Wohnt Gott in der Kirche?

Wenn Kinder drei Jahre alt sind, beginnen sie Fragen zu stellen: Wo komme ich her? Warum kann ich Gott nicht sehen? Kennt der liebe Gott mich?

Dossier: Religiöse Früherziehung | Vatikanstadt - 07.01.2015

Eltern sollten froh darüber sein. Denn mit den Kleinen nach Antworten zu suchen, ist eine besonders intensive und schöne Einladung, sich selbst wieder mit dem eigenen Glauben auseinander zu setzen.

"Kinder bilden sich eine Meinung, schaffen sich ihre eigenen Vorstellungen und hören auf ihr eigenes Herz", sagt Christiane Bundschuh-Schramm, Referentin für Spiritualität und Seelsorge am Institut für Fort- und Weiterbildung der Diözese Rottenburg-Stuttgart. "Kinder haben ein intuitives Wissen von den alltäglichen und von den letzten Dingen. Sie sind kleine Theologen, deren munteres Philosophieren und Theologisieren seit ein paar Jahren sogar öffentliche und wissenschaftliche Beachtung findet.

Wenn ich an meine eigenen Kinder denke, habe ich den Eindruck, dass sie gar nicht so viele religiöse Fragen stellen. Stattdessen setzen sie theologische Theorien in die Welt oder treffen einfach mitten im Spiel eine Aussage über Gott. 'Gott hat die Aliens erschaffen' oder 'Gott sieht mich, wenn ich schlafe' oder 'Das Kuscheltier hat der Gott gemacht' oder 'Das ist doch nicht der Gott, das ist doch der Jesus.'"

Warum beten wir?

Bei Kinderfragen nach Gott geht es nicht um Wissensvermittlung. Eltern müssen nun Stellung beziehen: Wie stehe ich selber zu meinem Glauben? Wichtig ist dabei, immer ehrlich zu bleiben – sich selbst und dem Kind gegenüber. Bestimmt werden Mütter und Väter auch feststellen, dass es auf die gleiche Kinderfrage unterschiedliche Antworten geben kann – auch bei Ehepartnern. Ein gutes Beispiel "Warum beten wir?" Der Vater antwortet vielleicht: "Weil Oma, Opa, Onkel Paul und ich es schon früher getan haben. Das hat mir so gut gefallen, dass wir es auch tun."

Und die Mutter sagt vielleicht, wenn sie gefragt wird: "Ich glaube, dass wir alles, was wir zum Leben brauchen, von Gott bekommen. Dafür wollen wir ihm danken – mittags beim Tischgebet fürs Essen und abends für die vielen schönen Dinge, die wir tagsüber erlebt haben." Es ist oft schwierig, Glaubensfragen kindgemäß zu beantworten. Am besten sind Vergleiche und Erfahrungen aus dem Familienleben, etwa: "Gott sieht, wenn wir traurig sind. Und er möchte uns helfen, denn er schickt uns jemanden, der uns in den Arm nimmt und tröstet." Eine Erklärung, die schon kleine Kinder verstehen.

https://youtu.be/Xjokuz1iRjI?list=PLarPhgGhSYjD21k0FdIEbMHNwbmazdj4d

Fragen, die Kinder immer wieder stellen

Gehört die Sonne dem lieben Gott? Ohne Sonne können wir nicht leben. Nur wenn sie scheint, wachsen Blumen und Bäume. Ohne Sonne würden kein Obst, kein Gemüse und kein Getreide reif. Wir könnten keine Äpfel, Birnen, Tomaten oder Möhren ernten. Der Müller könnte kein Mehl mahlen, denn es gäbe ja kein Getreide. Wir hätten nichts zu essen. Und es wäre furchtbar kalt auf der Erde. Denn nur wenn die Sonne scheint, ist es warm und hell. Die Sonne ist ein Zeichen Gottes. Er will, dass es uns gut geht. Deshalb hat er sie erschaffen, damit sie uns Wärme und Licht gibt und eine gute Ernte. 

Wo war ich, bevor ich zur Welt kam? Du bist in Mamas Bauch gewachsen, weil sie deinen Papa sehr lieb hat. Als du groß genug warst, bist du geboren worden. Deine Mama und dein Papa haben dich sehr lieb. Sie wollten, dass du zur Welt kommst. Der liebe Gott wollte das auch. Für ihn bist du einmalig. Es gibt auf der ganzen Welt keinen anderen Menschen, der so ist wie du. Gott wollte jeden so, wie er ist – auch dich. Er hat schon an dich gedacht, als du noch nicht auf der Welt warst. 

Kann ich Gott sehen oder hören? Mama und Papa, dein Kinderzimmer, deine Spielsachen, die Straße und die Häuser, den Garten mit seinen Blumen: Alles kannst du sehen. Du hörst Stimmen von Menschen und Tieren, das Hupen von Autos, das Läuten der Glocken. Vieles, was du siehst und hörst, kannst du anfassen. Aber manches, was du spürst, kannst du nicht sehen und nicht hören und auch nicht anfassen, zum Beispiel die Sonne. Du kannst ihre Strahlen nicht sehen. Aber, du spürst ihre Wärme auf deiner Haut. So ist es auch mit Gott. Du spürst seine Nähe, wenn Mama dir einen Kuss gibt, wenn du dich ganz doll freust, aber auch wenn du traurig bist. Wenn Mama und Papa dich dann trösten, geht es dir wieder besser. Überall, wo Menschen zusammen sind, ist Gott mit dabei – auch wenn du ihn nicht sehen kannst. Er ist unsichtbar – wie die Sonnenstrahlen oder wie der Wind. 

Kann ich mit Gott reden? Klar kannst du das! Erzähl dem ihm einfach alles – so wie du Mama und Papa, deinem Bruder oder deiner Schwester, Oma und Opa oder deiner Freundin oder deinem Freund im Kindergarten alles erzählst. Was war heute besonders schön? Warum bist du gerade traurig? Du darfst Gott alles anvertrauen. Er hört dir zu – ganz genau. Denn Gott hat dich lieb und möchte, dass es dir gut geht. 

Wohnt der liebe Gott in der Kirche? Er wohnt überall dort, wo Menschen zusammen leben, also nicht nur in der Kirche. In der Kirche versammeln wir uns. Wir hören Geschichten über Gott, wir singen und beten. Das gefällt ihm. Denn in der Kirche erfahren wir viel über Gott und lernen ihn immer besser kennen. Gott wohnt aber auch in unserem Haus. Er freut sich, wenn wir uns lieb haben. Er ist aber auch bei uns, wenn wir spazieren gehen und uns über das Zwitschern der Vögel, die schönen Blumen oder den kleinen Käfer freuen.

Von Margret Nußbaum

Kinder können im Gebet alles zum Ausdruck bringen

Freude und Ärger, Angst und Wut gehören ebenso dazu wie körperliche Ausdrucksformen, etwa Singen, Klatschen, Tanzen und Lachen. Die meisten Kinder genießen es, beim Gebet in den Arm genommen zu werden und Mamas oder Papas Wärme zu spüren. Nur durch Zuneigung der Eltern kann ein Kind eine Beziehung zu Gott aufbauen.

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