Mit vereinten Kräften

Gemeinsame Gottesdienste katholischer, evangelischer und orthodoxer Christen sind keine Seltenheit mehr. Auch darüber hinaus gibt es zahlreiche gemeinsame Aktionen und Projekte.

Dossier: Ökumene | Bonn - 15.08.2013

Gemeinsame Gottesdienste katholischer, evangelischer und orthodoxer Christen sind heute keine Seltenheit mehr. Mittlerweile gibt es darüber hinaus zahlreiche gemeinsame Aktionen und Projekte, die von Menschen unterschiedlicher christlicher Konfessionen ins Leben gerufen wurden.

Die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland ist ein ökumenischer Zusammenschluss aus zurzeit 17 Mitgliedskirchen - unter ihnen auch die römisch-katholische und die evangelische Kirche in Deutschland - sowie vier Gastmitgliedskirchen. Verschiedene Aktionen, etwa die Ökumenische Friedensdekade oder die Gebetswoche für die Einheit der Christen gehören ebenso zu den Tätigkeitsfeldern wie die Mitarbeit bei Kirchentagen.

An der Ausschreibung des Ökumene-Preises der ACK im Jahr 2013 bewarben sich die unterschiedlichsten kirchlichen Einrichtungen und Initiativen. Jedes der 90 Projekte zeigt, wie lebendig und breit gefächert das ökumenische Engagement in Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen ist. Den ersten Preis erhielt die ACK Göttingen für ihr Projekt "Göttinger Psalter".

Das ökumenische Projekt stellte die 150 Psalmen der Bibel als gemeinsame Basis der Kirchen und als Bindeglied zwischen Juden und Christen in den Mittelpunkt. Über ein Jahr lang gab es rund 400 Veranstaltungen: von Predigten, Vorträgen und Konzerten bis zu einer Internationalen Lesenacht mit allen 150 Psalmen und einer Psalmenwallfahrt zu sechs Kirchen. Eine Ballettschule hatte zu einem Psalm sogar eine Choreografie erarbeitet.

Ein Psalter als Selbstläufer

Ins Leben gerufen hatten das Projekt Corinna Morys-Wortmann, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates von St. Paulus in Göttingen, und ihr Mann, der Kulturmanager Jens Wortmann. Völlig unerwartet, aber umso erfreulicher: Im Laufe des Jahres hatte sich der "Göttinger Psalter" zum Selbstläufer entwickelt. Immer wieder gab es spontane Veranstaltungen, von denen die Organisatoren erst im Nachhinein erfuhren.

Player wird geladen ...
"Die Spaltung der Christenheit ist ein Skandal" meint Bischof Feige und zeigt Verständnis für die Enttäuschung vieler Gläubiger. Aber er erinnert auch daran, dass die Spaltung nicht aus "Jux und Tollerei" entstand.
 Benjamin Krysmann

Ein weiteres Projekt: das Gebetshaus Neuruppin. Mitglieder der regionalen ACK haben ein ehemaliges Spiellokal in ein Gebetshaus verwandelt. Es lädt täglich von 10 bis 17 Uhr zum stillen Beten oder Meditieren ein. "Immer seltener finden Menschen einen Ort der Stille. Denn viele Kirchen sind außerhalb der Gottesdienstzeiten geschlossen", erklärt Dieter Begasse, Pastor der evangelisch-methodistischen Kirche in Neuruppin.

Der ökumenische Trägerverein "Haus der Kirche Neuruppin e.V." hat das Gebetshaus im Jahr 2010 eröffnet - als Anlaufstelle für Christen aus allen Kirchengemeinden und auch Menschen ohne kirchliche Bindung. In der Mitte des Raumes steht ein großes Kreuz, davor ein Tisch mit einer aufgeschlagenen Bibel. Kniebänke, Kniekissen und Stühle laden zum Gebet ein. Gebetsanliegen können an einer Pinnwand angebracht werden.

Bibelgespräche im Gebetshaus

Im Gebetshaus findet regelmäßig das ökumenische "Ruppiner Bibelgespräch" statt. Weitere Angebote: das Mittagsgebet am Dienstag, der Büchertisch am Donnerstag, der Missionsgebetskreis und das wöchentliche Gebet für die Verantwortlichen im städtischen und öffentlichen Leben. Ein Schriftentisch informiert über die einzelnen Kirchengemeinden. Angeboten werden auch Seelsorge- und Beratungsgespräche sowie die Vermittlung zu Beratungsstellen - unabhängig von kirchlicher Zugehörigkeit.

Weitere Informationen

Auf der Internetseite der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) finden Sie Informationen zu weiteren Themen und Aktionen des ökumenischen Bündnisses:

Zur Homepage

Die Asylgruppe St. Rochus Zirndorf unterstützt seit mehr als 20 Jahren neu ankommende Flüchtlinge aus über 40 Herkunftsländern, die für etwa drei Monate in Zirndorf untergebracht sind. Die Wurzeln der Asylgruppe liegen in den zwei kommunal getrennten katholischen und evangelischen Kirchengemeinden Oberasbach und Zirndorf. Die Gruppe arbeitet eng mit anderen lokalen und regionalen Gruppen und Trägern der Flüchtlingsarbeit zusammen.

Hinzu kommen Kontakte zu den Kirchen und Konfessionen der Herkunftsländer der Flüchtlinge. Darüber hinaus bestehen gute Kontakte zu islamischen Gemeinschaften und anderen Religionsgruppen. Neben ökumenischen Gottesdiensten in mehreren Sprachen und seelsorglicher Begleitung werden kostenlose Deutschkurse angeboten und Flüchtlinge bei Arztbesuchen und Behördengängen begleitet.

Von Margret Nußbaum

RSS-Feeds  |  Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2018