Wie sag ich's meinem Kind?

Christen feiern Weihnachten, Juden Chanukka, Muslime das Zuckerfest. Es ist schön, wenn Kinder von klein auf mit den Riten und Bräuchen ihrer Religion bekannt werden. Das vermittelt Halt und Geborgenheit. Wir verraten Ihnen, wie Sie mit kleinen Kindern über Gott sprechen können und dabei gewisse Rituale einsetzen.

Dossier: Religiöse Früherziehung | - 06.01.2015

Christen feiern Weihnachten, Juden Chanukka, Muslime das Zuckerfest. Es ist schön, wenn Kinder von klein auf mit den Riten und Bräuchen ihrer Religion bekannt werden. Das vermittelt Halt und Geborgenheit. Wir verraten Ihnen, wie Sie mit kleinen Kindern über Gott sprechen können und dabei gewisse Rituale einsetzen.

Die Religionswissenschaftler der Universität Tübingen - Albert Biesinger und Friedrich Schweitzer - haben herausgefunden: Kinder religiöser Eltern genießen einen guten Schutz vor Orientierungslosigkeit. So ausgerüstet können sie Krisen besser meistern.

Der Glaube daran, von Gott geliebt zu werden, stärkt das Selbstbewusstsein des Kindes. Da ist - außer den Eltern - noch jemand Größeres, dem es alles anvertrauen kann. Und da gibt es Werte, die zu vermitteln eine der wichtigsten Aufgaben aller Religionen ist, nämlich Achtsamkeit, Dankbarkeit, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Nächstenliebe und Verantwortung für die Schöpfung.

Gottes Segen tut gut

Kinder lieben religiöse Rituale. Ein gemeinsames Gebet vor dem Essen, bei dem sich alle am Tisch an den Händen fassen, macht deutlich: Wir gehören zusammen. Und wir freuen uns über das gute Essen. Dafür möchten wir Gott danken. Auch gegenseitiges Segnen - etwa morgens, wenn alle aus dem Haus gehen - ist eine intensive Form der Zuwendung. Eltern machen ihrem Kind damit deutlich: Wir haben dich lieb, und Gott hat dich auch lieb. Er ist bei dir – ganz gleich, was passiert.

Ein Vater und sein Sohn beten gemeinsam.
Ein Vater und sein Sohn beten gemeinsam.
 robyelo357/Fotolia.com

Eine ganz besondere Bedeutung hat das Abendgebet. Wenn Mütter und Väter sich abends zu ihrem Kind auf die Bettkante setzen und über die Erlebnisse des Tages sprechen, ist das eine wichtige Reflektion. Da wird manches klarer. Mit Mama und Papa über den Tag reden: Das ist eigentlich schon Beten. Und es ist nicht schwer, Gott in solche Gespräche mit einzubeziehen. Ein Beispiel: Jule, drei Jahre, erzählt ihrer Mama, wie schön sie heute mit Anna im Sandkasten gebuddelt und einen Schatz vergraben hat. Von Jules Erzählung bis zum Abschluss des Gespräches - "Gott, ich danke dir für Anna!" - ist es nur ein kleiner Schritt.

Das Gleiche gilt für den Morgen. Eltern und Kinder können Kraft für den ganzen Tag tanken, wenn sie sich ein paar Minuten sammeln und Zeit füreinander nehmen: "Was hast du geträumt? Hast du ruhig geschlafen, oder hat dich etwas beunruhigt? Schau, heute scheint die Sonne. Danke, guter Gott, dass du uns die Sonnenstrahlen zur Erde schickst. Danke aber auch für den Regen, ohne den nichts wachsen würde." Beten kann so einfach sein. Die Zwiesprache mit Gott hilft dem Kind, seine Gefühle wahrzunehmen und ihnen Ausdruck zu verleihen.

Freude und Leid im Leben

Wichtig ist, dass Eltern ihrem Kind dabei immer wieder versichern: "Du bist von Gott gehalten. Er liebt dich und begleitet dich durch dein Leben." Übrigens: Kinder gehen auch gern mal in die Kirche, wenn dort gerade kein Kindergottesdienst stattfindet. Sie nehmen die Stille und die besondere Atmosphäre oft viel intensiver wahr als Erwachsene. Setzen Sie sich hin und wieder mit Ihrem Kind in eine leere Kirche. Betrachten Sie die Bilder und Figuren, und zünden Sie gemeinsam eine Kerze an.

Was Sie nicht tun sollten: Gott als gutmütigen alten Mann zu beschreiben, der alle Wünsche erfüllt. Dahinter steckt ein Gottesbild, das irgendwann wie ein Kartenhaus zusammenbricht - spätestens bei der ersten Erfahrung mit Leid und Tod. Erklären Sie Ihrem Kind, dass neben Freude das Leid zum Leben gehört und dass jeder Mensch und jedes Tier einmal sterben muss - manche in hohem Alter, andere schon in jungen Jahren. Zu einer guten Gottesbeziehung gehören deshalb auch Erfahrungen von Ohnmacht, Wut und Trauer. Aber zum Glück auch der Trost: Gott macht sich nicht aus dem Staub. Er ist bei uns – im Licht und im Dunkel.

Von Von Margret Nußbaum

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