Clooney oder Woelki?

Joachim Frank über Kirche und Flüchtlingskrise

Standpunkt | Bonn - 16.02.2016

Eine Frau hat die Wahl: George oder Rainer? Clooney oder Woelki? Glamouröser, keine Frage, sind die Bilder von Angela Merkel mit dem US-Weltstar und seiner Frau. Im Anschluss an das Kaffeekränzchen im Kanzleramt verlautete, die Gäste aus Hollywood unterstützten die Flüchtlingspolitik der deutschen Regierungschefin.

Schön für Merkel, denn gar so viele sind es ja nicht mehr. Das lässt nun an den Kölner Erzbischof denken. Aber nicht nur an Woelki, sondern auch seinen Münchner Mitbruder Reinhard Marx oder (in ökumenischer Ausgewogenheit) den EKD-Ratsvorsitzenden, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Sie haben sich politisch in seltener Klarheit auf Merkels Seite gestellt. Zivilgesellschaftlich sind es insbesondere die Kirchen und die aktiven Christen in Pfarrgemeinden, Vereinen und Initiativen, die für eine Willkommenskultur und für Merkels "wir schaffen das" einstehen. Auch zu Beginn ihrer Frühjahrsvollversammlung mit der Flüchtlingspolitik als einem Schwerpunkt-Thema hat die Bischofskonferenz erneut klar Position bezogen: Zusammenstehen, gab Kardinal Marx als Devise  aus.

Derweil die Kanzlerin mit den Clooneys zusammensitzt. Zum Schulterschluss, gar zum Tete-a-Tete mit den Kirchenführern lässt der Terminkalender der Kanzlerin anscheinend keinen Raum. Von Telefonaten zwischen Berlin und Köln war bislang auch nichts zu vernehmen. Ob das Methode hat? Ob Merkel darauf baut, dass sie "bei Kirchens" keine Honneurs machen muss?

Vielleicht geht sie ja sogar mit Bedacht auf Anstands-Abstand, damit die gesinnungsethische Argumentation der Kirchen diejenigen nicht noch mehr gegen sie aufbringt, die ihre Politik grundsätzlich für gescheitert halten. Die Kirchen müssen ihren sozialethischen Flankenschutz doppelt absichern: durch möglichst konkrete Aussagen, wie die hehren Prinzipien realpolitisch durchzuhalten sind; und durch möglichst umfassenden eigenen Einsatz – finanzieller, personeller und struktureller Art – zur Bewältigung der Flüchtlingskrise. Die Initiative "Wir sind Kirche" hat die Bischöfe zum Auftakt der Vollversammlung zu Recht darauf aufmerksam gemacht. Ein "Anklagemodus", wie Kardinal Marx (an dieser Stelle notorisch empfindlich) meinte, ist das nicht. Eher ein Fall von Paränese. Diese Textgattung der Mahnrede ist Marx als Sozialethiker selbstredend ebenso vertraut wie als Theologe.   

Der Autor

Joachim Frank ist Chefkorrespondent der DuMont-Mediengruppe und Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands (GKP).

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Von Joachim Frank

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