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Weihnachtskrippe

Dass der Gottes Sohn in einem ärmlichen Stall auf die Welt kommt, gehört zu den wunderlichsten Aspekten der Weihnachtsgeschichte. Dem Brauchtumsexperten Manfred Becker-Huberti zufolge hat es die Krippenverehrung bereits zu Beginn des Mittelalters gegeben.

Dossier: Advent und Weihnachten | Bonn - 06.01.2015

Dass Jesus, Gottes Sohn, gerade nicht in einem herrschaftlichen Palast, sondern in einem ärmlichen Stall auf die Welt kommt, gehört zu den wunderlichsten Aspekten der biblischen Weihnachtsgeschichte. Gemeinsam mit dem Brauchtumsexperten Manfred Becker-Huberti begibt sich katholisch.de auf den Weg, über den die Weihnachtskrippe den Einzug in die heimischen Wohnzimmer fand.

"Als sie dort [in Betlehem] waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen", seht im Lukasevangelium und weiter: "Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war."

Kein Wunder, dass unterm Weihnachtsbaum eine Weihnachtskrippe mit Maria, Jesus, Christus, Ochs und Esel nicht fehlen darf. Dem Brauchtumsexperten Manfred Becker-Huberti zufolge, hat es religiöse Krippenverehrung in Rom bereits zu Beginn des Mittelalters gegeben. Viel zur Verbreitung der Krippe hat der Heilige Franz von Assisi (1181/1182 - 1226) beigetragen.

Verbreitung durch die Jesuiten

In der Christnacht des Jahres 1223 hielt er in einer Höhle bei Greccio eine Krippenfeier mit lebenden Tieren ab. Ein halbes Jahrhundert später gab es die erste Krippe in Rom. Ochs und Esel kommen übrigens in der biblischen Weihnachtsgeschichte gar nicht vor. Dass sie dennoch zur Krippe gehören, hat damit zu tun, dass die Tiere an verschiedenen Stellen der Bibel als Symbole und Metaphern verwendet werden.

Büßender Hl. Franziskus von Francisco de Zurbarán (1639)  Gemeinfrei

Eine europaweite Verbreitung fand die Weihnachtskrippe ab dem 16. Jahrhundert durch die Jesuiten. Die erste Krippe des Ordens stand um 1560 in einem Kloster in Portugal, bald folgten Kirchen und Fürstenhäuser in Spanien, Italien und Süddeutschland. Als im Zuge der Aufklärung ein Krippenverbot für Kirchen und Ordenshäuser erlassen wurde, bauten die Menschen sie hinter dem Rücken der Obrigkeit in den Nachbarhäusern auf. Damit legten sie den Grundstein für die Entwicklung der Hauskrippe.

Nach und nach wurden die Krippenfiguren kleiner und die heilige Familie durch Engel, Hirten und die Weisen aus dem Morgenland ergänzt. Die noch heute verwendeten Papierkrippen kamen im 18. Jahrhundert auf. Sie wurden zunächst von Hand bemalt, später maschinell bedruckt.

Seit dem 19. Jahrhundert werden Hauskrippen aus Gips, Ton und Pappmache in Serie hergestellt. Sie sind preiswert und haben damit ihren Platz in vielen Wohnzimmern erobert. In einigen Regionen werden aber noch Krippen von Hand gefertigt, die nicht nur unter Sammlern begeisterte Abnehmer finden. Eine der größten Krippenausstellungen ist im Bayerischen Nationalmuseum in München zu sehen.

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450 Krippen aus 45 Ländern  Bistum Hildesheim

Krippendarstellungen

Krippenlandschaft

Bis ins späte 19. Jahrhundert wurde die Darstellung der heiligen Nacht in eine morgenländische Landschaft eingebettet: flaches Hügelland, Häuser mit Kuppeln und Bögen, Figuren in orientalischer Tracht mit Unterkleid und Überwurf. In der weiteren Entwicklung bildeten sich verschiedene Formen der Krippe heraus. Krippenbauer verlegten die Weihnachtsgeschichte in ihre Heimat. Statt in exotischer Umgebung, mit Felsen und Palmen, fand das Geschehen zum Beispiel in einer Berghütte inmitten der Tiroler Alpen statt. Die Kleidung der Figuren wurde der jeweiligen regionalen Tracht angepasst. Dahinter stand der Gedanke, die Geburt Christi in die Lebenswelt der Gläubigen zu übertragen und sie ihnen auf diese Weise näher zu bringen.

Heimatkrippen

Weihnachtskrippen mit regionalem Bezug sind heute noch sehr beliebt, daher sind die Formen der Gestaltung vielfältig. Material, Farbgebung und Aufbau der Krippe spiegeln landestypische Begebenheiten und Traditionen der verschiedenen Länder wider: Typisch für El Salvador sind bunt lackierte Krippen aus weichem Balsaholz. In Korea werden Figuren mit asiatischen Gesichtszügen in Nationaltrachten aus Seide gehüllt. Aus Frankreich stammen die bekannten Santons – "kleine Heilige" wie Müller, Jäger oder Reisigsammlerin aus bemaltem Ton, die unterschiedliche Gaben zur Krippe bringen.

Simultankrippen und Wandelkrippen

Diese Formen der Krippe zeigen die heilige Familie nicht nur im Stall zu Bethlehem, sondern erzählen die Geschichte von der Verkündigung bis hin zur Flucht nach Ägypten. Die Wandelkrippe wird bereits am Nikolaustag aufgestellt und die Szenerie immer wieder verändert oder ergänzt. Bei der Simultankrippe werden alle Szenen gleichzeitig in einer großen Landschaft dargestellt. Die größte Art dieser Krippen ist die Jahreskrippe, die alle Szenen des Kirchenjahres zeigt.

Friedenskrippe

Zu den besonderen Krippendarstellungen zählt mit Sicherheit die sogenannte Friedenskrippe im Kölner Hauptbahnhof. Jahr für Jahr zeigt das große Modell die Weihnachtsgeschichte im zerstörten Köln der unmittelbaren Nachkriegszeit.

Linktipp: Über eine Krippe gegen die Angst

Die Angst ist Tag und Nacht da, aber nie zu greifen. Auch im Gefängnis in Heidelberg spürt man sie. Seelsorger Hermann Bunse hat gegen die Angst ein Krippenprojekt initiiert. Ihre Figuren erzählen die weihnachtliche Botschaft neu.

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Von Janina Mogendorf

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