"Wir sind kein Vorzeigepaar"

Auf der Synode im Herbst werden nicht nur Bischöfe und Kardinäle über das Thema Ehe und Familie diskutieren. Auch das deutsche Ehepaar Petra und Aloys Buch ist mit dabei. Im Interview verraten sie, was sie zur Synode beitragen wollen.

Familiensynode | Korschenbroich - 15.09.2015

Gescheiterte Ehen, Freud' und Streit mit Kindern, Probleme von Familien, Weitergabe des Glaubens - jede Menge Kardinäle und Bischöfe und zerbrechen sich bei der Synode darüber den Kopf. Als Gasthörer sollen auch einige Laien von ihren Erfahrungen berichten - unter anderem Petra und Aloys Buch aus dem niederrheinischen Korschenbroich. Was die beiden beisteuern wollen, verraten sie im Interview.

Frage: Frau Buch, Herr Buch, in Deutschland leben rund 24 Millionen Katholiken. Warum wurden gerade Sie beide für die Familiensynode ausgeguckt?

Petra Buch: Das wissen wir nicht und wir spekulieren auch nicht - keine Ahnung, warum gerade wir.

Frage: Sind Sie ein Vorzeigepaar?

Aloys Buch: Mit Sicherheit nicht. Und wir sind auch nicht durch besondere Angepasstheit oder durch überzogene Kritik aufgefallen. Wir wissen es wirklich nicht.

Frage: Wie sieht während der dreiwöchigen Synode ein normaler Arbeitstag für Sie beide aus?

Petra Buch: Wie bei allen Synoden gibt es Vollversammlungen und verschiedene Arbeitsgruppen. Unsere Aufgabe ist es, zuzuhören und etwas aus unserer Erfahrung einzubringen.

Frage: Was würden Sie denn gerne beisteuern?

Aloys Buch: In unserem Lebensumfeld bekommen wir hautnah mit, wie schwierig es ist, Familie angesichts von Sorgen, Armut, Krankheit zusammenzuhalten - besonders wenn Familienmitglieder in alle Richtungen versprengt leben. Außerdem erleben wir ganz besondere Problemsituationen, etwa wie sehr Menschen darunter leiden, wenn ihre Ehe nicht so verläuft wie erhofft. Als Christen versuchen viele auch dann, ihre Zugehörigkeit zur Kirche lebendig zu halten und sie wollen entsprechend ernstgenommen werden.

Abtpräses Jeremias Schröder nimmt an Familiensynode teil

Jeremias Schröder ist Abtpräses der Benediktinerkongregation von St. Ottilien. Im Oktober nimmt er an der Familiensynode teil. Mit katholisch.de spricht er über die besondere Perspektive, die Ordensleute wie er dort einbringen können und über die Wahrnehmung der deutschen Kirche im Ausland.

Zum Interview

Frage: Der Umgang mit kirchlich getrauten Katholiken, die nach einer Scheidung erneut auf dem Standesamt heiraten, könnte eines der heißen Eisen der Synode werden. Nach offizieller Lehre dürfen sie nicht mehr die Kommunion empfangen...

Aloys Buch: Wir sehen immer wieder, wie sehr solche Menschen im Einzelfall geradezu darum kämpfen, dass ihr religiöses Leben mit der Kirche gut weitergehen kann. Das ist beeindruckend. Und es ist wichtig, dass man ihnen gegenüber Achtsamkeit und Wertschätzung sehr deutlich zeigt.

Frage: Woran denken Sie konkret?

Aloys Buch: Wenn Menschen sagen "Meine erste Ehe war gültig, sie soll nicht für null und nichtig erklärt werden, aber ich kann an der jetzigen Situation nichts ändern" - dann ist das eine beachtliche Aussage. Und oft wollen sie trotzdem weiter in unserer Kirche und mit ihren Sakramenten leben, ganz versöhnt. Das ist doch auch ein Glaubenszeugnis von wiederverheirateten Geschiedenen, das ernst genommen werden sollte.

Frage: In der theologischen Debatte läuft diese Position unter dem Schlagwort "Barmherzigkeit". Sehen Sie das als Gegensatz zur "reinen Lehre" von der Unauflöslichkeit der Ehe?

Petra Buch: Das sind sehr theologische Fragen. Wir wollen während der Synode die Argumente für die unterschiedlichen Positionen hören und uns nicht schon vorab Richtungen zuordnen lassen. Also: offen bleiben, unvoreingenommen und nicht vereinnahmt.

Frage: Sie haben drei erwachsene Kinder, fünf Enkel und eine Menge Lebenserfahrung. War und ist Ihnen die kirchliche Lehre eine Hilfe?

Petra Buch: Vor allem als Lebensmodell. Wenn die Kinder klein sind, unterstützen sich Kirche und Familie gegenseitig - im Kindergarten, in Messdienergruppen, im Religionsunterricht. Aber im Studium bricht der Kontakt zur Kirche oft ab. Dann haben die jungen Leute es schwer, in einer neuen Gemeinde Fuß zu fassen.

Aloys Buch hält die Einladung des Vatikans hoch. Der Theologe und seine Frau Petra, eine in der diözesanen Familienarbeit engagierte Studienrätin, nehmen als Gasthörer (Auditoren) an der Familiensynode im Oktober 2015 in Rom teil.
 KNA

Frage: Nochmals nachgefragt: Ist die kirchliche Lehre von der Ehe für Sie eine Hilfe? Etwa die Aspekte Ehe als Sakrament, Bindung auf Lebenszeit, sogenannte natürliche Verhütung, kein Sex vor der Ehe...

