Finanzen

Wer hat wie viel

Diözesen legen Finanzen der Bischöflichen Stühle offen

Bonn - 06.11.2013

Im Zusammenhang mit der Baukostenexplosion des Diözesanen Zentrums im Bistum Limburg ist eine generelle Diskussion über die kirchlichen Finanzen entbrannt. Während der reguläre Bistumsetat bereits vorher weitestgehend transparent war, legen jetzt immer mehr katholische Diözesen in Deutschland auch die Finanzen des Bischöflichen Stuhls offen. Das sind die bislang vorliegenden Zahlen im Überblick:

Erzbistum Bamberg

Nach Angaben des Erzbistums Bamberg beträgt das Gesamtvermögen des Bischöflichen Stuhls rund 1,5 Millionen Euro. Dabei handele es sich um Finanzanlagen wie Wertpapiere und Konten. Das Diözesanvermögen gehöre in Bamberg jedoch nicht zum Bischöflichen Stuhl, sondern werde separat ausgewiesen. Eine Summe dazu sei bisher noch nicht bekannt.

Erzbistum Berlin

Der Berliner Erzbischöfliche Stuhl verfügt nach Angaben des Erzbistums nicht über "Reichtümer". Der Rechtsträger sei in einzelnen Fällen als Eigentümer von Liegenschaften eingetragen, so Bistumssprecher Stefan Förner. Einen eigenen Haushalt oder eine eigene interne Abrechnung gebe es jedoch nicht. Diese Liegenschaften würden wie andere des Erzbistums, etwa Schulen oder Kirchen, behandelt.

Erzbistum Hamburg

Laut Erzbistum Hamburg betragen die Gesamtrücklagen des Bischöflichen Stuhls 35 Millionen Euro. Darin enthalten seien Beteiligungen an drei katholischen Krankenhäusern sowie zweckgebundene Rücklagen für fünf Einrichtungen, deren Träger die Erzdiözese Hamburg ist. Es bleibe eine frei verfügbare Rücklage von 7,5 Millionen Euro, sagte der Sprecher. Ihr aber stünden wiederum Kreditverbindlichkeiten in Höhe von 8,2 Millionen Euro für die genannten fünf Einrichtungen gegenüber.

Erzbistum Köln

Der Erzbischöfliche Stuhl in Köln umfasste Ende 2012 ein Vermögen von 166,2 Millionen Euro. Davon sind nach Angaben der Erzdiözese 15,4 Millionen Euro Beteiligungen im Bereich der Wohnungswirtschaft, der übrige Teil Immobilien. Aus diesem Vermögen wurden im Jahr 2012 knapp 9,6 Millionen Erträge erzielt. Die Erträge seien wie in den Vorjahren in den Bistumshaushalt eingeflossen und dort ausgewiesen, teilte die Pressestelle mit.

Erzbistum München-Freising

Nach Angaben des Pressesprechers des Erzbistums, Bernhard Kellner, lag die Bilanzsumme des Bischöflichen Stuhls Ende 2012 bei 27,6 Millionen Euro. Darin seien alle Werte wie Immobilien und Geldvermögen enthalten.

Bistum Aachen

Des Bischöfliche Stuhl in Aachen verfügt nach Darstellung des Bistums über ein Eigenkapital von 8,2 Millionen Euro. Der Jahresabschluss werde von einer externen Prüfungsgesellschaft geprüft und testiert, heißt es. Über die Verwendung der Mittel entscheide der Vermögensverwaltungsrat. Der Bischof von Aachen sei an die Entscheidung des Vermögensverwaltungsrates gebunden.

Bistum Essen

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck will künftig neben dem Bistumshaushalt auch das Vermögen des Bischöflichen Stuhls zu Essen offenlegen und extern prüfen lassen. Nach Bistumsangaben umfasst der Bischöfliche Stuhl zu Essen derzeit Vermögenswerte in Höhe von 2,2 Millionen Euro. Davon könne der Bischof lediglich über knapp ein Zehntel frei verfügen. Die übrigen 2,02 Millionen Euro stammten aus zwei Erbschaften und seien Teil zweier Sondervermögen, die ausschließlich zur Ausbildung von Kirchenpersonal zur Verfügung stünden.

Bistum Mainz

Zum "Bischöfliche Stuhl" Mainz gehört nach Angaben des Bistums kein Geldvermögen, sondern nur "einige wenige" Grundstücke sowie eine Beteiligung am Gemeinnützigen Siedlungswerk (GSW). Erträge aus dieser Beteiligung fließen demnach direkt in den Haushalt des Bistums.

