere im öffentlichen Raum) sein Thema. Historische Bedeutung erlangte die Papstrede, weil Benedikt XVI. die parlamentarische Regierungsform positiv würdigte.

Bundestagsrede

Es war eine wegweisende und grundsatzpolitische Rede, die Benedikt XVI. am 22. September 2011 vor dem Bundestag seiner Heimat Deutschland hielt. Es ging - Stichwort Rechtspositivismus - um die Frage, wie die Politik "zwischen Gut und Böse, zwischen wahrem Recht und Scheinrecht unterscheiden" könne. Als er die Bedeutung des Umweltschutzes erwähnte, betonte der Papst zugleich auch die "Ökologie des Menschen", eine Natur, die der Mensch nicht beliebig manipulieren könne.

Hintergrund: Das Symposium

Die Jahrestagung der Joseph Ratzinger Papst-Benedikt-Stiftung findet am 25. und 26. November in Berlin statt. Das Symposium mit dem Titel "Hoffnung und Auftrag. Die Reden von Benedikt XVI. zur Politik" startete am Mittwochabend im Reichstag mit Erzbischof Georg Gänswein, Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer (CSU) und Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU). Benedikts Privatsekretär Gänswein stellte dessen großen gesellschaftspolitischen Grundthemen als Papst vor. Am Donnerstag diskutieren Wissenschaftler einige Aspekte aus den politischen Papstreden Benedikts.

Von Agathe Lukassek

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