Zukunft von Priester nach Affäre mit Flüchtling offen

Seit 2015 hat sich der Priester in der Flüchtlingshilfe engagiert. Dabei kam es auch zu Intimitäten mit einem 23-jährigen Syrer. Letzterer ist mittlerweile verstorben - und die Zukunft des Pfarrers unklar.

Bistum Trier | Trier - 05.12.2017

Die berufliche Zukunft eines katholischen Priesters aus dem Bistum Trier ist nach dem Bekanntwerden eines sexuellen Verhältnisses zu einem mittlerweile verstorbenen Flüchtling offen. Der 52-jährige Geistliche sei seit Anfang Dezember in stationärer Therapie, teilte das Bistum am Dienstag mit. Bischof Stephan Ackermann habe den angebotenen Verzicht des Priesters auf seine Pfarrerstelle in der Pfarreiengemeinschaft Kirn (Dekanat Bad Kreuznach) angenommen und werde mit ihm nach Ende der Therapie über seinen künftigen Einsatzort sprechen. Der aus Syrien stammende Flüchtling hatte sich im Dezember 2016 das Leben genommen.

Am Wochenende äußerte sich der Geistliche erstmals öffentlich zu dem Vorfall. Seit 2015 habe er sich in der Flüchtlingshilfe engagiert, schrieb der Priester in einem Pfarrbrief: "In besonderer Weise hat damals ein 23-jähriger Mann aus Syrien, der durch seine Erfahrung von Krieg und Vertreibung schwer traumatisiert war, meine Hilfe und auch den persönlichen Kontakt zu mir gesucht. Hier hat sich schließlich eine auch körperliche Intimität ergeben, die dieser Situation nicht angemessen war." Er habe "die Distanz, die meine Rolle als Begleiter eines geflüchteten Menschen und auch meine Rolle als Priester geboten hätte, nicht gewahrt". Dadurch habe er das Vertrauensverhältnis "in nicht angemessener Weise ausgenutzt".

Keine Anhaltspunkte für strafrechtlich relevantes Verhalten

Der Bad Kreuznacher Leitende Oberstaatsanwalt Michael Brandt sagte auf Anfrage, der Suizid lasse sich nicht auf das Verhältnis zu dem Geistlichen zurückführen. "Der Flüchtling war sicherlich schwer traumatisiert", so Brandt. Der Syrer habe den Priester zwar angezeigt, weil er sich wegen des sexuellen Kontakts ausgenutzt gefühlt habe. Einen Abschiedsbrief mit möglichen Vorwürfen habe es aber nicht gegeben. Man könne nicht von Gewalt des Priesters oder vom möglichen Ausnutzen eines Abhängigkeitsverhältnisses sprechen. "Es gab keine Anhaltspunkte für strafrechtlich relevantes Verhalten", so Brandt.

Der Geistliche zeigte sich vom Suizid des Syrers betroffen. Es gebe wohl keinen direkten Zusammenhang zwischen ihrem Kontakt und dem Suizid; "die Gründe sind vermutlich in seiner Traumatisierung zu suchen", heißt es in der Erklärung. "Dennoch bedauere und bereue ich das Vorgefallene zutiefst." (KNA)

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