Aloys Buch: Dass wir vor dem Altar Ja gesagt haben, ist für unsere gesamte Ehe von Bedeutung. Das gilt auch bei Auseinandersetzungen in der Familie. Wir bleiben auf Verlässlichkeit und Gottvertrauen angewiesen, und für beides hilft die Erinnerung an unser Versprechen. Ohne den Segen Gottes geht es nicht. Darum beten wir auch.

Frage: Worin sehen Sie den Unterschied, ob jemand ein Versprechen auf Lebenszeit gibt oder auf Zeit - nach dem Motto "Wir schauen mal, wie lange die Liebe hält"?

Petra Buch: Wer nur auf Zeit eine Bindung will, geht in der Regel nicht zum Traualtar. Ein lebenslanges Versprechen ist einfach etwas anderes! Das drückt eine tiefere Gemeinsamkeit aus und zielt auf einen Lebensentwurf, wofür man ausdrücklich Gottes Segen erbittet.

Frage: Trotzdem scheitern auch Ehen, die vor dem Altar geschlossen wurden.

Aloys Buch: Das ist unbestreitbar. Dafür gibt es vielerlei Ursachen, aber einfache Erklärungen sind kaum möglich. "Bis der Tod euch scheidet" ist eine wunderbare und wichtige Zusage. Aber zunehmend ist das auch eine große Herausforderung in einer mobilen Gesellschaft, in der vieles jeden Tag neu und ganz kurzfristig entschieden wird.

Frage: Schon in der Trauformel ist von "guten wie schweren Tagen" die Rede...

Petra Buch: Vielleicht sind zu oft nur die guten Zeiten im Blick. Trotz vieler Hilfsangebote müssen Paare und Familien die schweren Zeiten und schwierigen Phasen zumeist mit sich selbst ausmachen.

Frage: Die Synode beschäftigt sich mit dem Thema Ehe und Familie. Geraten dadurch Menschen aus dem Blick, die bewusst etwa als Single leben?

Aloys Buch: Das denke ich nicht. Aber eine Familien-Synode kann das christliche Familienmodell als Angebot neu ins Spiel bringen. So könnte moderne Verkündigung aussehen: nicht gegen andere Lebensformen reden, vielmehr die Möglichkeiten christlicher Ehe und Familie aufzeigen, die gerade auch im Fall des Scheiterns noch einen Unterschied machen.

Dass wir vor dem Altar Ja gesagt haben, ist für unsere gesamte Ehe von Bedeutung.

Aloys Buch

Frage: Sehen Ihre erwachsenen Kinder das Thema christliche Ehe ähnlich positiv wie Sie?

Petra Buch: Das können nur sie selbst beantworten.

Frage: Als Eltern wissen Sie das doch.

Aloys Buch: Wir wissen um Schattierungen von Kirchennähe, von kritischen Zugängen zum Glauben auch bei unseren Kindern. Aber dass Glaube bedeutsam sein kann, ist unseren Kindern ganz vertraut.

Frage: Mit welchem Gefühl werden Sie in der Synodenaula sitzen - als einziges deutsches Ehepaar unter so vielen Kardinälen und Bischöfen?

Aloys Buch: Das wird sich sehr schnell als ziemlich unkompliziert herausstellen. Da sind wir sehr optimistisch.

Frage: Und der Papst? Mal angenommen, Papst Franziskus würde Sie bei Seite nehmen und direkt ansprechen - was sagen Sie ihm mit Blick auf Ehe und Familie?

Petra Buch: Dass ich sehr froh bin, dass er diesen offenen Prozess überhaupt angestoßen hat. Das ist für mich das Bemerkenswerteste an der Synode: der Versuch, durch Umfragen und breite Beteiligung Erfahrungen der Menschen einfließen zu lassen.

Aloys Buch: Nach der ersten Überraschung würde ich ihm vielleicht sagen: Ich wünsche Ihnen, dass Sie im Vertrauen auf den Heiligen Geist die Kraft behalten und dass Sie mutig weitergehen - auch in den schwierigen Fragen.

Vollständige Teilnehmerliste zur Familiensynode veröffentlicht

Papst Franziskus hat die deutschsprachigen Kardinäle Walter Kasper und Christoph Schönborn zu Teilnehmern der Familiensynode im Oktober ernannt. Der Vatikan veröffentlichte am Dienstag die vollständige Liste der Synodalen mit insgesamt rund 400 Kardinälen, Erzbischöfen und Bischöfen, Klerikern, Ordensleuten und Laien. Unter den 45 vom Papst persönlich bestimmten Teilnehmern sind allein zehn von ihm selbst ernannte Kardinäle. Anders als bei der Vorgängersynode 2014 sind die einzelnen Länder der Weltkirche entsprechend der Zahl ihrer Katholiken mit bis zu vier Bischöfen vertreten. Deren Namen hatte der Vatikan bereits veröffentlicht. Aus Deutschland kommen der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Reinhard Marx, Erzbischof Heiner Koch (Berlin) und Bischof Franz-Joseph Bode (Osnabrück) nach Rom. Die Synode tagt vom 4. bis 25 Oktober. (KNA)

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Von Thomas Winkel (KNA)

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