Bistum Münster

Nach Angaben des Münsteraner Generalvikars Norbert Kleyboldt kalkuliert der Haushalt des Bischöflichen Stuhls in diesem und im kommenden Jahr mit einem Volumen von rund 1 Million Euro. Der Bischöfliche Stuhl habe lediglich ein Geldvermögen von rund 2,37 Millionen Euro. Daneben ist der Bischöfliche Stuhl auch Eigentümer von Immobilien. Hierbei handelt es sich aber laut Kleyboldt nicht um Immobilien, die als Geldanlage gesehen werden könnten, sondern für dienstliche Zwecke des Bistums verwendet werden.

Bistum Osnabrück

Die Gesamtbilanzsumme des Bischöflichen Stuhls beträgt derzeit 109,7 Millionen Euro, wie der Finanzdirektor der Diözese, Joachim Schnieders, erläuterte. Davon entfielen 36,6 Millionen Euro auf das Stammvermögen des Bistums, das direkt vom Generalvikariat verwaltet werde. Allein 89,1 Millionen Euro seien in Sachanlagen wie Gebäuden und Grundstücken gebunden. Die Höhe der Finanzanlagen und Beteiligungen beträgt demnach 6,6 Millionen Euro. 7,6 Millionen Euro seien liquide Rücklagen, weitere rund 6 Millionen Euro ausstehende Forderungen etwa an Krankenkassen, so Schnieders.

Bistum Speyer

Nach Angaben von Bischof Karl-Heinz Wiesemann hat der Bischöfliche Stuhl im Bistum Speyer ein Vermögen in Höhe von rund 46,5 Millionen Euro. Es handele sich aber um ein langfristig angelegtes Stammvermögen, das nicht angetastet werde. "Nur die Erträge werden verwendet, und zwar für kirchliche, mildtätige und caritative Zwecke", so das Bistum.

Bistum Trier

Das Vermögen des Bischöflichen Stuhls in Trier besteht nach Angaben des Bistums aus "Kapitalanlagen, Darlehensforderungen und Liquidität" mit einem Bilanzwert von rund 84 Millionen Euro. Zusätzlich gehörten 38 Immobilien dazu: 14 Wohnhäuser sowie 24 kirchliche Gebäude wie Bildungshäuser, Schulen und Verwaltungsgebäude. Für die Immobilien gebe es keine "aktuelle Marktbewertung".

Bistum Würzburg

Das Finanzanlagevermögen beträgt den Angaben zufolge 271 Millionen Euro, über die der Bischöfliche Stuhl aber nicht frei verfügen kann. Aus diesem Vermögen erzielte die Körperschaft in den Jahren 2009 bis 2012 einen durchschnittlichen Ertrag von 10,6 Millionen Euro. Fast die Hälfte davon, 5 Millionen Euro, floss in die Altersvorsorge der Priester. Weitere Ausgaben wurden getätigt etwa für die Instandhaltung und Restaurierung von Immobilien sowie für soziale Zwecke. Dem Bischöflichen Stuhl gehören zahlreiche Immobilien wie das Verwaltungsgebäude des Ordinariats, Wohnimmobilien und landwirtschaftliche Flächen.

Bistum Fulda

Der Bischöfliche Stuhl im Bistum Fulda umfasst ein liquides Vermögen in Höhe von 5,3 Millionen Euro. Aus Erbbaurechten, Vermietungen und Verpachtungen fließen den Angaben zufolge aus dem Bischöflichen Stuhl jährlich rund 1,1 Millionen Euro in den Bistumshaushalt. Das Vermögen des Bistums und des Bischöflichen Stuhls werden zusammen verwaltet. Der Bischöfliche Stuhl umfasst zudem Beteiligungen am Gemeinnützigen Siedlungswerk Frankfurt, am Siedlungswerk Fulda sowie am Weltbild-Verlag.

Bistum Eichstätt

Im Bistum Eichstätt setzt sich der Bischöfliche Stuhl zusammen aus Anlagekapital in Höhe von 4,4 Millionen Euro sowie dem vor zwei Jahren vom Staat übernommenen Bischofshaus (Schönborn-Palais). Vor vier Jahren war das Vermögen des Bischöflichen Stuhls in Eichstätt noch viel größer. Schenkungen, Spenden und Erbschaften hatten das Volumen im Laufe der Jahrzehnte auf knapp 25 Millionen Euro anwachsen lassen. Davon überführte Bischof Hanke 20 Millionen Euro als Grundkapital in die Willibald-Stiftung. Die Erträge aus diesem nicht veräußerbaren Kapital dienten kirchlichen, sozialen und kulturellen Zwecken. (bod/KNA)

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